Haushalt 2026  Dreifeldhalle, Feuerwehrhaus und Rekordschulden in Weener

Oliver Bär
|
Von Oliver Bär
| 19.02.2026 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch wenn neue Steuermillionen in die Stadtkasse geflossen sind, bleibt das Geld knapp im Rathaus der Stadt Weener. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Auch wenn neue Steuermillionen in die Stadtkasse geflossen sind, bleibt das Geld knapp im Rathaus der Stadt Weener. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Artikel teilen:

Über zehn Millionen Euro für Bauprojekte, finanziert mit neuen Krediten. Was im Haushalt 2026 steckt, wo das Geld fehlt und wie düster die Prognose bis 2029 ist.

Weener - Wenn es um die Stadtkasse geht, sind gute Nachrichten in Weener selten genug. Umso größer fiel die Erleichterung aus, als kurz vor der Vorstellung der Haushaltsplanungen 2026 im Ausschuss für Finanzen, Digitalisierung, Wirtschafts- und Tourismusentwicklung plötzlich frisches Geld auftauchte: Rund 4,2 Millionen Euro zusätzlich fließen der Stadt aus der Gewerbesteuer zu. Bürgermeister Heiko Abbas (CDU) berichtete davon in der Sitzung. Eine Summe, die den Etat zwar weniger düster, aber auch nicht rosig erscheinen lässt.

Der Fehlbetrag im Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2026 ist rekordverdächtig. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Der Fehlbetrag im Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2026 ist rekordverdächtig. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Denn damit schrumpft der im Ergebnishaushalt zunächst kalkulierte, rekordverdächtige Fehlbetrag: Aus rund 10,6 Millionen Euro werden nun „nur“ noch etwas mehr als 7,5 Millionen Euro. Doch Abbas bremste jede Euphorie. Die neue Einnahme sei erfreulich, sie dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage bleibt. Der Entwurf für 2026 sei weiterhin der schlechteste, den die Verwaltung seit Einführung der doppelten Buchführung im Jahr 2012 vorgelegt habe.

Stehen jetzt die Investitionen in der Stadt auf der Kippe?

Nein. Geplant sind weiterhin Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro – nur knapp unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Der größte Brocken geht mit rund 3,6 Millionen Euro in die Dreifeldsporthalle an der Oberschule. Für das Feuerwehrgerätehaus Oberrheiderland sind 2,8 Millionen Euro vorgesehen. Das Integrationshaus in der Wiesenstraße soll mit abschließend 550.000 Euro fertiggestellt werden.

2,8 Millionen Euro sind im Etat für das geplante Feuerwehrgerätehaus Oberrheiderland vorgesehen. Visualisierung: Radke Architekten
2,8 Millionen Euro sind im Etat für das geplante Feuerwehrgerätehaus Oberrheiderland vorgesehen. Visualisierung: Radke Architekten

Hinzu kommt Geld aus dem Ergebnishaushalt für den Unterhalt des unbeweglichen Vermögens: etwa 350.000 Euro für Verbesserungen an Straßen, Wegen und Plätzen, jeweils 200.000 Euro für Brücken der Wirtschaftswege sowie für Gräben und Wasserläufe und 50.000 Euro für den Erhalt der Straßenbeleuchtung.

Wie geht das denn?

Über Kredite. Um Vermögen zu schaffen, wird die Stadt voraussichtlich am Finanzmarkt Geld aufnehmen. Im Entwurf steht eine Kreditermächtigung von gut 8,9 Millionen Euro – auch das ein Rekordwert. Zieht man die Tilgung bestehender Darlehen ab, bleibt eine Nettoneuverschuldung von rund 8,4 Millionen Euro. Die Schulden der Stadt würden damit binnen eines Jahres von rund 5,92 Millionen Euro zum Jahresende 2025 auf prognostizierte 16,78 Millionen Euro zum 31. Dezember 2026 steigen. Rechnerisch entspricht das einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1036,53 Euro je Einwohner.

Wie kommt es zu dem defizitären Haushalt?

Kämmerer Ingo Großpietsch nannte mehrere Treiber – allen voran die Kreisumlage. Obwohl der Hebesatz unverändert blieb, klettert die Umlage auf ein Rekordniveau von 13,2 Millionen Euro; 2025 waren es noch gut 11,55 Millionen Euro. Gleichzeitig steigen die Personalausgaben weiter: Für 2026 sind rund 13,6 Millionen Euro angesetzt. Diese beiden Positionen machen zusammen gut zwei Drittel der städtischen Ausgaben aus.

Auf der Einnahmenseite sinken die Schlüsselzuweisungen des Landes Niedersachsen. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Auf der Einnahmenseite sinken die Schlüsselzuweisungen des Landes Niedersachsen. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Auf der Einnahmeseite bricht dagegen eine wichtige Säule weg: Die Schlüsselzuweisungen des Landes sinken auf nur noch rund 3,22 Millionen Euro. Das sind gut 2,22 Millionen Euro weniger als 2025 und rund 3,32 Millionen Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Der Haushalt 2026 habe damit, sagte Großpietsch, sowohl ein Einnahme- als auch ein Ausgabeproblem.

Wie sind die Aussichten für die kommenden Jahre?

Nicht gerade rosig. Zwar lässt sich der Haushalt 2026 formal über die Verrechnung mit bestehenden Rücklagen ausgleichen, sodass kein Haushaltssicherungskonzept nötig wird. Doch der Blick nach vorn bleibt unerquicklich: Bis 2029 rechnet der Kämmerer weiter mit Fehlbeträgen im Ergebnishaushalt, die sich auf rund 22,7 Millionen Euro summieren. Wenn die Prognosen eintreffen, wären die Rücklagen bis dahin aufgezehrt, und der Haushalt 2029 könnte nicht mehr über Rücklagenverrechnung ausgeglichen werden.

Und wie lief es im vergangenen Jahr?

Auch 2025 war von Großpietsch zunächst ein Fehlbetrag von rund 4,85 Millionen Euro eingeplant worden. Das vorläufige Jahresergebnis dreht das Bild jedoch: Es weist einen Überschuss von mehr als 1,3 Millionen Euro aus. Der Kämmerer verwies dabei unter anderem auf höhere Einnahmen bei der Gewerbesteuer (rund 1,75 Millionen Euro) und bei der Einkommensteuer (rund 500.000 Euro). Zudem gab die Stadt deutlich weniger aus als erwartet, etwa beim Personal, wo das Budget um rund 1,32 Millionen Euro unterschritten wurde. Das schlug auch auf die Sachausgaben durch: Weil Personal fehlte, floss weniger Geld in den Unterhalt von Straßen und Gebäuden; fast 1,95 Millionen Euro wurden hier weniger ausgegeben als veranschlagt. Auch die Transferausgaben blieben um rund 550.000 Euro unter Plan, unter anderem, weil weniger Mittel von nicht-städtischen Kitas abgerufen wurden.

Ähnliche Artikel