Betriebsversammlung  VW Emden verlangt Millionen-Investitionen

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 04.03.2026 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Volles Haus bei VW Emden: Tausende kamen am Mittwoch zur Betriebsversammlung. Foto: Volkswagen AG
Volles Haus bei VW Emden: Tausende kamen am Mittwoch zur Betriebsversammlung. Foto: Volkswagen AG
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Der VW-Standort Emden ringt nach wie vor ums Überleben. Der Betriebsrat hat jetzt verlangt, Nägel mit Köpfen zu machen, um das Werk in die Zukunft zu führen. Es geht um hunderte Millionen Euro.

Emden - Der Betriebsratschef von VW Emden hat kurz vor den anstehenden Betriebsratswahlen eine Millionen-Investition von Volkswagen ins ostfriesische Werk gefordert. „Jetzt ist wichtig, dass wir die notwendigen Zukunftsinvestitionen für eine neue Lackiererei und für das Presswerk erhalten – und klare Perspektiven für die Elektromobilität“, sagte Manfred Wulff am Mittwochmorgen bei einer Betriebsversammlung in Emden.

Bei den Investitionen in eine neue Lackiererei und in das Presswerk geht es jeweils um mehrere hundert Millionen Euro. Das hatte der Betriebsrat bereits zuvor mehrfach dargelegt. Mit dem Zusatz „Perspektiven für die Elektromobilität“ dürfte es diesmal aber eben auch um den Elektro-Standort Emden selbst gehen. Wulff hatte erst kürzlich im Gespräch mit unserer Redaktion die Hoffnung geäußert, dass eine Entscheidung für die Zukunft des Emder Werks vielleicht schon im Sommer fallen könnte. Es geht dabei um die Zusage von der Konzernspitze, den ID.4 auch nach 2030 noch in Ostfriesland montieren zu dürfen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass VW Emden bestimmte Fabrikziele erreicht.

Betriebsratschef Manfred Wulff. Foto: Volkswagen AG
Betriebsratschef Manfred Wulff. Foto: Volkswagen AG

Emder Werksleiter: „Den richtigen Kurs eingeschlagen“

Den weit mehr als 7.000 Mitarbeitern bei VW Emden dürfte klar sein, worum es in diesem Jahr für sie geht. Auf entsprechende Aufmerksamkeit dürften daher wohl auch die Worte von Werksleiter Enno Fehse gestoßen sein. Im Unternehmensbericht stellten Fehse und Personalleiter Gerold Cramer die erzielten Ergebnisse des Jahres 2025 im Werk Emden heraus und gingen auf die Herausforderungen und Perspektiven der kommenden Wochen und Monate ein. Die Marke Volkswagen hat laut VW im vergangenen Jahr weltweit rund 4,73 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Dabei konnte der Absatz in Europa im Vorjahresvergleich gesteigert werden.

Enno Fehse, Werksleiter von VW Emden. Foto: Volkswagen AG
Enno Fehse, Werksleiter von VW Emden. Foto: Volkswagen AG

„Bei der Absatzentwicklung der Elektrofahrzeuge hat unser ID.7 als Topmodell der ID.-Familie einen maßgeblichen Anteil“, wird Fehse in einer Pressemitteilung zitiert. „Wir begeistern unsere Kundinnen und Kunden mit einem herausragenden, emotionalen Produkt.“ Die Mannschaft in Emden leiste dafür in allen Bereichen Großes: „Die Flexibilität, Leistungs- und Veränderungsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen ist weiterhin beeindruckend und bestätigt, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben“, so Fehse. „Wir ziehen alle Hebel, um in diesem wichtigen Fokusjahr die notwendigen Ergebnisse zu erzielen.“

IG-Metall-Chefin: „Stolz und Leidenschaft“ für E-Autos aus Ostfriesland

Kern der Betriebsversammlung war allerdings die für die Zeit vom 10. bis zum 13. März angesetzte Betriebsratswahl. Dazu war eigens die Bundesvorsitzende der IG Metall aus Frankfurt nach Emden gereist. „Im VW Werk Emden habe ich heute eindrucksvoll erlebt, wie viel Stolz und Leidenschaft in den Elektrofahrzeugen aus Ostfriesland steckt“, wird Christiane Benner in der Pressemitteilung zitiert. Nicht umsonst fertigten die Kolleginnen und Kollegen hier die Elektroautos, die auf dem deutschen Markt mit am erfolgreichsten seien. „So muss es weitergehen“, sagte Benner. Der hart erkämpfte Tarifabschluss mit der Beschäftigungsgarantie bis Ende 2030 biete dem Werk eine gute Perspektive, die Emder Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

Christiane Benner, Bundesvorsitzende der IG Metall. Foto: Volkswagen AG
Christiane Benner, Bundesvorsitzende der IG Metall. Foto: Volkswagen AG

Es seien gerade entscheidende Wochen, so die IG-Metall-Chefin weiter. Die Betriebsratswahlen liefen bundesweit seit 1. März. Das heiße: betriebliche Demokratie stärken, mitbestimmen, wählen gehen und das Team IG Metall unterstützen, warb sie für ihre eigene Organisation. „Als IG Metall stehen wir dafür ein, dass auch die nächste Generation hier am Standort Emden erfolgreich Autos ‚made in Ostfriesland‘ bauen kann.“ In Emden treten allerdings noch zwei weitere Arbeitnehmervertretungslisten zur Betriebsratswahl an. Der Emder Betriebsratschef Wulff resümierte: „Die heutige Betriebsversammlung stand klar im Zeichen der anstehenden Betriebsratswahlen. Über 60 Jahre Volkswagen Emden zeigen: Nur eine starke IG Metall und starke Betriebsräte sichern unseren Standort und unsere Zukunft.“

Wolfsburger Markenchef: „Volkswagen kommt voran“

Parallel zu VW Emden fand am Mittwoch auch eine Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg statt. Dabei gab es laut Mitteilung einen ersten Ausblick auf den kommenden vollelektrischen Golf 9. Allerdings nur als Silhouette in Schwarz-Weiß auf der Großbildleinwand vor mehreren Tausend Beschäftigten. VW will die Produktion des aktuellen Verbrenner-Modells ab der zweiten Jahreshälfte 2027 nach Mexiko verlagern, um in Wolfsburg Platz zu machen für den Umbau für E-Modelle. Ende des Jahrzehnts soll im Stammwerk dann der vollelektrische Nachfolger anlaufen.

Markenchef Thomas Schäfer sprach mit Blick auf die ein halbes Dutzend Weltpremieren 2026 von einem entscheidenden Jahr für Volkswagen. „Die Marke Volkswagen kommt voran, die Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte er laut Mitteilung. „Diesen Stand haben wir uns hart erarbeitet. Die Richtung stimmt, aber wir sind noch nicht im Ziel und dürfen jetzt nicht nachlassen.“

Gesamtbetriebsratschefin: Noch keine Entscheidung zu Anerkennungsprämie

Im Vorfeld der beiden Betriebsversammlungen in Emden und Wolfsburg war die Hoffnung geäußert worden, dass es Neuigkeiten zu der sogenannten Anerkennungsprämie geben könnte. Doch daraus wurde erst einmal nichts. Laut Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo wird der Volkswagen-Vorstand erst nach der Betriebsratswahl darüber entscheiden.

Hintergrund für die Forderung ist die überraschend gute Kassenlage, die der Konzern im Januar dieses Jahres gemeldet hatte. Cavallo hatte daraufhin gefordert, die Belegschaft an den sechs Milliarden Euro Cashflow zu beteiligen.

Mit Material von dpa

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