Ärger  Weiter viele Fragezeichen bei der Emder Schulplanung

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 19.02.2026 18:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schülerinnen und Schüler hatten sich leidenschaftlich für ihre Herrentorschule eingesetzt, die nach einem Ratsbeschluss erhalten bleibt. Für andere Schulen gibt es dadurch viele Fragen. Fotos: Mona Hanssen/Archiv
Schülerinnen und Schüler hatten sich leidenschaftlich für ihre Herrentorschule eingesetzt, die nach einem Ratsbeschluss erhalten bleibt. Für andere Schulen gibt es dadurch viele Fragen. Fotos: Mona Hanssen/Archiv
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SPD, CDU und FDP haben in Emden ihre eigene Schulplanung erzwungen – gegen den Willen der Stadtverwaltung. Jetzt werden die Konsequenzen deutlich.

Emden - Jetzt werden die Konsequenzen der Entscheidung von SPD, CDU und FDP zur Schulplanung in Emden deutlich – und das scheint dann doch den ein oder die andere aus den Fraktionen zu wundern. Zur Erinnerung: Die Stadtverwaltung hatte nach einem längeren Beteiligungs- und Diskussionsprozess vorgeschlagen, dass die Herrentorschule zur Zweigstelle der überlaufenen Integrierten Gesamtschule (IGS) wird. Doch die Angehörigen der Herrentorschule gingen auf die Barrikaden. Die drei Fraktionen brachten, obwohl der Schulausschuss bereits eine vorbereitende Entscheidung zugunsten des Verwaltungsvorschlags getroffen hatte, einen Gegenvorschlag ein. Die Kernpunkte: Die Herrentorschule bleibt erhalten, die Oberschule Borssum wird zur IGS, die zwei Gymnasien werden in ihrer Zügigkeit gedeckelt.

Über den Gegenbeschluss wurde im Dezember 2025 abgestimmt und er bekam eine Mehrheit. Die Verwaltung hat sich also an die Arbeit gemacht – und jetzt im Schulausschuss, 18. Februar 2026, erste Ergebnisse präsentiert. Sie drücken so aufs Gas wegen der Vorgaben der Ratsleute. Die nämlich wollten die Sache eigentlich weit vor der Kommunalwahl geklärt wissen. Gleichzeitig muss es noch für den Haushalt 2027 vorbereitet werden. Daher, so erklärte Stadtrat Volker Grendel, soll das Thema vor der Sommerpause zur Beratung in die Fraktionen zurückgegeben werden, damit bis Dezember alles klar ist. „Ich weiß, dass das schwierig ist, ich weiß mir aber auch keinen anderen Rat, sonst werden wir den Haushalt 2027 nicht erreichen“, erklärte Grendel. Kein Geld, keine bauliche Umsetzung. Die hitzige Schuldebatte mit vielem Hin und Her und verschobenen Entscheidungen hatte vorher schon viel Zeit gekostet.

Was kommt auf die Emder Schulen jetzt zu?

Die Folgen des geänderten Beschlusses der Politik: Die IGS am Standort beim Treckfahrtstief braucht einen Anbau oder Neubau, wo genau auf dem begrenzten Schulgrundstück ist aber unklar. Ebenso braucht die dreizügige Oberschule Borssum einen Anbau, wenn sie eine vierzügige IGS werden soll, erklärte Volker Grendel. Auf Wunsch der Politik sei der Plan, für das Max-Windmüller-Gymnasium (Max), das einst dreizügig gebaut wurde, aber meist mindestens vierzügig ist, einen Anbau zu finanzieren, gestrichen worden. Die Stadt hatte vorgeschlagen, einen Anbau und eine Deckelung auf eine Vierzügigkeit zu kombinieren. Ohne Anbau hilft die Deckelung auf vier Züge dem Grundproblem des Platzmangels nicht. Schon jetzt werden Räume unter anderem der Berufsbildenden Schulen genutzt.

Stadtrat Volker Grendel (mit blauer Mappe in der Hand) bei der Ratssitzung im Dezember, deren Entscheidung jetzt wieder im Schulausschuss für hitzige Diskussionen führte.
Stadtrat Volker Grendel (mit blauer Mappe in der Hand) bei der Ratssitzung im Dezember, deren Entscheidung jetzt wieder im Schulausschuss für hitzige Diskussionen führte.

Das Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG), das für sechs Züge locker ausgerichtet ist, grundsätzlich auf fünf Züge zu begrenzen, führt ebenfalls zu Fragezeichen. „Zehn Züge über beide Gymnasien reichte immer, aber fünf und vier nicht“, sagte Grendel. An der IGS werden Schüler – wie vorher auch – abgelehnt werden müssen, weil kein Platz mehr da ist. Die Situation an der IGS ist aktuell ohnehin eine schwierige: Für Fach- und Sportunterricht müssen die Schüler teilweise an andere Schulen, weil die Räume fehlen, wurde im Ausschuss berichtet. Drei Standortwechsel an einem Schultag? Offenbar keine Seltenheit.

Auch am Max werden Schüler aus dem Landkreis Aurich wohl abgelehnt beziehungsweise ans JAG verwiesen werden müssen, wenn die Vierzügigkeit überschritten ist. Beim JAG wird die Stadt über einen zusätzlichen Zug entscheiden müssen, wenn die Fünfzügigkeit überschritten ist. Aus Unsicherheit, ob ihr Kind an der jeweiligen Schule einen Platz findet, gebe es oft Doppeltanmeldungen an den Gymnasien und sogar dreifache mit der IGS. „Das wird sich jetzt wohl verschärfen“, so Grendel.

