Dubai  Spekulationen um Propaganda: Was steckt hinter den Influencer-Videos zum Nahost-Krieg?

Patrick Kern
|
Von Patrick Kern
| 04.03.2026 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Dubai leben viele Influencer, die ihre Follower in ihrem scheinbar perfekten Luxusalltag mitnehmen. Nun aber werden sie mit der geopolitischen Krise in Nahost konfrontiert. Foto: IMAGO/Achille Abboud
In Dubai leben viele Influencer, die ihre Follower in ihrem scheinbar perfekten Luxusalltag mitnehmen. Nun aber werden sie mit der geopolitischen Krise in Nahost konfrontiert. Foto: IMAGO/Achille Abboud
Artikel teilen:

Die Eskalation im Nahen Osten geht auch an den vielen Influencern in Dubai nicht spurlos vorbei. Doch nach den ersten verunsicherten Reaktionen sieht man jetzt nur noch Videos, in denen die Sicherheit des Emirats und der Schutz durch die Regierung gelobt werden. Was hat es damit auf sich?

Sonne satt, Luxusleben, null Steuern: Viele Influencer zieht es aus diesen Gründen nach Dubai. Doch in den vergangenen Tagen bekam das Bild des traumhaften Paradieses einen Riss: Am Himmel sah man plötzlich Kampfdrohnen aus dem Iran fliegen. Trümmerteile beschädigten den internationalen Flughafen sowie das Luxushotel Burj Al Arab, am Dienstag haben die Flugobjekte ein Feuer in der Nähe des dortigen US-Konsulats ausgelöst.

Während das Auswärtige Amt vor Reisen in den Nahen Osten warnt und viele Touristen alles versuchen, um aus der Krisenregion wegzukommen, zeichnen Dubai-Influencer ein anderes Bild. Sängerin Kim Gloss teilt mit: „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben. Wir vertrauen dem Land, wir vertrauen der Regierung – und vor allem dem Raketensystem, das in den letzten 24 Stunden Enormes geleistet hat.“ Ähnliches ist von Model Fiona Erdmann zu hören: „Dubai beschützt uns.“

Wenig später macht ein „Videotrend“ die Runde. Internationale Dubai-Influencer posten ein Video von sich mit dem Text: „Du lebst in Dubai, hast du keine Angst?“, bevor Szenen von mehreren Scheichs eingeblendet werden, die die Antwort mitliefern: „Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt.“ Bei vielen Influencern sind die eingebauten Scheich-Szenen identisch. Das sorgt für Spekulationen um mögliche Propaganda, damit das Emirat nicht in Verruf gerät.

Fakt ist: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben strenge Auflagen, wenn es um die Darstellung des Landes geht. Gemäß Bundesgesetz Nr. 34 von 2021 zur Bekämpfung von Gerüchten und Cyberkriminalität drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Dirham (umgerechnet rund 117.000 Euro), wenn man Gerüchte, Falschinformationen oder Verhöhnungen verbreitet, die dem Ansehen der VAE schaden. Influencern droht darüber hinaus der Lizenzentzug, mit der sie dort mit den sozialen Medien Geld verdienen dürfen, erklärt Medienanwalt Christian Solmecke gegenüber dem WDR. Bei noch schlimmeren Vergehen, wie deutlicher Kritik am Staat, kann auch die Ausweisung erfolgen.

In der Hauptstadt Abu Dhabi gab es kurz nach den ersten Angriffen auch eine entsprechende Warnung: „Denk nach, bevor du postest! Die Justizbehörde von Abu Dhabi warnt davor, Gerüchte und Falschnachrichten von unbekannten Quellen in den sozialen Medien zu verbreiten“, hieß es unter anderem auf der Kurznachrichtenplattform X.

Shoura Hashemi von Amnesty International Austria unterstützt den Verdacht, dass bei den jüngsten Postings der Druck der VAE-Regierung zu spüren ist. Im Interview mit dem österreichischen Magazin „Profil“ erklärt sie, dass in Dubai zahlreiche bezahlte Influencer tätig seien, die nicht nur Produkte bewerben, sondern teils auch im Sinne staatlicher Akteure kommunizieren. Dass solche Stimmen nun öffentlich vermitteln, dass keine Gefahr im Emirat bestehe, sei naheliegend.

Das würde auch erklären, wieso manche Videos der Influencer nicht mehr zu finden sind: Erste Reaktionen, in denen sie mit Sorge und Verunsicherung auf die Drohnenangriffe reagierten, seien inzwischen gelöscht worden, berichten WDR und Deutschlandfunk.

Dem Eindruck widerspricht Gerhard Strasser, der als Teil von „EmirateSetup“ Influencer bei ihrer Firmengründung in Dubai hilft und selbst in Abu Dhabi lebt. Im Interview mit „t-online“ sagt er bezüglich der Spekulationen, dass es keine gezielten Vorgaben für die Videoproduzenten gebe: „Sie können berichten, was sie wollen. Sie können berichten, ich fühle mich unsicher, mich nervt der Verkehr oder mich nervt die Hitze.“ Falschmeldungen grenzt er dennoch klar davon ab: „Man darf keine Gerüchte streuen, das wird streng geahndet.“

Den „Videotrend“ um die Scheichs sieht Strasser deshalb nicht als Propaganda an, sondern vielmehr als einen Tiktok-Trend. Dieser könnte viele Klicks versprechen – und damit auch wieder bares Geld.

Ähnliche Artikel