Osnabrück  Welche Risiken der Einsatz von KI an Niedersachsens Schulen mit sich bringt

Fiona Mancuso
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Von Fiona Mancuso
| 12.02.2026 15:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch setzen viele Schulen auf KIs wie ChatGPT, doch in Zukunft soll es ein schuleigenes KI-Programm geben. Foto: Imago/Christian Ohde
Noch setzen viele Schulen auf KIs wie ChatGPT, doch in Zukunft soll es ein schuleigenes KI-Programm geben. Foto: Imago/Christian Ohde
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KI wird immer mehr an Schulen in Niedersachsen genutzt. Die rasante Entwicklung stellte jedoch viele Lehrer vor Herausforderungen, wie die GEW mitteilt. Warum es schon bald neue Prüfungsformen geben könnte und KI wohl nicht an Grundschulen eingesetzt wird.

KI überrollt die Schulen, kommen da alle mit? Während das Niedersächsische Kultusministerium darauf verweist, dass die Lehrer im Land an 19.000 Kursen zur KI-Weiterbildung teilgenommen haben, zeigt sich der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Stefan Störmer, weniger zuversichtlich: „Die Entwicklung der KI geht gerade rasend schnell voran, da kommt man teilweise nicht hinterher.“

Störmer warnt in dieser Hinsicht vor einem digitalen „Flickenteppich“. Weil jede Kommune selbst für die Technik ihrer Schulen bezahlen muss, gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Ausstattung. Manche Schüler arbeiten mit modernstem W-Lan, während andere noch darauf warten, überhaupt ans Glasfasernetz angeschlossen zu werden. Dadurch wird die Arbeit mit KI erschwert.

Die Lösung: ein eigenes KI-System für Schulen in Niedersachsen. Bisher nutzen viele Schulen öffentliche Programme wie ChatGPT. Das Problem ist, dass KIs mit einem unbegrenzten Zugang zum Internet ihre Informationen auch von Seiten speisen, die nicht für Schüler gedacht sind, da auf ihnen diskriminierende oder nicht jugendfreie Inhalte veröffentlicht und geteilt werden. Deshalb wird in Niedersachsen der Chatbot „Telli“, speziell für Schulen, entwickelt. Die KI speist sich nicht aus dubiosen Internetquellen, sondern aus geprüften Inhalten. Aktuell befindet sich Telli in der Testphase. Die GEW unterstützt diesen Ansatz.

KIs können hilfreich sein, zum Beispiel beim Erstellen von Aufgaben. Dadurch können sie Lehrern einen Teil ihrer Arbeit abnehmen, doch diese müssen am Ende des Tages weiterhin die Ergebnisse der KI kontrollieren. Störmer weiß, dass Lehrer im Umgang mit KI fit sein müssen, dies sie jedoch auch hinsichtlich der sich rasant entwickelnden Technik belasten kann. „Das schafft man schlicht und ergreifend nicht auf einen Schlag, vor allem nicht neben dem regulären Unterricht. Das ist ein Prozess.“

Störmer vergleicht den Prozess mit dem autonomen Fahren: Man sitzt zwar in einem hochmodernen Fahrzeug, muss aber „die ganze Zeit fürchterlich aufmerksam bleiben. Das erhöht die mentale Belastung eher, als dass es sie senkt“, weil man nie wisse, wann das System versagt.

In Grundschulen sieht die GEW den Einsatz von KI kritisch. Störmer mahnt hier zu einem bedachten Umgang und warnt davor, Kinder sehr früh vor Laptops und Tablets zu „isolieren“. Beim Lernen von Lesen, Rechnen und Schreiben bräuchten sie die „direkte menschliche Zuwendung und Beziehung“ durch die Lehrer.

In Grundschulen fehle es ohnehin oft am technischen Know-how. In „kleinen Dorfschulen mit nur vier Lehrkräften“ bleibt oft nicht viel Zeit, sich ausgiebig mit dem Thema KI zu beschäftigen.

Durch die KI können Schüler heute viel einfacher bei schriftlichen Klausuren schummeln. Um dem entgegenzuwirken, plant das Kultusministerium neue Arten von Prüfungen. Ab dem Schuljahr 2027/2028 soll ein „Kombinierter Leistungsnachweis“ eingeführt werden.

Es soll nicht allein das Ergebnis einer Aufgabe bewertet werden, sondern verstärkt auch der Arbeitsweg. Schüler müssen offenlegen, wie sie KI genutzt haben. Auch mündliche Prüfungen könnten in Zukunft wichtiger werden, um Wissen abzufragen – denn hier kann einem die KI nicht helfen. Stefan Störmer hält das für sinnvoll.

Der Einsatz von KI an Schulen scheint jedoch keine Grenzen zu kennen. KI kann heute schon Fremdsprachen-Gespräche mit Schülern führen und direkt Feedback geben – das ist Einzelbetreuung, die im normalen Unterricht zeitlich gar nicht machbar wäre, so Störmer. Zudem wird an Programmen gearbeitet, die Verwaltungsaufgaben übernehmen. Das Ziel: Die KI erledigt den Papierkram, damit die Lehrer mehr Zeit für die Schüler haben. „Ich glaube, der entscheidende Schritt ist, dass man nichts überstürzt einführt“, findet Stefan Störmer. Chancen und Risiken gelte es abzuwägen.

Aber er ist der Meinung: Wer Schüler vor KI abschirme, lasse sie unvorbereitet in eine digitalisierte Arbeitswelt. Medienkompetenz sei der einzige Schutz, ist Störmer überzeugt: „Schule soll ja auch auf die Welt draußen vorbereiten – und die ist nun einmal in vielen Bereichen digital.“

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