Osnabrück Ludwigshafener „Tatort“: Warum starb der Kurier?
Im neuen Ludwigshafener „Tatort: Sashimi Spezial“ (So., 1. März, im Ersten und in der ARD Mediathek) verzetteln sich die Ermittlerinnen Stern und Odenthal in einer völlig unglaubwürdigen Handlung. Dabei wird auch das Ziel verfehlt, einen kritischen Blick auf die prekäre Situation von Fahrradkurieren zu werfen.
Wieso gibt es eigentlich immer noch Menschen, die als Fahrradkuriere arbeiten? Die Arbeitsbedingungen erscheinen mies, die Bezahlung ist minimal, und der Job zwischen Blechlawinen birgt nicht nur bei Wind und Wetter jederzeit tödliche Gefahren. Egal. Geliefert wird pünktlich, egal wohin. Natürlich auch ins Polizeirevier.
So eine Lieferung, wie sie nun aber die Ludwigshafener Kriminalhauptkommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter) in Empfang nehmen soll, ist dann doch selten. Fahrradkurier Marc Weinert will sich selber abliefern. Er habe Drogen geschmuggelt und wolle nun Selbstanzeige erstatten. Stern ist allerdings gerade eher nach Feiern zumute. Schließlich ist Polizeidirektor Breising (Bernd Hölscher) nach längerer Krankheit zurück. Und im Raum nebenan gibt es Sekt und Knabbereien.
Als sie es sich dann doch anders überlegt und ein Protokoll aufnehmen möchte, ergreift der Kurier nach einem kurzen Blick auf die Feiernden beinahe panisch die Flucht. Warum nur? Kaum ist er aus dem Gebäude, kracht es auch schon vor dem Revier. Ein Lieferwagen hat den Fahrradkurier überfahren und tödlich verletzt.
Während Breising den Fall als tragischen Unfall mit Fahrerflucht abtun möchte, schrillen bei Stern alle Alarmglocken. Von Gewissensbissen geplagt, glaubt sie, dass der Unfall ein Mord war. Und landet rein zufällig und ohne Rücksprache als verdeckte Ermittlerin beim Kurierdienst „Velopunks“, für den auch der Getötete unterwegs war.
Nach einer klitzekleinen Rüge von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) darf Stern weitermachen. Hauptsache, der Polizeichef erfährt nichts und der rechtlich nicht gedeckte Undercover-Einsatz verläuft so, dass die Ergebnisse vor Gericht verwertbar sind. Auch sonst muss man als Zuschauer angesichts teils haarsträubender Handlungselemente und Ungereimtheiten beide Augen fest zudrücken.
Immerhin ist der neue Ludwigshafener „Tatort: Sashimi Spezial“ von Regisseurin Franziska Margarete Hoenisch nach dem Drehbuch von Stefan Dähnert gut gemeint. Natürlich steht die prekäre Situation vieler Fahrradkuriere im Mittelpunkt der Handlung. Und die haben es im wirklichen Leben mehr als schwer. Häufig werden sie als Subunternehmer bis zur Selbstausbeutung in die Scheinselbstständigkeit getrieben. Aber es soll ja auch Ausnahmen geben.
Als so eine Ausnahme kommen in diesem „Tatort“ die „Velopunks“ ins Spiel. Die verstehen sich als selbstbestimmtes Kollektiv, in dem die Chefin Zoe (Antje Traue) die gleichen Rechte und Pflichten hat wie alle anderen. Dummerweise, so erfährt man im Laufe der Handlung, standen die „Velopunks“ vor nicht allzu langer Zeit kurz vor der Insolvenz.
Aus der Patsche geholfen hat ihnen Benjamin Menz (Robert Stadlober). Der schmierige Unternehmer hatte einst die „Velopunks“ mitgegründet. Jetzt verdient er sich angeblich mit mäßig leckeren Sushi-Häppchen eine goldene Nase. Was wohl der Preis der „Velopunks“ für die finanzielle Hilfe von Menz sein mag? Die „elektronische Petze“, die nun an jedem Fahrrad klebt, ist da nur das kleinste Übel. Und Chefin Zoe quälen noch ganz andere Probleme.
Leider kommt neben der hanebüchenen Krimihandlung auch das gut gemeinte Ansinnen des Filmes unter die Räder. Die prekären Arbeitsverhältnisse realer Fahrradkuriere werden hier allenfalls behauptet.
Statt einer wirklich kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema wird das Arbeitsleben als Fahrradkurier in Bild und Ton geradezu romantisiert. Eine tolle Truppe, gut gelaunt bis zum Umfallen – einige Aufnahmen wirken beinahe wie ein kitschiger Werbeclip zur Rekrutierung von Fahrradkurieren. Dieses „Sashimi Spezial“ mag jedenfalls nicht wirklich munden.