Verkehrsgutachten Emden  Poller-Pläne könnten Faldern spalten

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 19.02.2026 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Pausenlos rollen hier Autos: die Friedrich-Ebert-Straße. Fotos: Klaus Ortgies
Pausenlos rollen hier Autos: die Friedrich-Ebert-Straße. Fotos: Klaus Ortgies
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Wie kann man den vielen Verkehr in Emdens Faldern-Viertel in den Griff bekommen? Welche Rolle könnten Poller dabei spielen? Und wen würden Teilsperrungen dort überhaupt treffen?

Emden - Da werden die Planer noch dicke Bretter bohren müssen: Nach dem jüngsten, von der Stadt Emden beauftragten Verkehrsgutachten produzieren die Anwohner Klein und Groß Falderns selbst den meisten Verkehr. Jedenfalls seien drei Viertel davon so genannter Quell- und Zielverkehr, so die Gutachter der Firma SHP aus Hannover. Nur gut 25 Prozent des Verkehrsaufkommens sei Durchgangsverkehr. Also alles doch nicht so schlimm?

Noch rollt hier auch der Durchgangsverkehr, wo sich an der Brückstraße Nordertorstraße und Friedrich-Ebert-Straße treffen.
Noch rollt hier auch der Durchgangsverkehr, wo sich an der Brückstraße Nordertorstraße und Friedrich-Ebert-Straße treffen.

Aber von Anfang an. Die Gutachter hatten den Auftrag für eine Verkehrserhebung auf den Haupttangenten der Stadt Emden und dabei zu prüfen, wie sich die Umgestaltung der Innenstadt künftig darauf auswirkt. Zwei Planfälle wurden dabei zugrunde gelegt. Einmal die Auswirkungen während der Bauphase, in der die Neutorstraße bis zum Delft voll gesperrt ist. Die zweite Modellrechnung soll das Endergebnis zeigen, wenn der Verkehr auf der fertig sanierten Innenstadt-Achse Neutorstraße Höhe Agterum bis Faldernstraße oder Am Delft wieder in eine Richtung geöffnet ist. Also genauso wie es der Ratsbeschluss vorsieht.

In Faldern ist noch alles offen

Und ein Ergebnis aus den Erkenntnissen dieser Analyse soll auch schon bald umgesetzt werden. Der Verkehrsfluss zwischen Bahnhof und Philosophenweg wird durch bessere Taktung von Ampelanlagen beziehungsweise auch Verzicht auf manche Ampel erhöht. Bei dem Exkurs der Analyse nach Klein oder Groß Faldern steht dagegen außer den Verkehrszählungen noch nichts weiter fest, wenngleich es einige Ideen gibt. Das Zahlenwerk soll nun Grundlage für die kommende Info-Veranstaltung mit den Anwohnern Falderns sein, die am 5. März 2026 geplant ist. Einen Monat später soll im Stadtentwicklungsausschuss über Vorschläge zu Verbesserungen beraten werden.

Hier könnten bald Poller stehen: die Abbiegung vor der Neuen Kirche.
Hier könnten bald Poller stehen: die Abbiegung vor der Neuen Kirche.

„In der Diskussion mit den Bürgern müssen wir dann sagen: Zum größten Teil seid ihr das selbst“, erklärte Gutachter Jörn Janssen kürzlich bei der Vorstellung der Analyse. Belegen will Janssen das anhand des Zahlenwerks. Nach dieser Prognose werden nach Fertigstellung der Neutorstraßen-Umgestaltung 11.600 Autos durch die Nordertorstraße fahren, 12.000 sind es in der Friedrich-Ebert-Straße.

So wird es für den Durchgangsverkehr unattraktiv

Anhand von Befragungen der Autofahrer und dem daraus resultierenden Querschnitt macht der Gutachter 8500 Autos in der Nordertorstraße aus, die aus dem eigenen Viertel kommen, 8900 sind es in der Friedrich-Ebert-Straße. Jeweils 3100 Fahrzeuge schreibt er denjenigen zu, die das Viertel als vermeintliche Abkürzung oder eben als Durchgang benutzen. „Diesen Durchgangsverkehr kann man in den Griff bekommen“, sagte Janssen. „Aber es betrifft dann auch den Quell- und Zielverkehr.“

Engstellen als Abhilfe? Davon gibt es eigentlich schon reichlich.
Engstellen als Abhilfe? Davon gibt es eigentlich schon reichlich.

Vorschläge bringt der Verkehrsexperte zur Diskussionsrunde auch mit: Die beiden Hauptdurchgangsstraßen könnten baulich noch weiter eingeengt werden, was allerdings nur bedingt wirksam sei. Die Nordertorstraße/Friedrich-Ebert-Straße könnte insgesamt zur Einbahnstraße werden. Ob in südlicher oder nördlicher Ausrichtung, ist dabei offen. Oder der Straßenzug wird in Höhe des Nadelöhrs an der Neuen Kirche durch Poller dauerhaft getrennt. Das macht die Durchfahrt durchs Viertel erheblich unattraktiver, bedeutet aber auch für Anwohner, sich vom jeweiligen Standpunkt der Stadt aus genau zu überlegen, wie er auf einfachstem Wege nach Hause kommt.

Oder ist der Durchgangsverkehr akzeptabel?

„Wir werden die möglichen Maßnahmen und ihre Auswirkungen in der Versammlung aufzeigen“, sagte Janssen. Angesichts der auch negativen Folgen für die Anlieger und dem vergleichsweise geringen Anteil, den der Durchgangsverkehr am Verkehrsaufkommen macht, stellte Janssen aber schon einmal die Frage, ob ein Durchgangsverkehr von 27 Prozent nicht vielleicht „doch akzeptabel“ sei.

Ob sich insbesondere die Anwohner der Nordertorstraße und vor allem der Friedrich-Ebert-Straße von solchen Vorschlägen und Überlegungen überzeugen lassen, wird sich zeigen. Sie leiden bereits seit Beginn der Verkehrsversuche in der Neutorstraße unter einem stark erhöhten Verkehrsaufkommen, ob nun durch den Durchgangsverkehr oder eben auch jene Autofahrer aus dem eigenen Viertel, die sich neue Wege suchen mussten.

Für SPD-Ratsherr Gregor Strelow, der als Vorsitzender des Bürgervereins Groß Faldern auch als eine Art Anwalt für die Betroffenen auftritt, ist das Zahlenwerk der Gutachter allerdings eine Entscheidungsgrundlage. „Jetzt haben wir Zahlen, Daten, Fakten und können gemeinsam nach einer Lösung suchen“, sagte er. Die Infoveranstaltung der Stadtverwaltung ist für den Donnerstag, 5. März 2026, um 17 Uhr im Forum der Volkshochschule geplant.

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