Osnabrück  Mehr ältere Nutzer: Inwiefern die Versilberung der sozialen Netzwerke eine Chance ist

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 03.03.2026 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Videotelefonie ist für die Hälfte der „Silversurfer“, wie ältere Internetnutzer oft genannt werden, längst Alltag. Das ergibt eine Studie von Bitkom. Foto: picture alliance / imageBROKER
Videotelefonie ist für die Hälfte der „Silversurfer“, wie ältere Internetnutzer oft genannt werden, längst Alltag. Das ergibt eine Studie von Bitkom. Foto: picture alliance / imageBROKER
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Während über ein Social-Media-Verbot für Kinder gestritten wird, entdecken immer mehr Ältere die Plattformen für sich. Das verändert die Debatte – und verschiebt die Verantwortung im digitalen Raum.

Während Deutschland über ein Social-Media-Verbot für Kinder diskutiert und diese Debatte bei den Jüngeren sogar am meisten Zustimmung findet, sind es die Älteren, die das Internet und soziale Medien zunehmend für sich entdecken: Waren es 2021 noch 15 Prozent der 65- bis 74-Jährigen, nutzten 2025 25 Prozent die sozialen Netzwerke – laut einer Auswertung des Verbands Bitkom liegt die Zahl sogar bei 44 Prozent.

Das birgt mehr Chancen, als man auf den ersten Blick vielleicht annehmen könnte. Nicht nur geht es um die viel besungene digitale Teilhabe, die in einer zunehmend digitalisierten Welt gerade für die Älteren unabdingbar ist. Es geht auch um die Frage der Medienkompetenz: Einstimmig sagen etliche Verbände und Experten, dass Schüler für den Umgang mit dem Internet und den sozialen Netzwerken fit gemacht werden sollten. Aber welcher Erwachsene kann Kindern den richtigen Umgang beibringen, wenn er selbst nicht Teil der digitalen Öffentlichkeit ist?

Facebook, Instagram, X und Co. sind längst mehr als ein selbstdarstellerischer Raum oder eine einfache Möglichkeit, mit den Liebsten in Kontakt zu bleiben. Sie sind demokratische Infrastruktur: als Bühne und Publikum, Informationskanal und Sprachrohr für politische und soziale Diskussionen zugleich. Gaza, Epstein, Ukraine, Iran, Klimaschutz, Rollenbilder, Migration – es gibt kein Thema, über das nicht informiert und debattiert wird.

Ja, zugleich sind die sozialen Netzwerke noch immer Aufmerksamkeitsmaschinen. Sie belohnen Zuspitzung, nicht Abwägung. Junge Menschen in der Phase der Identitätsfindung sind anfälliger für die Funktion der Algorithmen, für Dopaminkicks durch Likes, für die Suchtstruktur hinter den Plattformen. Wenn wir Altersgrenzen für Glücksspiel oder Alkohol gutheißen, weil wir wissen, dass Reife eine Rolle spielt – warum dann nicht auch für Social Media?

Doch auch die Nutzer selbst haben maßgeblichen Einfluss: Wer scrollt, teilt und kommentiert, ist Mitgestalter dieses Raumes. Die Qualität sozialer Netzwerke hängt nicht allein von Algorithmen ab, sondern auch von denen, die sie nutzen. Zwar sind auch Ältere nicht immun gegen Desinformation und haben bisher auch nicht gerade geglänzt mit ihrer Präsenz in sozialen Netzwerken: Unsachlichkeit, Beleidigungen oder sexualisierte Kommentare sind keine Einzelfälle.

Gerade deswegen sollte man nun die zunehmend älteren Social-Media-Nutzer in die Verantwortung nehmen. Sie sollten den digitalen Raum, den sie sich für ihre Kinder und Enkel wünschen, nicht nur beobachten, sondern mitgestalten und vorleben, wie digitale Öffentlichkeit aussehen kann.

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