Streit in der AfD Arndt-Unterstützerin selbst Teil der „Vetternwirtschaft“?
Die für den Wahlkreis Unterems im Bundestag sitzende Martina Uhr (AfD) bestätigt Vorwürfe gegen AfD-Landeschef Ansgar Schledde. Und gerät selbst wegen mutmaßlicher Vetternwirtschaft ins Visier.
Ostfriesland/Niedersachsen - Die Auseinandersetzung innerhalb der AfD Niedersachsen geht weiter: Nachdem der AfD-Bundesvorstand angekündigt hatte, eine Prüfungskommission nach Niedersachsen zu schicken, meldet sich eine weitere AfD-Politikerin zu Wort – und springt der Nortmoorerin Anja Arndt zur Seite. Die Landesgruppe Niedersachsen der AfD im Bundestag fordert nun Konsequenzen, und wirft Uhr Vetternwirtschaft vor.
Am Dienstagabend, 24. Februar 2026, berichtete die „Bild“ exklusiv, dass die aus Nordhorn stammende AfD-Bundestagsabgeordnete Martina Uhr die von Arndt hervorgebrachten Vorwürfe gegen Ansgar Schledde in einem zentralen Punkt unterstützt: Schledde habe sie dazu „gedrängt“, ihm 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets rechtswidrig zur Verfügung zu stellen. „Das Geld soll der AfD-Landeschef genutzt haben, um nach eigenem Belieben Mitarbeiter einzustellen. Mitarbeiter, die nicht für Uhr, sondern vor allem für die AfD gearbeitet haben sollen“, schreibt die „Bild“. Martina Uhr sitzt für den Wahlkreis Unterems, zu dem auch der Landkreis Leer gehört, im Bundestag.
Vorwurf der verbotenen Verwendung von Fraktionsgeldern – Martina Uhr belastet Schledde
Eine solche Verwendung der Gelder, wie sie Schledde vorgeworfen wird, ist verboten. Die Arbeit von Abgeordneten und Fraktionen wird aus Steuergeld bezahlt. Für Parteiarbeit darf das Geld nicht genutzt werden.
Bild zitiert Uhr weiter: „Hiermit bezeuge ich, Martina Uhr, die uneingeschränkte Erwartung seitens Hr. Ansgar Schledde, dass ich mich – sollte ich bei der BTW 2025 als MdB gewählt werden – an die 65% /35%- Regelung zu halten habe.“ [Erklärung der Abkürzungen: BTW = Bundestagswahl; MdB = Mitglied des Bundestags; Anm. d. Red.] Darüber hinaus sei sie bei Einstellungsgesprächen nicht dabei gewesen, man habe ihr „vorgefertigte Verträge“ zum Unterschreiben vorgelegt. Dass die 35-Prozent-Abgabe keinerlei rechtliche Basis habe, sei Uhr nicht bekannt gewesen.
Martina Uhr widerruft eidesstattliche Versicherung
Noch vor einigen Tagen, so Bild, habe Uhr allerdings genau das Gegenteil behauptet und eidesstattlich gegenüber dem Bundesvorstand versichert, dass es die 35-Prozent-Abgabe nicht gebe. Über einen Mitarbeiter habe sie der „Bild“ aber mitteilen lassen, dass sie sich nicht mehr an diese eidesstattliche Versicherung gebunden fühle und sie zurückziehe.
Darüber hinaus interessant: Martina Uhr gehört zum Kreisverband Ems-Vechte, dem Kreisverband von AfD-Landeschef Ansgar Schledde. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 zog sie über Platz 13 der Landesliste in den Bundestag ein. Zuvor war Martina Uhr politisch außerhalb der Partei weitgehend nicht in Erscheinung getreten.
AfD Niedersachsen: Neue Zeugen und Vorwürfe im zweiten Brandbrief von Anja Arndt gegen Landesvorstand und Ansgar Schledde
Im „2. Brandbrief“ von Anja Arndt gegen ihren eigenen Landesvorstand werden noch weitere Zeugen erwähnt, die die 35-Prozent-Abgabe bestätigen. Auch Anja Arndt selbst hat dem Brief eine eigene Zeugenaussage beigelegt. „Ansgar Schledde sagte mir seine Unterstützung zu, wenn er über meine zukünftigen Mitarbeiter im Umfang von 35 % des Mitarbeiterbudgets bestimmen darf. Das wäre seine Bedingung für die Unterstützung. Ich fragte nach, ob die Mitarbeiter auch für mich arbeiten würden. Er bejahte dies und sagte, dass sie aber auch Parteiarbeit machen müssen.“ Tatsächlich habe Arndt dieser Regelung zunächst zugesagt, bis ihr gewahr geworden sei, dass sie damit gegen geltendes Recht verstoßen würde. „Weil ich mich nicht an diese strafbare 35 %-Regel halten und diese Straftat nicht begehen wollte, wurde ich dann durch die damals neu gegründete Parallelorganisation Allianz Hauptquartier auch bis zum heutigen Tag verleumdet“, so Arndt im „2. Brandbrief“.
Auf die neuen Entwicklungen angesprochen, teilt Frank Horns, Pressesprecher der AfD Niedersachsen mit: „Wir verweisen auf unsere bisherigen Stellungnahmen. Sollte Frau Uhr bei ihren wahrheitswidrigen Äußerungen bleiben, werden wir juristisch dagegen vorgehen.“ Juristischen Schritte seien, so Horns, gegen Anja Arndt und ein ehemaliges AfD-Mitglied, das sich bei „Panorama 3“ äußerte, bereits eingeleitet worden.
Martina Uhr selbst Teil der „Vetternwirtschaft“?
Recherchen der „Welt“, die am Mittwochabend veröffentlicht wurden, werfen allerdings Fragen auf. Demnach soll Martina Uhr selbst mutmaßlich Teil der „Vetternwirtschaft“ sein, die der AfD aktuell vorgeworfen wird. Die Nordhornerin soll demnach sowohl ihren Lebensgefährten als auch dessen Tochter in ihren Bundestagsbüro angestellt haben.
Am Mittwochabend meldete sich noch Andreas Paul, Sprecher der AfD-Landesgruppe Niedersachsen im Bundestag, auf Anfrage bei dieser Redaktion. Paul schreibt ebenfalls, dass es „Belege und Zeugenaussagen“ gebe, dass bei Martina Uhr selbst ein „möglicherweise ein privates Näheverhältnis in ein Anstellungsverhältnis eingeflossen sein könnte“. Uhr habe eine Chance, sich zu äußern, nicht genutzt. Die Vorwürfe und ihre aktuellen Äußerungen zum Landesverband hätten dazu geführt, dass die Landesgruppe einen Beschluss gefasst habe: „MdB Martina Uhr wurde mit sofortiger Wirkung aus der Landesgruppe ausgeschlossen und aufgefordert ihr Mandat innerhalb von 24 Std niederzulegen. Sollte Sie dies nicht tun, wird die Landesgruppe auf der nächsten Fraktionssitzung zudem den Ausschluss aus der Fraktion beschließen. “
Martina Uhr reagierte auf Anfrage dieser Redaktion bislang nicht auf weitere Nachfragen. Auch Anja Arndt war bislang nicht für die Redaktion zu erreichen.