Hafenmarkt Weener Am Alten Hafen soll es „schnuckelig“ werden
In Weener liegt am Alten Hafen eine Stille, die nicht idyllisch ist. Jetzt soll sie brechen: Hafenmarkt statt Wochenroutine – mit Pflanzentausch, Ponys, Catwalk und Musik. Weener will wieder ankommen.
Weener - Wenn man am Alten Hafen in Weener steht, kann man sich leicht einreden, hier sei alles in Ordnung: Immerhin ist das Wasser ruhig. Und doch liegt über dem Ort oft diese merkwürdige Stille, die nicht idyllisch ist, sondern abwartend. In Weener wollen sie genau damit Schluss machen. Sie wollen den Alten Hafen wieder zu einem Platz machen, an dem etwas passiert – nicht irgendwann, sondern bald.
Der geplante Hafenmarkt, so viel ist jetzt klar, ist keine Idee mehr, die in Sitzungsprotokollen wohnt. Er nimmt Konturen an, bekommt Datum, Uhrzeit, Teilnehmer. „15 Teilnehmer stehen für unseren Auftakttermin am 7. Juni bereits fest“, sagte Hafen-55-Chef Hilmar Bockhacker bei einem Gespräch mit dem Organisationsteam der Interessengemeinschaft Hafenentwicklung. Das klingt nach Aufbruch, aber noch nicht nach Ausverkauf: „Wer Interesse hat und in unser Konzept passt“, könne sich weiterhin bewerben, hieß es. Und: Auch wer den Start verpasst, muss nicht draußen bleiben. Spätere Termine seien offen.
Nachmittagsmarkt scheiterte: Jetzt soll der Hafenmarkt eher Event als Einkauf sein
Die Lehre aus dem vergangenen Jahr steckt dabei wie ein kleiner Stachel im Selbstbewusstsein der Stadt. In Weener hatte man es schon einmal versucht, moderner, nachmittäglicher, angeblich näher am Leben: Der Nachmittagsmarkt auf dem Vogelsangplatz sollte Treffpunkt sein, regional, mit Verzehrangeboten und Plauderton. Er wurde – freundlich gesagt – nicht angenommen. Zu geringe Resonanz, nach einjähriger Laufzeit war im September 2025 Schluss. Ein Markt kann eben alles sein: Magnet, Bühne, Spiegel einer Stadt. Oder ein gut gemeinter Plan, der im Regen steht.
Also jetzt: kein Wochenmarkt, keine Routine, keine Kisten-Logik. Der Hafenmarkt soll eher nach Veranstaltung aussehen als nach Versorgung. Eine „bunte Mixtur“ aus gewerblichen Beschickern und privaten Ausstellern, mit einem Charakter, der mehr nach Sonntagserlebnis klingt als nach „Ich brauch nur schnell noch Tomaten“. „Etwas für die ganze Familie, zum Kaufen und Flanieren entlang der Hafenmeile, zum Verweilen und Staunen“, sagte Bockhacker. Und dann setzt er den Akzent dort, wo man ihn in Zeiten von Onlinehandel und Discounterdominanz fast schon als kulturpolitische Geste lesen kann: Die gewerblichen Stände, meint er, seien eher Ergänzung. „Beim Hafenmarkt sollten gemeinnützige, ehrenamtliche und karitative Teilnehmer die zentrale Rolle spielen“, so Bockhacker.
