Analyse  So soll der Verkehr in Emden besser fließen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 11.02.2026 14:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Schon bald sollen gelbe Markierungen den Radabbieger verbreitern. Fotos: Stephanie Schuurman
Schon bald sollen gelbe Markierungen den Radabbieger verbreitern. Fotos: Stephanie Schuurman
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Stockender Verkehr in Emden soll bald Vergangenheit sein – auch trotz des geplanten Innenstadt-Umbaus. Wie das funktionieren soll und was das mit Ampeln zu tun hat.

Emden - Der ganz große Wurf ist es noch nicht, aber in Teilbereichen der Innenstadt von Emden könnte der Verkehr schon bald besser fließen. Dazu soll an vergleichsweise kleinen Stellschrauben gedreht werden, vor allem auf der Verkehrsachse vom Bahnhof bis zum Philosophenweg. Welche Stellschrauben das sind und welche Möglichkeiten vor allem für die Faldern-Viertel noch zu diskutieren sind, ist das Ergebnis einer Verkehrsuntersuchung, die die Stadt Emden in Auftrag gegeben hat. In Stichpunkten vorab: Es wird neue Ampeln geben, manche verschwinden, und es gibt eine überraschende Neuigkeit: Der Autoverkehr in der Emder Innenstadt hat in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent abgenommen. Die Untersuchung und die Folgen wurden am Dienstagabend, 10. Februar 2026, im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt.

Einer der Störfaktoren: Diese Ampel Richtung Grasstraße soll weg.
Einer der Störfaktoren: Diese Ampel Richtung Grasstraße soll weg.

Warum jetzt ein Verkehrsgutachten?

Die Stadt Emden hatte versprochen, noch vor Start der Großbaustelle in der Innenstadt sowohl eine Verkehrserhebung als auch Abhilfe für die Anrainer zu schaffen, die unter den Verlagerungsverkehren leiden. Während der Bauphase und natürlich auch danach soll der Verkehr im Innenstadtbereich möglichst reibungslos fließen.

Was war der Auftrag der Verkehrsexperten?

Im Fokus der Firma SHP Verkehrsplanung aus Hannover liegen diese beiden Planfälle, nämlich zum einen die vom Rat beschlossene, künftige Verkehrsführung in der Neutorstraße und Delft. Dort soll der motorisierte Verkehr dann nur noch in eine Richtung geführt werden, von der Neutorstraße Richtung Faldernstraße beziehungsweise Richtung Delft. Zum anderen geht es um die Auswirkungen bei der über Jahre andauernden Vollsperrung für den motorisierten Verkehr in dem Großbereich während der Bauphase. Oder wie es Jörn Janssen von SHP ausdrückte: „Wir haben getestet, ob der Ratsbeschluss funktioniert, das war der Auftrag.“ Und es scheint zu funktionieren. In beiden Fällen haben die Experten „gut abwickelbare Verkehre“ simulieren können, wie Lina Janssen von SHP sagte. Doch dafür bedarf es eben noch besagter Stellschrauben.

Knapp: Während der Bauphase sollen hier Radfahrer eine breitere Spur bekommen.
Knapp: Während der Bauphase sollen hier Radfahrer eine breitere Spur bekommen.

Was wurde untersucht?

Zunächst wurde die Gesamtbelastung der Verkehre in der Innenstadt gemessen. Im August 2025, noch vor der Vollsperrung der Neutorstraße wegen der Tiefbauarbeiten der Stadtwerke, wurde der motorisierte Verkehr gezählt. Die Zählung erfolgte zur Spitzenzeit zwischen 16 und 17 Uhr, wenn Berufs- und Individualverkehr ineinanderfließen oder eben alles zum Stocken bringen. Nach Zahlen: 70.305 Kfz pro 24 Stunden wurden im Querschnitt aktuell gezählt. Vor zehn Jahren, als SHP die erste Erhebung im Rahmen des letzten Verkehrsentwicklungsplans erstellt hat, waren es 78.901 Kfz und damit elf Prozent mehr, die durch die Innenstadt fuhren. Insgesamt habe der Verkehr allerdings nicht unbedingt abgenommen. Erfreulicherweise werde inzwischen der Autobahnring und die Trogstrecke verstärkt genutzt.

Was soll passieren, damit der Verkehr in der Innenstadt besser fließt?

Dafür haben sich die Experten den Straßenzug von der Abdenastraße, Jungfernbrückstraße, Agterum, Neutorstraße, Zwischen beiden Bleichen bis Philosophenweg angesehen, auf dem es in Spitzenzeiten immer wieder zu Rückstaus kommt. Als eine Hauptursache gelten lange Wartezeiten an den vielen Ampelanlagen auf dieser Strecke. „Die Ampelphasen sind aktuell eine Katastrophe“, bestätigte Lina Janssen.

Zugeklebt, aber nicht ausgetaktet: Die alte Ampelanlage an den Neutor-Arkaden.
Zugeklebt, aber nicht ausgetaktet: Die alte Ampelanlage an den Neutor-Arkaden.

Teils lassen sich die Ampeln aber nicht mehr besser vertakten. Die Anlage am Knotenpunkt Neutorstraße/Agterum ist die älteste der Stadt und lässt sich nicht einmal mehr in Teilbereichen wie die Fußgänger-Anzeige abschalten, die aktuell nicht mehr gebraucht wird. Die Grünphase für Fußgänger verlängert dennoch die Wartezeit für den anderen Verkehr. Die Experten sprechen auch von „toten Zeiten“. Und weil sich die Ampelanlagen nicht mehr optimal schalten lassen, sollen sie jetzt erneuert werden. Stadtbaurätin Irina Krantz will die Ausschreibung auf den Weg bringen. Sie rechnet mit einer Lieferzeit von zwölf bis 16 Wochen. Spätestens im Sommer soll die neue Ampelanlage in Betrieb genommen werden. Damit kann dann insgesamt alles neu verbunden werden.

