Emden  Bald soll es für Lidl in Wolthusen losgehen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 23.02.2026 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So soll gebaut werden: der neue Lidl-Markt an der Uphuser Straße in Wolthusen. Fotomontage: Stadt Emden
So soll gebaut werden: der neue Lidl-Markt an der Uphuser Straße in Wolthusen. Fotomontage: Stadt Emden
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Der Zeitplan für den Lidl-Neubau in Emden steht angeblich. Wenn niemand meckert, könnte das Projekt endlich durchmarschieren.

Emden - Es ist schon wieder ein Jahr her, dass über das Neubauvorhaben des Discounters Lidl im Emder Stadtteil Wolthusen öffentlich diskutiert wurde. Im Februar 2025 war im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz (STU) eine abgespeckte Variante präsentiert worden. Seither war es wieder still geworden um das teils umstrittene Projekt, das bereits seit mehr als vier Jahren in Planung ist. Doch das soll sich nun ändern. Kürzlich hat Stadtbaurätin Irina Krantz neue Informationen für den nächsten Ausschuss angekündigt, der für den 10. März 2026 terminiert ist. Die Wesentliche dürfte dabei sein, wann es dort endlich losgeht. Oder folgt doch wieder nur ein kleiner weiterer Verfahrensschritt?

Als hätte der Markt dort schon immer gestanden: die Lidl-Montage auf der grünen Wiese. Fotomontage: Stadt Emden
Als hätte der Markt dort schon immer gestanden: die Lidl-Montage auf der grünen Wiese. Fotomontage: Stadt Emden

„Wir sind auf der Zielgeraden“, versicherte Irina Krantz jetzt auf Nachfrage dieser Redaktion. „Ziel aller Parteien ist es, noch in diesem Jahr zu bauen.“ Die vielen Gutachten, die so ein Bauprojekt auf der grünen Wiese erfordert, seien wohl erbracht. Nur das „Zusammenschreiben“ dieser Expertisen sei jetzt noch einmal etwas aufwendiger gewesen und habe noch einmal zu einer leichten Verzögerung geführt. Das Lidl-Thema konnte deshalb noch nicht in der Februar-Sitzung des Ausschusses diskutiert werden. Krantz geht nun davon aus, dass es mit dem Aufsetzen des städtebaulichen Vertrags zwischen Investor und Stadt zum 10. März 2026 klappt. Anschließend könnte der Verwaltungsausschuss beschließen. Die weiteren Schritte: Offenlegung des Bauvorhabens für etwa einen Monat. Etwa drei Wochen später könnte die nächste Runde mit Beschlussvorlage im vergleichsweise oft tagenden Fachausschuss auf dem Tisch liegen. Am Ende könnte gebaut werden.

Das Verfahren ist jetzt durchgetaktet

Das Prozedere sei jetzt also klar durchgetaktet. Krantz rechnet jedenfalls nicht mehr mit größeren Verzögerungen, etwa durch Einwände bei der öffentlichen Auslegung der Pläne. Das sei bei manchen anderen Projekten anders und aufwendiger. Die Phase des Protests hat das Lidl-Vorhaben offenbar längst hinter sich.

Soll abgerissen werden: der alte Lidl-Markt in Wolthusen. Foto: Stephanie Schuurman/Archiv
Soll abgerissen werden: der alte Lidl-Markt in Wolthusen. Foto: Stephanie Schuurman/Archiv

Zur Erinnerung: Nach den Erstplänen von Lidl sollte das 2,7 Hektar große Gelände an der Uphuser Straße, das Lidl Immobilien erworben hat, größtenteils bebaut werden. Neben einer neuen, großen Filiale des Discounters quasi gegenüber desm Altstandort war dort auch Wohnbebauung vorgesehen. Nur ein kleiner Streifen eines Feuchtbiotops nahe dem Ems-Jade-Kanal sollte unberührt bleiben. Die Flächenversiegelung des wertvollen Grünlands stand im Mittelpunkt der Kritik einiger Ratsparteien. Den Schutz der Weidenwiesenfläche und der in der Nähe am Kolk beheimateten Wasserschildkröten und Eisvögel sahen viele in Gefahr.

Lidl hat selbst abgespeckt

Dieser Kritik nahm Lidl im vergangenen Jahr den Wind aus den Segeln. Zwar soll auch weiterhin eine neue Filiale auf der Wiese gebaut werden, doch von der Wohnbebauung in dem hinteren Areal hat sich Lidl verabschiedet. Stattdessen soll das Biotop noch vergrößert werden, weil der Bauherr das Stück Land zugleich als Versiegelungs-Ausgleich für den Neubau nutzen will. Das überzeugte zuletzt auch einige der größten Kritiker im Rat wie die CDU. Gegen das Neubauvorhaben hatten sich auch Grüne und GfE ausgesprochen. Es hatte aber trotzdem vorab grünes Licht für das weitere Planungsverfahren gegeben.

Zu schmal für den Lieferverkehr? Die Folkmar-Allena-Straße. Foto: Stephanie Schuurman/Archiv
Zu schmal für den Lieferverkehr? Die Folkmar-Allena-Straße. Foto: Stephanie Schuurman/Archiv

Andere wie die FDP hatten sogar davor gewarnt, dem Investor Steine in den Weg zu legen und damit womöglich die Nahversorgung im Stadtteil zu gefährden. Die Liberalen hatten sich dabei auf Aussagen von Lidl berufen, die alte Filiale in jedem Fall aufzugeben. Die Anbindung durch die Folkmar-Allena-Straße ist für den Zulieferverkehr zu eng. Außerdem kann in dem kleinen Markt nicht mehr der Angebotsvielfalt des Discounters dargestellt werden, hatte Lidl argumentiert.

Lidl selbst bleibt konsequent vage

Ob sich die Discounter-Kette aber überhaupt von den politischen Querelen hat beeinflussen lassen, ist völlig offen. Die abgespeckten Immobilienpläne könnten genauso gut der geringeren Nachfrage nach Grundstücken für den Bau von Einfamilienhäusern entsprechen. Festhalten will Lidl aber offenbar an dem Bauvorhaben für ein Mehrparteienhaus, das nach dem Filialumzug und Abriss des alten Gewerbegebäudes an der Folkmar-Allena-Straße geplant ist und quasi die benachbarte Bebauung in dem Viertel spiegelt. Jedenfalls ist aktuell nichts anderes bekannt gemacht worden.

Mehrparteienhaus statt Discounter: So soll die Fläche nach Umzug und Abriss genutzt werden. Fotomontage: Stadt Emden
Mehrparteienhaus statt Discounter: So soll die Fläche nach Umzug und Abriss genutzt werden. Fotomontage: Stadt Emden

Auf direkte Nachfrage hält sich Lidl selbst gewohnt bedeckt, liefert lediglich PR-Sätze: „Lidl in Deutschland entwickelt das gesamte Filialportfolio kontinuierlich qualitativ und quantitativ weiter. Auch in Emden-Wolthusen möchten wir unseren Kunden eine neue, moderne Filiale mit attraktiven Einkaufsbedingungen bieten. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir darüber hinaus aktuell noch keine detaillierten Angaben zu dem Standort machen können, da die Planungsphase noch nicht abgeschlossen ist.“

Spruchreif dürfte die Planung dann allerdings bis zum 10. März 2026 im STU sein. Jedenfalls, wenn wirklich noch in diesem Jahr gebaut werden soll.

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