Garten und Pflanzen als Motto: Tauschbörse und Ponyreiten angekündigt
Es ist diese Idee vom Hafen als sozialem Raum, die hier mitschwingt: nicht Preisvergleich, sondern Begegnung. Kein Kampf um den günstigsten Korb, sondern ein Versuch, die Stadt am eigenen Wasser wieder zusammenzuführen. Bockhacker nennt den Hafen ein „Schmuckstück“ – und wer so spricht, hat meist auch das Bild dazu: etwas, das man poliert, damit es wieder glänzt. Es gehe um Belebung, sagt er, darum, den Hafen aus seinem Dornröschenschlaf wach zu küssen. Fläche sei genug da. Touristen und Einheimische sollen „ein paar schöne Stunden“ haben. „Wer hat denn schon so einen idyllischen Hafen zu bieten?“, wurde gefragt. Und der Satz, der nach Heimatmarketing klingt und doch mehr meint, fällt gleich hinterher: „Wir wollen Weener etwas schnuckeliger machen“, wurde betont.
Damit das Ganze nicht in Beliebigkeit zerläuft, bekommt jeder Hafenmarkt ein Motto, eine Art thematisches Geländer. Auftakt im Juni: Garten und Pflanzen – passend zur Jahreszeit, passend zur Sehnsucht nach Grün und dem guten Gefühl, wenn etwas wächst. Herzstück soll eine Pflanzentauschbörse werden, bei der auch Privatpersonen mitmachen können: Ableger mitbringen, Überzähliges abgeben, Neues eintauschen. Schon angekündigt sind unter anderem Gisela Benecke mit Pflanzenablegern aus ihrem Bauerngarten, mehrere Stände mit handgemachter Deko für drinnen und draußen, ein Angebot rund um Gesundheit, Kausnacks für Hunde, abstrakte Kunst in Acryl – und Ponyreiten, „für Kinder und Erwachsene“.
Modenschau und Live-Musik in Weener: Catwalk am Hafen geplant
Dazu das, was solche Nachmittage in Erinnerung hält: eine Fischbude, Poffertjes und Popcorn, Glitzertattoos und Kinderschminken. Nichts daran ist revolutionär, und vielleicht ist genau das die Pointe: Es soll nicht das nächste Konzept sein, das an sich selbst erstickt, sondern ein Ort, an dem man sich treiben lassen kann. Kaufen, schauen, stehen bleiben. Und irgendwann feststellen, dass man schon wieder jemanden getroffen hat, den man lange nicht gesehen hat.
Ein weiterer Programmpunkt setzt auf Bühne statt Bude: Das Diakonische Werk Rheiderland hofft auf viele Interessierte bei einer moderierten Second-Hand-Modenschau des sozialen Kaufhauses in Weener. Zwischen 13 und 17 Uhr, in mehreren Durchgängen, laufen Mitarbeiter, Freunde und Bekannte der Einrichtung über einen zwölf Meter langen Catwalk – Mode für Männer, Frauen, Kinder. Die Kleidungsstücke können danach auch gekauft werden. Für Musik sorgt ab 14 Uhr die Dollart-Swing-Band. Offen ist noch, ob sich die angedachten Hafenrundfahrten mit einem Elektroboot umsetzen lassen.
Ein Publikum das nicht nur vorbeifährt, sondern bleibt
Rückenwind verspricht das Umfeld, das ohnehin schon Besucher anzieht: der Hafen 55 mit Biergarten, die Parkplätze an der Pannenborgstraße und am Schöpfwerk, Kornhalle, Navigationsecke, großes Zelt, das Schiff „Animo“, die Ruderhäuser. Ein Ensemble aus Orten, die schon da sind – und jetzt, so hoffen sie, ein Publikum bekommen, das nicht nur vorbeifährt, sondern bleibt.
Sechs Termine sind in diesem Jahr bereits ausgewählt. Nach der Premiere am Sonntag, 7. Juni 2026, von 11 bis 18 Uhr, soll es im festen Monatsrhythmus weitergehen. Der zweite Hafenmarkt am 5. Juli 2026 steht thematisch schon fest: Recycling.
Und vielleicht ist das die eigentliche Idee hinter all den Ständen, Ponys, Poffertjes und Pflanzen: Dass ein Hafen wieder das wird, was er früher einmal war – ein Ort, an dem man ankommt. Nicht nur mit dem Boot. Sondern miteinander.