Welche Knackpunkte gibt es noch auf der Strecke?

Als Störungspunkt haben die Experten auch den Abzweiger in die Boltentorstraße ausgemacht. Dort sei es doch immer wieder „überstaut“. Die Lösung: Die Linksabbiegespur in der Abdenastraße soll deutlich verlängert werden. Dafür muss sogar eine Ampel weichen, die ebenfalls zum Stauproblem geworden ist. Die Bedarfsampel in Höhe der Grasstraße kann weg, darin sind sich Verkehrsexperten wie Stadt und Ratsausschuss einig. Es gibt dort ausreichend andere Querungsmöglichkeiten, so der Tenor. Anstelle der Ampel ist eine Verkehrsinsel eingeplant. „Die Wegnahme der Fußgängerampel ist der Game-Changer“, sagte Jörn Janssen. „Sonst hätten wir die Planfälle nicht hinbekommen.“

Was wird jetzt noch verändert?

Während der Bauphase an der Großbaustelle bekommen Radfahrer und Fußgänger am Abzweig Neutorstraße/Agterum mehr Raum, weil wegen der Vollsperrung Fahrspuren für den motorisierten Verkehr entfallen – so wie es bereits jetzt der Fall ist. Der vergrößerte Raum soll noch gelb markiert werden. Dauerhafte bauliche Maßnahmen wie Borde setzen für die Verkehrsinsel an der Abdenastraße schließt Krantz zurzeit aus. Die Stadt ist durch die bestehenden und geplanten Baustellen ausreichend belastet. Wenn in bestenfalls zwei, drei Jahren alles fertig ist, müssen sich Radfahrer dann aber wieder mit schmaleren Spuren begnügen, weil der Verkehr wieder die Geradeausspur braucht, die dann wieder durch die Neutorstraße führen soll.

Die Poller links kommen weg, die Spuren werden neu gezogen. Geradeaus fahren die nächsten Jahre nur Radfahrer.
Die Poller links kommen weg, die Spuren werden neu gezogen. Geradeaus fahren die nächsten Jahre nur Radfahrer.

Was ist noch möglich oder auch nicht?

Die Experten wurden auch beauftragt, mögliche Varianten für eine barrierefreie Bushaltestelle gegenüber der Kunsthalle aufzuzeigen. Von vier Möglichkeiten sei eine gestalterisch und städtebaulich optimal, bei der eine kombinierte Bus- und Fahrradspur entlang des Gebäudekomplexes Neutor-Arkaden führt. Diese „Umweltspur“ sei aber bei der aktuellen Verkehrsbelastung nicht umsetzbar. Eine echte Lösung ist auch aufgrund der benötigten Linksabbiegespur für das geplante Parkhaus noch nicht in Sicht.

Soll auch neu, doch noch ist keine Lösung in Sicht: Die Bushaltestelle gegenüber der Kunsthalle.
Soll auch neu, doch noch ist keine Lösung in Sicht: Die Bushaltestelle gegenüber der Kunsthalle.

Vom Tisch ist auch, die Ampelanlage zur Ringstraße gegen eine abbiegende Vorfahrtsregelung zu ersetzen, was von manchen Ratsleuten gefordert war. Die Ampel an diesem Verkehrsknotenpunkt diene sehr wohl dazu, den Verkehr im Fluss zu halten, betonte Janssen. Anderenfalls gebe es deutlich mehr Rückstauungen in die Ringstraße.

Wird keine Einbahnstraße: Zwischen beiden Bleichen.
Wird keine Einbahnstraße: Zwischen beiden Bleichen.

Ebenfalls abgeschmettert: Die Straße Zwischen beiden Bleichen zu einer Einbahnstraße stadtauswärts zu machen. Dies würde nochmals zu einer Verlagerung des Verkehrs in den Philosophenweg und die Nordertorstraße führen.

Welche Auswirkungen haben diese Ergebnisse auf Faldern?

Erst einmal wenig. Neben der innerstädtischen Verkehrsachse vom Bahnhof bis zum Philosophenweg hatte SHP den Auftrag, die Verkehrssituation in den Vierteln von Klein- und Groß-Faldern zu beleuchten. Auch hier trat wieder Erstaunliches hervor: Nach intensiven Verkehrszählungen stellten die Experten fest, dass lediglich 27 Prozent Durchgangsverkehr sei. Das Gros sei so genannter Ziel- und Quellverkehr, also durch die Anwohner selbst verursacht.

Allein gelassen sollen sich die Anwohner deshalb aber nicht fühlen. Anfang März soll es die nächste Bürgerinformations-Veranstaltung für die Viertel geben, bei der die SHP-Experten die Untersuchung präsentieren wollen. Auch Maßnahmen und deren jeweilige Auswirkung zur Reduzierung der unumstritten gestiegenen Verkehrszahlen auf der Achse Nordertorstraße/Friedrich-Ebert-Straße sollen dann vorgestellt werden. „Was wir jetzt haben, ist nur ein Zwischenstand“, betonte Janssen. Alles könne noch diskutiert werden, Einwände und Ideen könnten eingebracht werden.

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