Berlin  Wird Karl Lauterbach WHO-Chef? Sein Name steht auf einer internen Kandidatenliste

Jannik Wilk
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Von Jannik Wilk
| 18.02.2026 18:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Karl Lauterbach (SPD) war von 2021 bis 2025 Bundesgesundheitsminister. Foto: IMAGO/Xander Heinl/photothek.de
Karl Lauterbach (SPD) war von 2021 bis 2025 Bundesgesundheitsminister. Foto: IMAGO/Xander Heinl/photothek.de
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Die Weltgesundheitsorganisation wählt 2027 einen neuen Generaldirektor. Die Namen zweier Deutscher kursieren auf einer Kandidatenliste. Einer davon: Karl Lauterbach.

Wer führt die Weltgesundheitsorganisation (WHO)? Noch ist diese Frage geklärt: Als Generaldirektor sitzt der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus der WHO vor. 2027 aber kandidiert er nicht erneut: Das Statut der WHO erlaubt nur zwei Amtszeiten. Die hat der Biologe im August 2027 rum.

Eine Kandidatenliste für seine Nachfolge liegt mehreren Medien vor. Neben anderen illustren Namen aus aller Welt stehen darauf zwei Deutsche: Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister a. D., sowie Paul Zubeil, Experte für internationale Gesundheitspolitik beim Bundesgesundheitsministerium.

Die Nominierungsphase für die Wahl des nächsten WHO-Generaldirektors läuft derzeit; bis zum Herbst muss sich Deutschland auf seine Kandidaten festgelegt haben. Jeder Mitgliedsstaat kann bis zu einem noch unbekannten Stichtag im Herbst 2026 Kandidaten vorschlagen. Wen Deutschland nominiert, das handeln Gesundheitsministerium und Auswärtiges Amt nach Vorschlägen aus dem Gesundheitsministerium unter sich aus.

Die Bewerbungen werden dann formal geprüft. Es folgen Foren, Anhörungen und Interviews. Der WHO-Exekutivrat erstellt anschließend eine Vorauswahl von bis zu drei Kandidaten. 2027 fällt die Entscheidung, wer den Chefposten bei der WHO bekommt.

Wie die Chancen für die deutschen Kandidaten stehen, entscheidet sich Ende Mai 2026. Dann bilden zwölf neue Länder den Exekutivrat der WHO. Der stimmt über die Kandidaten ab. Traditionell ist der Rat mit kleineren Staaten und Schwellenländern besetzt. Die geben ihresgleichen gern den Vorzug.

Neben Lauterbach und Zubeil stehen auf der Kandidatenliste der WHO laut Medienberichten die saudische Ärztin und WHO-Regionaldirektorin Hanan Balkhy, die norwegische Epidemiologin Cathrine M. Lofthus, der Belgier Hans Henri P. Kluge und der brasilianische Gesundheitsexperte Jarbas Barbosa. Weder Lauterbach noch Zubeil haben sich bislang zu den Medienberichten geäußert.

In Deutschland wünscht man sich einen Deutschen als WHO-Chef. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte im Januar, Deutschland wolle seinen Platz am Tisch der Vereinten Nationen (UN) haben. Die WHO ist eine Organisation der UN. Die Bundesrepublik war zuletzt übergangen worden, als es um den Posten des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) ging. Deshalb gilt es als wahrscheinlich, dass einem deutschen Bewerber besondere Aufmerksamkeit zuteilwird.

Gesundheitspolitiker Sascha van Beek (CDU) sagte der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Deutschland hat schon immer eine starke Rolle in der globalen Gesundheit gespielt und ist aktuell der größte Geldgeber der WHO.“ In den Jahren 2024 und 2025 beliefen sich Deutschlands Beiträge zur WHO auf mehr als 270 Millionen Euro.

Das Amt des Generaldirektors sieht van Beek als bedeutendes Politikum: „Es gibt heute sehr viel mehr grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren als noch vor wenigen Jahren. Neben Pandemien sind auch multiresistente Keime und Antibiotika ein großes globales Thema.“ Schafft es ein Deutscher an die WHO-Spitze, hätte Deutschland als Pharmastandort Gelegenheit, „die moderne Medizin auf links zu drehen“.

Serdar Yüksel, Parteikollege von Lauterbach in der SPD, sagte den Schweizern: „Angesichts des Rückzugs der Vereinigten Staaten aus der WHO ist es sinnvoll und notwendig, dass Deutschland sein Engagement nun ausbaut.“

Dem Generaldirektor der WHO unterstehen rund 8000 Mitarbeiter in 150 Regionalbüros weltweit. Der Posten gilt als einflussreich, gesundheitspolitisch bedeutend und mit 293.000 steuerfreiem Dollargehalt gut dotiert. Das Budget der WHO lag zuletzt bei etwa fünf Milliarden Euro. Die Zentrale befindet sich im schweizerischen Genf.

Ende Januar traten die USA offiziell aus der WHO aus, sie waren die bedeutendsten Geldgeber und ein Mitgliedsland, das der Organisation politisches Gewicht verliehen hatte. Eine Rückkehr halten sich die USA offen – sofern ein US-Kandidat den Chefposten erhält. US-Gesundheitsminister Robert Kennedy hatte Karl Lauterbachs Pandemiepolitik wiederholt kritisiert.

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