Leeraner in Dubai  „Wir saßen in einem der letzten Flieger“

Ute Nobel
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Von Ute Nobel
| 05.03.2026 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Jan-Niklas Fresemann (links) und Cord Pleis aus Leer besichtigen mit ihren Partnerinnen Dubai – einen Tag, bevor die Stadt Ziel von Vergeltungsangriffen des Iran wird. Foto: Jan-Niklas Fresemann
Jan-Niklas Fresemann (links) und Cord Pleis aus Leer besichtigen mit ihren Partnerinnen Dubai – einen Tag, bevor die Stadt Ziel von Vergeltungsangriffen des Iran wird. Foto: Jan-Niklas Fresemann
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Zwei Leeraner machen Urlaub in Dubai – und sitzen am Ende in einem der letzten Flieger, bevor der Luftraum der Emirate geschlossen wird. Wenige Stunden später eskaliert der Konflikt.

Leer/Dubai - Zwei Leeraner sind wortwörtlich mit dem Schrecken davongekommen: Jan-Niklas Fresemann und Cord Pleis waren vergangene Woche, in der letzten Februarwoche 2026, in Dubai. Noch am Freitag, 27. Februar 2026, hatten sie das Wahrzeichen der Stadt, das weltberühmte Luxushotel Burj Al Arab besichtigt. Einen Tag später, am 28. Februar 2026, beginnt der gemeinsame Angriff Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran. Der Iran reagiert mit Vergeltungsangriffen – nicht nur in Israel, auch in anderen Staaten der Region. Trümmerteile einer abgefangenen Drohne treffen in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 2026 das berühmte Hotel in Dubai, Rauch steigt aus dem Wolkenkratzer empor. Mehrere der insgesamt 56 Stockwerke des Wolkenkratzers brennen.

Das weltbekannte Luxushotel Burj al Arab haben sie noch fotografiert. Einen Tag später stieg Rauch aus dem Wolkenkratzer. Foto: Jan-Niklas Fresemann
Das weltbekannte Luxushotel Burj al Arab haben sie noch fotografiert. Einen Tag später stieg Rauch aus dem Wolkenkratzer. Foto: Jan-Niklas Fresemann

Am Samstagmorgen, 28. Februar 2026, wird der Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate geschlossen. Der Betrieb des Flughafens in Dubai wird vollständig eingestellt. Allerdings haben Fresemann und Pleis Glück: Was sie um kurz nach 8 Uhr morgens, als sie in ihren Flieger steigen, noch nicht wissen: Sie sitzen laut Fresemann in einem der letzten beiden Flugzeuge, die den Flughafen kurz vor der Schließung verlassen können. „Ich hatte mich gewundert, dass ein Flugzeug direkt hinter uns stand“, erzählt Fresemann. „Wie in einer Schlange. Das ist ja sonst nicht üblich, vor allem auf so großen Flughäfen“, sagt er. Die Stewardess habe den Urlaubern noch einmal andere Plätze zugewiesen. „Und dann sollten wir uns auch schnell setzen, weil wir starten sollten“, erzählt der 44-Jährige. „Wir sind dann 20 Minuten eher gestartet, als ursprünglich geplant war“, so Fresemann – auch das kam ihm etwas komisch vor. Im Flieger hätten dann alle den Nachrichtensender CNN eingeschaltet – und erfahren, dass Irans Oberster Führer Ali Chamenei getötet wurde.

Die Touristen schauen sich die Stadt an. „Man konnte nur verhüllt und die Damen mit Kopfbedeckung in die Moschee“, sagt Jan-Niklas Fresemann (rechts). Foto: Jan-Niklas Fresemann
Die Touristen schauen sich die Stadt an. „Man konnte nur verhüllt und die Damen mit Kopfbedeckung in die Moschee“, sagt Jan-Niklas Fresemann (rechts). Foto: Jan-Niklas Fresemann

„Wir haben so ein Schweineglück gehabt“

Danach wird der Luftraum über Dubai gesperrt, Touristen sitzen tagelang fest. Noch immer sind nicht alle Urlauber aus der Region wieder zurück in ihrer Heimat. Der Flieger, in dem Jan-Niklas Fresemann und Cord Pleis sitzen, umfliegt das Gebiet, macht einen Umweg. „Wir sind vier Stunden später angekommen als geplant.“ In Wien habe das Flugzeug noch einmal zwischenlanden und tanken müssen. Im Flugzeug habe eine ruhige Stimmung geherrscht. „Die Besatzung hat das toll gemacht. Die Mitarbeiter von Emirates, die wohnen da ja auch alle.“ Eine Stewardess sei Fresemann aufgefallen. „Die hat sich immer die Tränen weggewischt“, erzählt er. „Wenn du da Kinder hast oder Familie und weißt, du kannst erstmal nicht zurück. Das tat mir schon leid“, sagt er.

„Eine Stunde nach unserem Start ist der Flughafen komplett dichtgemacht worden. Wir haben so ein Schweineglück gehabt“, sagt er. So richtig begriffen habe er das alles aber erst, als sie wieder zu Hause waren. „Wir sind einfach nur glücklich, dass wir da nicht gestrandet sind“, sagt er. „Da wird einem anders, wenn man das in den Nachrichten sieht. Diese Beschüsse auf Doha. Da waren wir ja auch.“ Zu Hause habe es deshalb auch Ärger gegeben – von seinem Vater. „Mein Papa war echt stinkig.“ Die Familie habe sich natürlich Sorgen gemacht und es unverantwortlich gefunden, dass Fresemann die Reise überhaupt angetreten sei. „Aber es hatte keine Reisewarnung gegeben“, darauf besteht der 44-Jährige. „Für den Iran, ja“, sagt er. Aber für die Vereinigten Arabischen Emirate nicht. Er und seine Partnerin, die ebenfalls mitgeflogen war, hätten sich kurz vor der Abreise extra noch erkundigt. „Sonst wären wir doch auf keinen Fall geflogen“, sagt er. „Gerade meine Freundin Nadine ist immer sehr vorsichtig.“ Vom Reisen werde ihn diese Erfahrung aber keinesfalls abhalten – „das nächste Ziel ist Vietnam“, sagt Fresemann.

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