Stuttgart  Steigende Benzinpreise: Das üble Spiel an der Zapfsäule

Thomas Hagenbucher
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Von Thomas Hagenbucher
| 03.03.2026 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Iran-Angriff: Die Spritpreise in Deutschland ziehen merklich an. Vereinzelt ist die Zwei-Euro-Marke geknackt worden. Foto: IMAGO/A. Friedrichs
Iran-Angriff: Die Spritpreise in Deutschland ziehen merklich an. Vereinzelt ist die Zwei-Euro-Marke geknackt worden. Foto: IMAGO/A. Friedrichs
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Die Autofahrer bekommen den Krieg im Iran umgehend zu spüren – das Tanken wird deutlich teurer. Auch die deutsche Politik ist nicht ganz unbeteiligt an der Preistreiberei.

Die Empörung ist groß: Der Krieg im Iran führt umgehend zu explodierenden Spritpreisen an deutschen Tankstellen. Sogar die Zwei-Euro-Marke ist vereinzelt bereits gefallen. Wie kann das denn sein, fragen sich viele? Der Kraftstoff, den man jetzt in Deutschland tankt, ist doch längst verarbeitet und hierher transportiert worden. Die sicher nicht ganz abwegige Vermutung: In dieser heiklen Weltlage machen sich schon wieder die Mineralölkonzerne die Taschen voll.

In der Tat besteht – zumindest Stand jetzt – hierzulande noch überhaupt keine Knappheit an Benzin und Diesel. Doch die Preismechanismen, die in solch einer Situation unerbittlich zusammenwirken, stellen eine Mischung aus einer erwarteten – oder zumindest möglichen – Knappheit in nicht allzu ferner Zukunft dar und einem Ausnutzen der allgemeinen Verunsicherung durch die Mineralölkonzerne. Es fehlt schlichtweg an Wettbewerb in der Branche. Hier muss das Bundeskartellamt in Zukunft noch viel genauer hinschauen – und notfalls entschlossen eingreifen.

Es dauerte jedenfalls nicht lange, bis massive Kritik an den Tankstellenbetreibern aufkam – auch und gerade aus der Politik. Doch ob die Regierenden tatsächlich als glaubwürdige Anwälte der Autofahrer taugen, scheint zumindest fraglich. Denn zu den Tatsachen gehört auch, dass der Staat einen ganz erheblichen Anteil an der Preistreiberei an der Tankstelle hat. So machen inzwischen bis zu 64 Prozent des Spritpreises Steuern und Abgaben aus. Daneben verdient der Staat über die Mehrwertsteuer sogar direkt an den massiven Preissteigerungen mit.

Den Autofahrern bleibt zunächst nur Folgendes: noch viel mehr als ohnehin schon die Preise genau zu vergleichen und die Fahrten auf das absolut Notwendige zu beschränken. Perspektivisch ist es sicherlich auch sinnvoll, die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas weiter zu verringern. Doch das dauert.

Bei aller Panik: Die Preise werden sich vermutlich bald wieder normalisieren. Wenn der Konflikt aber doch länger dauern oder sich zu einem Flächenbrand ausweiten sollte, dürften die Tankstellen nur der Anfang gewesen sein. Dann droht uns nicht nur ein ausgesprochen teurer Heizwinter 2026/2027 – auch große Teile des Erdgases kommen vom Persischen Golf –, sondern eine erneute Inflationswelle, da praktisch jedes Produkt von den weltweiten Preisen für Energie und Transporte beeinflusst wird.

Spätestens dann muss die Bundesregierung wieder über eine – zumindest moderate – Entlastung der Bürger nachdenken. Ja, der Staat kann nicht alles ausgleichen, aber er sollte zumindest nicht noch an dem üblen Spiel rund um die Energiepreise mitverdienen.

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