Warnung  Rattengift in Pewsum gefunden?

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 24.02.2026 11:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein Schild warnt Hundehalter vor Giftködern – auch in Pewsum soll Rattengift an einer bei Hundehaltern beliebten Strecke gefunden worden sein. Symbolfoto: Boris Roessler/dpa
Ein Schild warnt Hundehalter vor Giftködern – auch in Pewsum soll Rattengift an einer bei Hundehaltern beliebten Strecke gefunden worden sein. Symbolfoto: Boris Roessler/dpa
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In Pewsum soll an einer bei Hundehaltern beliebten Spazierstrecke Rattengift gefunden worden sein. Wie oft kommt so etwas vor und was rät die Polizei?

Pewsum - Am Escherweg in Pewsum sollen Hundehalter besonders aufmerksam sein: In sozialen Medien wird vor einem möglichen Rattengift-Fund gewarnt. Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund kennt den konkreten Fall zwar nicht – grundsätzlich aber kommen Giftköder in der Region immer wieder vor. Wie groß ist das Risiko tatsächlich?

Wiebke Baden, Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, ist der Vorfall in Pewsum nicht bekannt. Sie habe bei der Polizei direkt in Pewsum und auch in Norden nachgefragt, dort seien aktuell keine Meldungen über etwaige Giftköder oder Rattengift in Pewsum eingegangen.

Giftköder-Meldungen: Polizei registriert nur vereinzelte Fälle

Allgemein würden der Polizei nicht sehr häufig Fälle von gefundenen Giftködern gemeldet. „Es ist nicht so, dass man solche Fälle monatlich vorliegen hat“, sagt Baden. „Aber es ist auch nicht so, dass gar keine solcher Fälle bekannt sind.“ Sie könne sich an einige Vorfälle in den vergangenen Jahren erinnern. „Wenn die Leute durch kürzlich öffentlich gewordene Fälle sensibilisiert wurden, dann häufen sich auch bei uns die Meldungen“, sagt sie. Oftmals würden verdächtige Funde auch nicht der Polizei gemeldet, sondern vorrangig in Facebook-Gruppen als Warnungen verbreitet werden.

Eine mit einer Rasierklinge gespickte Wurst – neben Giftködern eine weitere Gefahr für Hunde. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa
Eine mit einer Rasierklinge gespickte Wurst – neben Giftködern eine weitere Gefahr für Hunde. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa

Auch die Polizei warnt: Man solle als Hundehalter seinen Hund nicht unbeobachtet herumschnüffeln lassen, so Baden: „Es kann überall etwas Giftiges liegen – ob das nun das mit Gift gespickte Wurstbrot im Busch ist oder etwas anderes, das achtlos weggeworfen wurde und für Hunde schädlich sein könnte.“

Berlin führt bei Giftköder-Meldungen – auch Vorfälle in Ostfriesland bekannt

Verdachtsfälle auf Giftköder gibt es in Ostfriesland häufiger: Im Oktober 2025 gab es einen Zwischenfall in Rhauderfehn, bei dem ein Welpe starb, dessen Symptome laut behandelndem Tierarzt auf eine Vergiftung hindeuteten. Im vergangenen Sommer starb zudem ein Hund in Leer, dessen Halter davon ausgeht, dass er auf der Gassirunde einen Giftköder schluckte. Auch bei einigen verstorbenen und kranken Katzen in Ostfriesland kam in den vergangenen Jahren immer wieder der Verdacht auf, dass die Tiere einen Giftköder verschluckt haben könnten.

Offizielle Statistiken dazu, wie viele Hunde in Deutschland jährlich durch Giftköder verletzt oder getötet werden, gibt es nicht. Aber die jährliche Auswertung der Hunde-Community-App Dogorama gibt eine ungefähre Orientierung vor: Demnach wurden der App (Stand September 2025) seit 2021 über 5000 Giftköderfunde in Deutschland gemeldet. Spitzenreiter ist die Hauptstadt – dort gaben seit 2021 über 1300 Hundehalterinnen und -halter an, einen Giftköder entdeckt zu haben. Auch in anderen deutschen Großstädten sind die Zahlen relativ hoch, wenn auch bei Weitem nicht so hoch wie in Berlin. In Hamburg gab es seit 2021 rund 850 Meldungen, in München 539 und in Köln 506. Ebenfalls unter den zehn Spitzenreitern sind die Städte Leipzig, Dortmund, Hannover, Braunschweig, Essen und Bremen.

Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber besonders in Berlin melden Hundehalter häufige Funde von Giftködern. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa
Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber besonders in Berlin melden Hundehalter häufige Funde von Giftködern. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Weißes Pulver im Gras: Warum Funde oft schwer einzuordnen sind

Die Art der gemeldeten Giftköder variiert: von präparierten Hackbällchen oder Wurst mit Rattengift, Frostschutzmitteln oder Betäubungsmitteln bis zu in Fleischstückchen versteckten Rasierklingen, Schrauben oder Glasscherben ist laut Dogorama alles dabei. Ein Großteil der bestätigten Funde im Jahr 2025 beinhaltet das Rattengift Alpha-Chloralose. Gibt man diese chemische Bezeichnung bei Google ein, erscheinen als erste Ergebnisse Warnungen für Hunde- und Katzenhalter. Hinweise auf die Nutzung von Alpha-Chloralose als Rattengift findet man erst im unteren Teil der Suchergebnisse.

Problematisch sei, so heißt es bei Dogorama, dass dieses Gift oft in Form von weißem Pulver verstreut wird – ein Produkt mit hoher Verwechslungswahrscheinlichkeit. Ohne genauere Untersuchungen lasse sich darum oft nicht feststellen, ob es sich bei gefundenem weißen Pulver um Rattengift oder ein ungefährliches Produkt handelt. Worum es sich bei dem angeblich in Pewsum gefundenen Rattengift handelt, ist nicht bekannt.

Rattengift: Strenge Regeln – ab Mitte 2026 Verkaufsverbot geplant

Der Erwerb von Rattengift ist für Privatpersonen streng geregelt – ab Mitte 2026 soll ein komplettes Verkaufsverbot von Rattengift an ungeschulte Privatpersonen kommen. Laut Niedersächsischem Tierschutzgesetz darf das Narkotikum Alpha-Chloralose ausschließlich in Innenräumen und nur gegen Hausmäuse eingesetzt werden. Voraussetzung für die Nutzung solcher Gifte sei außerdem das Vorhandensein einer Köderschutzbox – das Gift darf sich also nicht lose in der Natur befinden.

„Die Frage ist natürlich auch, mit welcher Zielrichtung das Gift ausgelegt wird“, so Baden. Rattengift dürfe aber sowieso nicht einfach so ausgelegt werden. Und bei gefundenen Fleischbrocken mit Nägeln könne man von einem gewissen Vorsatz ausgehen, „das passiert ja nicht einfach so“, sagt Baden. Aber ist es nicht schwierig, bei gefundenen Giftködern die Täter zu ermitteln? Grundsätzlich sei die Ermittlung der Täter nicht einfach, so Baden. „Aber es kam bereits vor, dass Täter auch in solchen Fällen ermittelt wurden“, sagt die Sprecherin. Dann drohe ihnen eine Strafe wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Das könne eine Freiheitstrafe bis zu drei Jahre oder eine Geldstrafe sein, so Baden.

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