Wird bei der Schulplanung doch noch mal was umgekrempelt?

Die Reaktionen der Ratsleute, die den Beschluss durchgebracht hatten, war unterschiedlich: Die Deckelung der Gymnasien hätten sie im Beschluss anders formuliert als nun von der Stadt vorgetragen, so Wilke Held (CDU). „Warum drücken wir hier aufs Tempo?“, fragte er auch in Bezug auf die Deckelung. Grendel erklärte daraufhin, dass durch den Beschluss ein klarer Auftrag zur Ausführung an die Verwaltung gegangen sei. „Sie haben es beschlossen, wir sind die Exekutive und machen es“, sagte er. Friedrich Busch (SPD) meinte, sie kämen jetzt in ruhigeres Fahrwasser und hätten jetzt ja Zeit. Dem widersprach Grendel mit seinem Hinweis des klar von den Fraktionen vorgegeben Zeitablaufs. „Die Zügigkeit können wir noch mal diskutieren“, meinte Busch.

Gerold Verlee (CDU) sagte, es sei nicht in Ordnung, dass Schüler bei den Gymnasien abgelehnt würden. „Das war nicht unsere Intention“, so Verlee. Grendel widersprach, dass er Verlee sogar im Zwiegespräch erklärt habe, dass Schüler aus dem Landkreis Aurich abgelehnt oder ans JAG verwiesen werden müssen. „Wir haben zwei Gymnasien und alle Schüler sind herzlich eingeladen, sich anzumelden“, betonte Verlee daraufhin. Hillgriet Eilers (FDP) sagte: „Die Entscheidung steht jetzt und die Verwaltung ist ambitioniert bei der Umsetzung. Das ist sehr gut.“

Drastische Worte fanden André Göring (Grüne feat. Urmel) und Lars Mennenga (Linke). „Planlos, praxisfern und problematisch“ sei der Beschluss von SPD/CDU/FDP. Durch die Deckelung an den Gymnasien gebe es eine große Unsicherheit bei den Eltern und die Rückläufer von den Gymnasien hätten kaum eine Chance, auf die IGS zu kommen. „Das hätten wir uns alles sparen können“, sagte er. Auch habe die Transparenz gefehlt, die drei Fraktionen hätten ihren Gegenvorschlag viel zu kurzfristig eingebracht. „Die Diskussion zeigt auf, ihr seid euch der Konsequenzen gar nicht bewusst“, sagte Lars Mennenga. „Es ist schon traurig, dass der Stadtrat euch euren eigenen Antrag erklären muss“, sagte er. „Es ist erschreckend, wie schlecht ihr vorbereitet seid. Ihr kennt nicht mal euren eigenen Beschluss, den ihr durchgeboxt habt“, sagte Bernd Janssen (GfE).

Die Geister, die ich rief...

Ein Kommentar von Mona Hanssen

Der Schlagabtausch im Schulausschuss ist teilweise, das sage ich ganz offen, schon peinlich gewesen. Ich will ja gar nicht so streng sein, immerhin sind die Ratsleute ehrenamtlich für ihre Stadt aktiv und ich bin mir auch sicher, dass sie bei ihrem Tun und Walten das Beste für Emden im Sinn haben. Aber: Bei der Schuldebatte ist schon einiges schief gelaufen – von unterschiedlichen Seiten. Das kann man nicht anders sagen. Es wurde beleidigt, unterstellt, intrigiert. Fast jeder hat jedem vorgeworfen, aus persönlichen Gründen die eine oder andere Schule „schützen“ zu wollen.

Und irgendwie war es schon vorher klar, dass trotz der Entscheidung im Dezember jetzt wieder was hochkocht. „Das haben wir so ja gar nicht gewollt“, schien im Raum mitzuschwingen, als die Konsequenzen und auch der klare Zeitplan von der Stadtverwaltung vorgestellt wurden. Bei Stadtrat Volker Grendel hörte der geneigte Zuschauer indes ein „Ich hab‘s euch ja gesagt“ heraus. Besonders schön war es, als er gegenüber Friedrich Busch (SPD) richtigstellte, dass die drei Fraktionen bei ihrem kurzfristig eingebrachten Änderungsantrag „nicht alle beteiligt“ hätten. Die Stadt habe hingegen über Monate mehrere Workshops mit Eltern, Lehrern, Experten und Ratsleuten abgehalten. Auf Bernd Janssens (GfE) Aussage, dass sich die Verwaltung nach allem wohl nur fragen könnte: „Was habt ihr uns bloß eingebrockt?“, sah der geneigte Zuschauer ein leichtes Nicken bei Grendel.

Es wird spannend werden, wie sich das alles weiterentwickelt. Welche Schule braucht wohl noch einen Anbau? Und woher soll eigentlich das ganze Geld kommen? Und hatten wir das mit der IGS in Borssum nicht schon mal? Damals hat das zumindest nicht so gut geklappt... Gut, dass ich nicht Ratsfrau oder Stadträtin oder Angehörige einer Schule bin, so kann ich mir das Schauspiel ohne viel Gefühl anschauen. Vielleicht sollte ich mir – wie der Kollege von der anderen Zeitung in Emden neben mir im Ausschuss raunte – nächstes Mal Popcorn mitbringen. Ein nächstes Mal, da bin ich mir sicher, wird es bei diesem Schauspiel geben.

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