Nach Bekanntwerden in Emden Ärger um neue Apollo-Pläne
Aus dem ehemaligen Apollo-Kino in Emden soll ein Lesecafé werden. Das gefällt nicht jedem.
Emden - Für die einen ist es die Lösung, für andere eine böse Überraschung: Nach Bekanntwerden der neuen Pläne für das Apollo-Gebäude in Emden reagiert ein Interessent „enttäuscht“ auf die Entscheidung der Stadt Emden. Es ist derselbe, der schon 2021 beim Bieterverfahren dem Unternehmer Udo Fuhrmann und dessen „Teeater“-Konzept unterlegen war und die Entscheidung damals angekreidet hatte. Auch nach dem Scheitern des Teeater-Projekts soll nun seine Idee mit dem Fahrradmuseum wieder nicht zum Zuge kommen.
„Ich war völlig überrascht, als ich davon gelesen habe“, sagte der Architekt Peter Müller dieser Redaktion. „Dabei haben wir auch seit Oktober vergangenen Jahres mit der Stadt verhandelt und waren uns schon handelseinig.“ Eigentlich habe man seit Dezember 2025 auf eine Nachricht der Stadt Emden gewartet, um den Kauf zu besiegeln. Doch die Nachricht sei ausgeblieben. Stattdessen habe Müller aus der Ostfriesen-Zeitung von dem Verkauf an andere erfahren. „Wir sind sehr enttäuscht.“
Gespräche mit verschiedenen Interessenten
Weil durch die Rückgabe Fuhrmanns das Bieterverfahren aufgehoben war, konnte jetzt die Stadt selbst wieder aktiv werden. Von konstruktiven Gesprächen mit potenziellen Nachnutzern war gleich die Rede. Darunter habe es auch Gespräche mit den Eheleuten Dinus und Franziska Voß und der Emder Firma MCW Objektbau gegeben, deren Inhaber Peter Müller ist. Doch schien die Frage der Finanzierung unklar, hieß es. „Das kann ich so nicht stehen lassen“, sagte Müller jetzt. „Es gibt keine Finanzierungsprobleme.“
Offenbar ist man seitens der Stadt aber eher von dem Konzept des neuen Interessenten und dessen finanziellem Hintergrund überzeugt. Denn der Verkauf an die freikirchliche Vereinigung als Eigentümerin der Bücherstube am Rathaus ist schon weit gediehen. Er soll schon in der kommenden Ratssitzung am 19. März 2026 beschlossen werden. Auch die Gesellschafter der Bücherstube seien schon länger am Apollo interessiert gewesen, hieß es. Und Gespräche gab es ganz offensichtlich mit mehreren Interessenten.
Lese-Café statt Zweirad-Museum
Auch die Buchhändler arbeiten mit einem Architekturbüro zusammen, das das Gebäude für das Vorhaben geprüft und ein Konzept erstellt hat. Es soll ein großes Café eingerichtet werden. Aus dem früheren Kinosaal soll ein Veranstaltungsraum werden, der auch vermietet werden soll. Im Anbau des Gebäudes sollen wieder Wohnungen nutzbar werden. Insgesamt wolle die christlich ausgerichtete Buchhandlung in der Brückstraße ihr Angebot mit dem Apollo als „Lese-Café“ deutlich vergrößern.
Das jetzt offenbar erneut unterlegene Konzept von Peter Müller und den Eheleuten Franziska und Dinus Voß unterscheidet sich dagegen vor allem in seinem historischen Kontext. Die Eheleute Voß wollten ihre umfangreiche Sammlung historischer Zweiräder in einem großen Fahrradmuseum mit einer angeschlossenen Gastronomie präsentieren. Sie hatten dabei vor allem auch kulturelle und touristische Aspekte im Blick. Auch sie wollten wieder eine Treppenanlage zum Wasser herstellen für Bootjefahrer und Museumstouren, wie Müller sagte. Teil des Konzepts sei auch der Erhalt der Wohnungen im hinteren Teil.
Doch damit waren sie bereits beim Bieterverfahren zwei Mitbewerbern unterlegen. Zum einen eben Udo Fuhrmann mit dem „Teeater“, das auch exklusive Wohnungen am Wasser vorsah. Zum anderen Gerd-Wolf Balk, der im Hauptgebäude multifunktionale Säle für Veranstaltungen mit angeschlossener Gastronomie schaffen, dazu den hinteren Teil des Gebäudes aber abreißen und neue Wohnungen bauen wollte. Schon 2021 hatten Müller und die Familie Voß enttäuscht reagiert, zumal „wir die Einzigen waren, die den Denkmalschutz vollständig berücksichtigt hatten“, erinnerte Müller jetzt. „Dann plant der Gewinner jahrelang am Denkmalschutz vorbei, und jetzt bekommt wieder jemand anderes den Zuschlag.“