Park in Stapelmoor Nachtruhe vs. Naturschutz – Diskussion um Saatkrähen
Abschuss, Eier entnehmen, umsiedeln? In Stapelmoor prallt Alltag auf Gesetz. Die Stadt will handeln – doch ein Blick auf frühere Fälle zeigt, wie riskant das ist.
Stapelmoor - In Stapelmoor krachen zwei Welten aufeinander: das Naturschutzrecht und das Recht, nachts schlafen zu können. Hunderte Saatkrähen haben die Grünanlage zum Brut- und Schlafquartier erklärt, in Spitzenzeiten sollen es deutlich mehr als tausend Tiere sein. Sie bringen Lärm, Kot und Ärger mit, und stehen zugleich als streng geschützte Art unter besonderem Schutz. Was von außen nach Naturromantik aussehen mag, erleben Anwohner als Dauerbelastung. Und die Kommunalpolitik? Die klingt, als laufe sie seit Jahren im Kreis: Beschwerden aufnehmen, Zuständigkeiten sortieren, Anträge formulieren, und am Ende doch an den Hürden scheitern. Jetzt soll es aus Sicht der Stadt Weener „rechtssicher“ werden: mit Expertenbüro, Konzept, Datenauswertung, bis hin zur Frage, ob ein Abschuss überhaupt genehmigungsfähig wäre.
Geht es nach Weeners Bürgermeister Heiko Abbas, soll es den Krähen im Stapelmoorer Park nun tatsächlich an den Kragen gehen. Das machte der Rathauschef bei einer Informationsveranstaltung in der Aula der Grundschule Stapelmoor unmissverständlich deutlich. Die Stadtverwaltung habe bei Fachleuten sowohl ein Bestands- als auch ein Schallgutachten in Auftrag gegeben, berichtete Abbas – als Grundlage für das weitere Vorgehen gegen die streng geschützten Vögel. Ziel ist eine Ausnahmegenehmigung: entweder für einen kontrollierten Abschuss oder für das Entnehmen von Eiern aus den Nestern, um die Zahl der Tiere im Park zu senken.
Landkreis und Gerichte: Warum ein Abschuss juristisch scheitern kann
Doch selbst wenn der Landkreis sich an die Seite des Bürgermeisters stellt, bleibt die Hürde hoch. Maria Bunger von der unteren Naturschutzbehörde verwies auf ein Beispiel aus dem Landkreis Wesermarsch: Dort war in einem vergleichbaren Fall eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss von 900 Krähen erteilt worden und vor Gericht krachend gescheitert. Die Richter kassierten die Genehmigung kurzerhand ein. „Doch daran können wir uns orientieren“, sagte Bunger. „Wir müssen schauen, wie wir das rechtssicher hinbekommen.“
Damit das Gutachten auf möglichst breiten Füßen steht, bat Abbas Anwohner und Spaziergänger um Unterstützung, ganz konkret und möglichst alltagsnah: „Schildern Sie uns, wie Sie persönlich von den Krähen geplagt werden, berichten Sie uns, mit welchen Belastungen Sie konfrontiert sind“, forderte er. Wichtig sei auch, zu welchen Zeiten die Lärmbelästigung am größten sei, damit die Experten ihre Messungen genau dann durchführen könnten. Als Ansprechpartnerin benannte Abbas die städtische Mitarbeiterin Veronica Taha.
Kritische Stimmen aus dem Saal: Zweifel an Wirkung und Tierwohl-Debatte
Im Saal, rund 80 Menschen waren gekommen, bekam der Kurs des Bürgermeisters viel Rückenwind. Aber es gab auch Stimmen, die den Eifer bremsten. „Zeigen Sie mir, wo in Deutschland ein Abschuss von Saatkrähen schon Erfolg gebracht hat“, lautete eine Frage, auf die Abbas keine Antwort gab. Und: Wie nachhaltig wäre eine Bestandsreduzierung überhaupt? Abbas räumte ein, es gebe kein Patentrezept. Er betonte aber auch, das Tierwohl dürfe nicht grundsätzlich über dem Wohl der Menschen stehen. Eine kontrollierte, gesteuerte Umsiedlung einer Kolonie hält er ohnehin für wenig erfolgversprechend: Beim Vertreiben spalteten sich Kolonien häufig auf, neue entstünden und wüchsen später wieder an. Der Konflikt werde so nicht gelöst, sondern verlagert und am Ende potenziert.
Abbas rechnet zudem damit, dass am Ende auch in Weener Gerichte über eine Ausnahmegenehmigung entscheiden. „Die Saatkrähen haben eine starke Lobby“, sagt er. Zwar habe sich der Bestand seit der Unterschutzstellung wieder so weit erholt, dass die Vögel nicht mehr als gefährdete Art wahrgenommen werden. Aber das letzte Wort hätten die Richter. Dennoch will der Bürgermeister den Weg weitergehen. „Wir bewegen uns im Rahmen der Naturschutzgesetze“, betonte er.
Saatkrähen zählen zu den Singvögeln und gehören zur Familie der Rabenvögel. Sie sind in Europa und Asien verbreitet und eine von derzeit 208 Brutvogelarten in Niedersachsen. Die etwa 46 Zentimeter großen Tiere mit schwarzem, metallisch glänzendem Gefieder brüten in Kolonien und gelten als ausgesprochen sozial: gesellig, kommunikativ, eng vernetzt. Sie siedeln längst nicht nur auf hohen Bäumen in der freien Landschaft, sondern immer häufiger mitten in menschlichen Räumen – in Parks oder auf Friedhöfen, auf Krankenhaus- oder Kasernengelände, sogar entlang stark befahrener Straßen.