Landwirtschaft  Schnee macht Grünkohl matschig

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 16.02.2026 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der erste Grünkohl der Saison sah gut aus (Foto). Den letzten Pflanzen auf dem Feld hat der Schnee zugesetzt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Der erste Grünkohl der Saison sah gut aus (Foto). Den letzten Pflanzen auf dem Feld hat der Schnee zugesetzt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
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Der letzte Grünkohl auf den Feldern in Ostfriesland wurde von Schnee und Eis bedeckt. Das Aussehen der Pflanze hat darunter gelitten – was ist mit dem Geschmack?

Leer - Nach dem ersten Frost beginnt die Grünkohlernte. Frost und kalte Temperaturen tun der Qualität des Grünkohls gut – der Schnee eher nicht. „Der ganze Grünkohl fällt unter der Schneelast etwas zusammen, die Köpfe werden matschig“, erklärt Aron van Eucken, Mitarbeiter auf dem Hof von Redelf Heyken in Altharlingersiel. Insgesamt 3000 Grünkohlpflanzen habe man in dieser Saison auf den Feldern gepflanzt.

Die letzten hole man jetzt vom Feld. „Die Qualität der Optik hat zwar ein bisschen nachgelassen, der Geschmack aber nicht“, sagt van Eucken. „Die ganz matschigen Pflanzen sortieren wir aber aus.“ Der Grünkohl werde auf Wochenmärkte und direkt auf dem Hof verkauft.

Grünkohlernte nach dem Schnee beendet

Andere Landwirte haben die Grünkohlernte wegen des Schnees endgültig abgebrochen. „Die restlichen fünf Prozent sind auf dem Acker geblieben, die Qualität war nicht mehr gut genug“, sagt etwa Landwirt Gottfried Gerken aus dem Landkreis Vechta gegenüber dem Landvolk Niedersachsen. Er hatte auf einer Fläche von 80 Hektar Grünkohl angebaut und erntet maschinell.

„Es ist generell so, dass die Qualität des Grünkohls etwas abnimmt, je länger er auf dem Feld steht“, erklärt Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf Nachfrage. „Der Aufwand beim Putzen – das Entfernen weniger genießbarer Pflanzenteile – wird höher. Zum Ende der Saison nimmt überdies die Erntemenge ab, das ist ganz normal. Der Schnee auf den Feldern dürfte die Ernte der letzten Bestände erschwert haben.“ Deshalb empfehle man den Verbrauchern auch, sich früh in der Saison mit frischer Ware einzudecken und diese selbst portionsweise einzufrieren.

Grünkohl in Zahlen

Laut dem Landesamt für Statistik wurden in Niedersachsen im Jahr 2024 auf einer Anbaufläche von 383 Hektar Grünkohl angebaut. Niedersachsen liegt damit nur auf Platz 2 – hinter Nordrhein-Westfalen mit 601 Hektar. Bundesweit bauten 1.169 Betriebe auf 1.197 Hektar Grünkohl an und ernteten fast 24.000 Tonnen des gesunden Gemüses. (LPD 11/2026)

Alles in allem sei die Ernte in diesem Jahr „nicht so gut wie sonst gewesen“, sagt van Eucken. Aufgrund der Trockenheit und Kälte während der Auspflanzphase blieben die Erträge in allen Grünkohlanbaugebieten hinter dem Vorjahr zurück.

Grünkohl profitiert von niedrigen Temperaturen

Eigentlich macht sich der Grünkohl die niedrigen Temperaturen zunutze: Kälte verlangsamt den Stoffwechsel der Pflanze. Dies hat zur Folge, dass sie mehr Zucker in den Blättern anreichern kann. Gleichzeitig bildet die Pflanze durch Sonnenlicht weiteren Zucker in den Blättern, und beides führt zu dem süßlich-herben und würzigen Geschmack. Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen spielt bei neueren Züchtungen die Temperatur aber immer weniger eine Rolle, da diese Pflanzen von Natur aus süßer schmecken.

Grünkohl gilt wegen seiner Nährstoffzusammensetzung auch als „heimisches Superfood“. Er ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und Eiweiß. Längst kommt Grünkohl nicht mehr nur deftig mit Kassler und Pinkel auf den Tisch, sondern auch als Auflauf, mit Nudeln oder fein gehackt im Salat und auf Pizza oder Quiche. Selbst Grünkohlchips gibt es – und auch Smoothies werden mit Grünkohl gemixt.

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