Osnabrück Im neuen Dortmunder „Tatort: Schmerz“ hat Stefanie Reinsperger einen großartigen letzten Auftritt
Es wird einsam um Kommissar Faber (Jörg Hartmann). Jetzt verlässt ihn auch noch Kollegin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) im neuen Dortmunder „Tatort: Schmerz“. Vorher müssen aber noch zwei heftige Fälle gelöst werden.
Drei Schüsse mitten in der Nacht – und niemand im feinen Villenviertel hat etwas gehört. Das Opfer hat zwar noch versucht zu fliehen, hatte aber keine Chance. Ein Treffer in den Rücken, zwei in die Brust – das sieht beinahe wie eine Hinrichtung aus. Ein Raubmord scheidet jedenfalls aus. In der Wohnung des Toten finden Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und seine Kollegin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) neben Drogen, Waffen und einem falschen Pass auch jede Menge Bargeld.
Bei dem Mordopfer handelt es sich um den halbseidenen Klubbesitzer Golko Hasani. Alle Spuren führen zunächst ins Dortmunder Rotlichtmilieu, wo die Ermittler auf die Sexarbeiterin Maria Novak (Lorena Jurić) treffen. Die völlig verängstigte Zeugin war zum Tatzeitpunkt in Hasanis Wohnung und befürchtet, vom Täter gesehen worden zu sein. Weil Maria nicht weiß, wo sie nun unterkommen kann, bietet ihr die Leiterin der Mordkommission Ira Klasnić (Alessija Lause) bei sich zu Hause eine vorläufige Unterkunft an.
Schnell deutet sich im Laufe der Ermittlungen an, dass die Spur ins Rotlichtmilieu nur halb richtig ist. Hasani hieß gar nicht Hasani und hat während der Jugoslawienkriege als „der Schänder“ unfassbare Kriegsgräuel an Frauen und Kindern verübt. Offensichtlich übt nun jemand Rache im Ruhrgebiet, wie ein weiterer, vor Kurzem verübter Mord in Duisburg vermuten lässt.
Und Klasnić, so erfährt man nun auch, musste als Teenagerin während der Jugoslawienkriege selber unglaubliches Leid erfahren. Später hat sie dann als Bundeswehrsoldatin mit KFOR-Mandat im Kosovo-Krieg gedient. Nun trifft sie im Laufe der Ermittlungen erneut auf ihren alten Bekannten Lorik Duka (Kasem Hoxha), der nicht nur eine kriminelle, sondern auch eine gemeinsame Vergangenheit mit Kommissarin Klasnić hat. Ausgerechnet jetzt rückt ihm seine Schwester Klea (Elda Sorra) auf die Pelle. Bei ihr hat er nichts zu melden.
Es wird noch einsamer um Kommissar Faber. Im aktuellen „Tatort: Schmerz“ heißt es Abschied nehmen von seiner Kollegin Herzog, der einzigen Person, der er sich noch freundschaftlich verbunden fühlt. Wobei sich der Episodentitel „Schmerz“ wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung zieht.
Nicht zum ersten Mal werden die Jugoslawienkriege im „Tatort“ thematisiert. Zuletzt bekamen es die Wiener Ermittler Eisner und Fellner in der Episode „Der Elektriker“ mit den Folgen der Kriegsgräuel zu tun. Jetzt also auch Dortmund – aber die Schrecken der Vergangenheit und die Leiden der traumatisierten Kriegsopfer reichen in der Realität leider noch sehr viel weiter als in der Fiktion von Krimis.
Jürgen Werner (Buch) und Torsten C. Fischer (Regie) fokussieren ihren Blick in diesem Zusammenhang insbesondere auf Fabers Chefin Klasnić. Erstmals erhält sie klare Konturen und psychologische Tiefe. Faber und Klasnić kommen sich nach ihren bisherigen Animositäten sogar näher. Freunde, so bestätigt Faber, können die zwei zwar nicht mehr werden. Aber immerhin.
Auf der horizontalen Ebene wird in der Folge „Schmerz“ endlich auch die Causa Haller zum Abschluss gebracht. Dabei entwickelt sich eine äußerst vielschichtige Handlung auf mehreren Ebenen, die in ihrer Gesamtheit vielleicht ein wenig überkomplex wirkt, aber dank einer straffen Dramaturgie und gelungenen Inszenierung trotzdem gut nachvollziehbar bleibt.
Zum Titel „Schmerz“ passt dann auch der Abschied von Stefanie Reinsperger, die auf eigenen Wunsch ihre Rolle der Rosa Herzog nach fünf Jahren wieder an den Nagel hängt und hier noch einmal eine gelungene Kostprobe ihres Könnens zeigt. Wie sie den „Tatort“ verlässt, das sei hier freilich nicht verraten. Nur so viel – solch einen Abgang erleben nur die wenigsten Ermittler.
„Tatort: Schmerz“. Sonntag, 22. Februar, 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.