China-Serie Wie ein Logabirumer zum Hidden Champion wurde
Der Umgang und nicht zuletzt die Geschäfte mit China sind nicht immer einfach. Ein Versandhändler aus Logabirum hat es im Reich der Mitte trotzdem nach oben geschafft. Mit ganz speziellen Produkten.
Ostfriesland - Prof. Heinz-Gerhard Redeker gilt als ein wenig öffentlichkeitsscheu. Im Gespräch mit unserer Redaktion streitet er das auch gar nicht großartig ab. Uns ist es trotzdem gelungen, dem Gründer von ELV (Elektronik Literatur Verlag) ein paar Details zu seiner Zusammenarbeit mit China zu entlocken.
ELV hat eine lange Tradition im Geschäft mit China. „Als Versandhaus haben wir bereits Ende der 80er Jahre begonnen, Produkte aus China zu importieren“, sagt Redeker. „Zunächst haben wir Bauteile an Elektronik-Enthusiasten verkauft, später auch fertige Produkte.“
Vom Versand zur eigenen Produktion
Was als kleines Geschäft in Leer-Logabirum begonnen hatte, entwickelte sich überraschend schnell. „Dieses Versandgeschäft wuchs immer weiter an, so dass ich mich Mitte der 90er Jahre entschlossen habe, in China eine eigene Produktion zu gründen“, sagt Redeker. Über die Niederlassung in Hongkong habe ELV in gemieteten Gebäuden in China mit der Produktion begonnen. In den Jahren 2007/2008 folgte dann in Zhuhai auf 33.000 Quadratmetern eine eigene Produktionsstätte inkl. Infrastruktur – zum Beispiel mit Wohnräumen für die Arbeiterinnen und E-Bussen. „Außerdem stellen wir dort auch die Werkzeuge für die Produktion her“, betont Redeker. „Wir verfügen dort wirklich über eine hohe Fertigungstiefe bis zum Endprodukt.“
Hält man sich als Unternehmer aus der großen Politik heraus, kann sich das wirtschaftlich auszahlen. „Wir haben damals umgerechnet etwa 10 Millionen Euro in den Standort Zhuhai investiert“, erinnert sich Redeker. Mittlerweile habe sich der Wert des Landes mehr als verzehnfacht. Zhuhai grenzt direkt an Macau. Macau wiederum liegt 50 Kilometer westlich von Hongkong.
Geschickter Umgang mit chinesischen Mitarbeitern
In China arbeiten laut Redeker etwa 500 bis 800 Leute für ELV. „Wir haben eine gewisse Atmung in der Größe der Belegschaft. Das muss man vielleicht erläutern“, erklärt der Firmengründer. „Chinesen lieben Mehrarbeit. Sie erhalten nicht nur bei uns vor allem an den Wochenenden sehr hohe Zuschläge. Wenn wir nicht genug Mehrarbeit anbieten können, suchen sich die Menschen hier schnell eine neue Stelle.“
ELV erwirtschaftet nach eigenen Angaben jährlich einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Allein hier in Leer arbeiten etwa 350 Menschen – davon über 100 in der Entwicklungsabteilung. „Wir sind im Bereich Smarthome Marktführer in Europa, hauptsächlich in der Region DACH“, sagt Redeker. Derzeit plant ELV am Leeraner Standort ein neues Entwicklungszentrum, das im Frühjahr 2028 fertig sein soll. Baubeginn soll bereits im Februar dieses Jahres sein.
Redeker hat im Prinzip zwei Firmen: die ELV Elektronik AG, die sich an Endkunden richtet, und die eQ-3 AG, die sich um Großkunden kümmert. Im Angebot sind mehrere tausend Artikel. Für Einsteiger gibt es beispielsweise Heizregler, mit deren Hilfe sich nicht nur die Heizungen steuern lassen, sondern die auch noch Energie sparen helfen.