Aurich Mutmaßlicher Vergewaltiger wollte sich umbringen
Ein mutmaßlicher Vergewaltiger steht in Aurich vor Gericht. Die Vorwürfe wiegen schwer. In der Untersuchungshaft soll der 31-Jährige versucht haben, sich das Leben zu nehmen.
Aurich - Hat ein 31-Jähriger seine Ex-Frau mehrfach zum Geschlechtsverkehr gezwungen und sie mit dem Tode bedroht? Ein Mann aus Gera (Thüringen) muss sich derzeit wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Aurich verantworten. Der Angeklagte soll inzwischen in der Untersuchungshaft einen Suizidversuch unternommen haben, der rechtzeitig entdeckt wurde. Bei der Fortsetzung des Prozesses am Montag, 2. März 2026, wurden Zeugen aus dem Umfeld der beiden vernommen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Ende 2024 seine Ex-Frau in Emden aufgesucht zu haben. Er soll sie gezwungen haben, ihn für einige Tage nach Gera zu begleiten. Dort forderte er laut Anklage Sex von ihr und drohte, sie wisse, was bei einer Weigerung geschehe. Das soll sich wiederholt haben, wobei sie schwanger wurde. Die Frau soll einen Abbruch geplant haben. In diesem Falle würde er ihr das Herz, die Augen und die Zunge herausschneiden, soll der Angeklagte gedroht haben, als er davon erfuhr. Im weiteren Verlauf drohte er ihr laut Anklage unter anderem aus Eifersucht mehrfach mit dem Tode, zuletzt im August 2025. Die Frau nahm das sehr ernst. Sie verließ ihre Emder Wohnung und lebt inzwischen mit ihren Kindern in einem anderen Bundesland.
Angeklagter hat Angst, zu Unrecht verurteilt zu werden
Der Angeklagte bestreitet die Tatvorwürfe. Er sprach von einer On/off-Beziehung. Von 2019 bis 2021 war er nach islamischem Recht mit der Frau verheiratet. Er räumte ein, sie im Streit geschlagen und gewürgt zu haben. Vom Amtsgericht Gera erhielt er im März 2022 eine zweijährige Bewährungsstrafe. Ein Kontaktverbot wurde erteilt. Sie floh vor ihm nach Emden. Eine frühere Mitbewohnerin des Frauenhauses teilte ihm ihre Adresse mit.
Sein Verteidiger informierte das Gericht, der Angeklagte habe vor Kurzem einen Suizidversuch unternommen, indem er seine Zelle angezündet habe. „Er ist völlig aufgelöst und hat Angst, zu Unrecht verurteilt zu werden“, erklärte sein Anwalt Sven Sommerfeld. Bereits zuvor habe sein Mandant mit dem Anstaltspsychologen Gespräche geführt. Er forderte die Einbeziehung dieser Patientenakte zur Fragestellung, ob es Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung gebe. Gegebenenfalls werde er die psychiatrische Begutachtung seines Mandanten beantragen, stellte er in Aussicht.
Ex-Frau suchte angeblich Kontakt zum Angeklagten
Die Schwägerin des Angeklagten berichtete im Zeugenstand, die Ex-Frau habe sie in Gera „sehr oft“ besucht. „Sie hat jetzt nicht erzählt, dass da irgendwas ist oder so“, sagte die 32-jährige Zeugin. Sie räumte allerdings ein, ihr mitgeteilt zu haben, dass sie mit „solchen Themen“ nichts zu tun haben möchte. Der Angeklagte habe in Gera erneut geheiratet. Dann habe er sich getrennt und sei wieder mit seiner Ex-Frau zusammen gewesen.
Die Interims-Ehefrau des Angeklagten aus Gera sagte zu ihrer derzeitigen Verbindung: „Ich bin seine engste Freundin.“ Sie seien drei Jahre zusammen gewesen, von April 2022 bis März 2025. Seine Ex-Frau habe sich seit Mai 2022 dazwischengedrängt, indem sie immer wieder nach Gera gekommen sei. „Sie hat mich angerufen und gesagt: Geh von meinem Mann weg, wir haben Kinder. Geh weg von ihm, du bist niemand, warum störst du unser Leben“, schilderte sie. Bei einem Treffen im Park habe sie sie beleidigt. „Die ganze Zeit hat sie versucht, mit ihm Kontakt zu haben und uns zu stören“, so die Zeugin. Die Ex-Frau habe geäußert, sie liebe ihn und könne nicht ohne ihn leben. Auch der Angeklagte habe weiterhin Kontakt zu seiner Ex gehabt. Da habe sie sich von ihm getrennt. Sie habe jetzt ein neues Leben und einen neuen Mann.
Zeugin berichtet von Todesdrohungen
Auf die Frage des Richters, wie denn die Beziehung zwischen den beiden gewesen sei, meinte die Zeugin: „Es war nicht so gut. Er hat sie geschlagen oder so was.“ Sie könne nicht nachvollziehen, wie eine Frau, die geschlagen werde, weiterhin mit diesem Mann leben möchte. Auf ihrem neuen Smartphone zeigte sie dem Gericht ausgewählte Fotos und Chat-Ausschnitte. Ihr altes Handy sei kaputt, begründete sie den Verlust der kompletten Daten. Sie wolle die Wahrheit sagen, unterstrich sie. Er habe keine Schuld, war sich die Zeugin sicher.
Das Vernehmungsvideo mit dem Ermittlungsrichter wurde zu Ende geschaut. Die mutmaßlich Geschädigte berichtete von erzwungenem Geschlechtsverkehr und den wiederholten Todesdrohungen des Angeklagten, unter anderem durch Zerstückelung. „Diese Nacht war ganz schlimm. Ich habe nicht geschlafen. Sie hat mich sehr belastet“, sagte sie.
Der Prozess wird am 19. März 2026 um 9 Uhr in Saal 108 fortgesetzt.