Handel in Leer Digitale Läden auf dem Land oder in der Stadt – wie läuft’s?
Ohne Personal, digital, nah: Mit der C-Box sind Geschäfte in die Dörfer im Kreis Leer gekommen, aber auch in die Innenstadt von Leer. Welche Unterschiede gibt es da? Wie läuft es generell?
Leer - Die Tante-Emma-Läden, wie man sie von früher kennt, bekommen wir nicht zurück. Das sagte Landrat Matthias Groote 2024 bei der Eröffnung der ersten C-Box im Kreis Leer in Nortmoor. Mittlerweile gibt es mehrere dieser digitalen und personallosen Läden: Unter anderem in ländlicheren Gebieten wie in Bingum, in Nortmoor und Wymeer. Es gibt aber auch einen seit Ende 2025 in der Innenstadt von Leer.
Viele Jahre lang mussten die Leeranerinnen und Leeraner auf einen regulären Lebensmittelmarkt in der Innenstadt warten. Zuletzt war noch Kücks Biomarkt im Frisia-Center ansässig.
Wie laufen die C-Boxen im Kreis Leer – gibt es einen „Spitzenreiter“?
Nicht wirklich, Bünting nimmt keine Rangfolge der Standorte vor. „Jede unserer C-Boxen weist aufgrund ihres Standorts, der Region und der Sortimentsstruktur individuelle Besonderheiten auf“, sagt Johanna Ammermann, Sprecherin des Unternehmens Bünting. „Grundsätzlich leisten alle C-Boxen einen wichtigen Beitrag zur Nahversorgung in ihren jeweiligen Regionen und tragen zugleich zur positiven Entwicklung der Bünting Unternehmensgruppe bei.“
Einkaufen, zur Post gehen, einen Personalausweis beantragen – „in dünn besiedelten Gebieten sind solche Alltäglichkeiten oft mit weiten Wegen verbunden“, schreibt dazu das Bundesministerium für Ernährung. „Denn bei sinkenden Einwohnerzahlen in einem Ort rechnen sich der Dorfladen, die Bankfiliale oder das Bürgerbüro oft nicht mehr.“ Dann seien unter anderem mobile und digitale Angebote gefragt.
Wie ist das Feedback der Kundschaft – Gibt es Wünsche?
„Wir erhalten fortlaufend Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden. Diese erfolgen über Wunschtafeln an den Standorten, Gespräche vor Ort, direkte Kontaktaufnahmen sowie Online-Bewertungen“, so die Sprecherin. Insgesamt werde die autonome Technik als leicht verständlich wahrgenommen, und viele Menschen zeigen sich dankbar über die wiedergewonnene Nahversorgung vor Ort.
„Die geäußerten Wünsche variieren je nach Standort und betreffen meistens Produktwünsche“, so Ammermann. Der Wunsch nach Hochprozentigem gehöre nicht zu den Erfüllbaren – „was vor allem rechtliche Gründe hat.“
Wie läuft es bei der C-Box in der Leeraner Innenstadt?
Die läuft gut, sagt die Sprecherin. Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst hatte bei der Eröffnung im vergangenen Jahr betont, dass sich Innenstädte wandeln. Neben dem Einkaufserlebnis sei es wichtig, dass die Innenstadt ein sozialer Ort sei, an dem man sich gerne aufhalte – „und ganz wichtig: ein Ort, an dem Menschen wohnen möchten“, sagt er. Die Nahversorgung durch ein so modernes Geschäft erhöhe die Qualität der Innenstadt als Wohnort. „Das Lebensmittelthema ist da besonders wichtig.“ Und er sollte Recht behalten. „Die C-Box in der Leeraner Innenstadt wird stark frequentiert“, so die Bünting-Sprecherin. Anwohner der Innenstadt seien unter den Kunden aber auch Touristinnen und Touristen, Schülerinnen und Schülern sowie Berufstätigen aus dem innerstädtischen Umfeld.
Was unterscheidet die digitalen Läden auf dem Land und in der Stadt?
Zum einen die Kundschaft: Anwohner, aber auch Touristen, Schüler und Berufstätige in der Leeraner C-Box haben andere Wünsche als die auf dem Land, so die Sprecherin: „Entsprechend unterscheidet sich das Kaufverhalten von ländlichen Standorten: In der Innenstadt ist die Nachfrage nach Convenience-Produkten zum direkten Verzehr, Salaten und gekühlten Getränken deutlich höher, während in ländlichen Regionen stärker Produkte des täglichen Grundbedarfs nachgefragt werden.“
Wie steht es um Vandalismus und Diebstahl?
„Diebstahl ist kein ausschließliches Thema autonomer Store-Formate, sondern betrifft den gesamten Lebensmitteleinzelhandel. Wir reagieren an allen Standorten konsequent auf Vorfälle und bringen diese ausnahmslos zur Anzeige“, betont die Sprecherin. Jede C-Box sei mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, darunter Videoüberwachung, Zutrittskontrollen und digitale Nachverfolgung von Einkaufsvorgängen. „Durch die enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Polizeidienststellen können Vorfälle nach Identifikation entsprechend verfolgt und Täterinnen und Täter zur Verantwortung gezogen werden. Vandalismus ist kein Thema, was hoffentlich auch so bleibt.“
Gibt es Neuigkeiten zu geplanten Standorten?
Ja, es gibt Neues, so die Sprecherin. „In Ditzumerverlaat wurde der Bauantrag bereits im vergangenen Jahr eingereicht. Derzeit warten wir auf die Genehmigung des zuständigen Landkreises. Auch in Ditzum ist die Planungsphase weit fortgeschritten“, so Ammermann. Zu möglichen Eröffnungsterminen können man aber aktuell keine Angaben machen, da Genehmigungen und Umsetzungsschritte von Behörden und Dienstleistern abhängen.
Kommen noch mehr solcher Läden?
Man arbeitet jedenfalls daran. „Wir prüfen derzeit eine Vielzahl potenzieller Standorte und werden in den kommenden Wochen weitere Gespräche mit Gemeinden sowie möglichen Betreiberinnen und Betreibern führen“, verrät die Sprecherin. Mehr Konkretes könne man aber aktuell nicht preisgeben.