Haushalt 2026 Trotz Sparzwang wird in Jemgum kräftig investiert
2026 fließen Millionen in die Infrastruktur – während das Defizit bleibt. Welche Vorhaben Priorität haben, was noch geplant ist und warum Förderung alles entscheidet.
Jemgum - Rosig ist gerade wenig an den Finanzen dieser Gemeinde. Wer in den frisch und einstimmig beschlossenen Haushalt schaut, blickt in ein Zahlenwerk, das eher nach Warnleuchte als nach Wohlstand klingt: Im Ergebnishaushalt – also jener kommunalen Gewinn- und-Verlust-Rechnung, die Ressourcenverbrauch und Ressourcenaufkommen gegeneinanderstellt – steht ein Minus von rund 3,35 Millionen Euro. Und Besserung? Kämmerer Rainer Smidt rechnet auch für die kommenden Jahre mit Defiziten von jeweils mehr als drei Millionen.
Zwar wachsen die Einnahmen, vor allem aus der Gewerbesteuer, gegenüber dem Vorjahr weiter. Doch der tiefe Einbruch bei den Steuern im Jahr 2018 bleibt ein Loch, das sich bis heute nicht schließen lässt. Und die Idee, künftig auch am Multifunktionsplatz in Ditzum Parkgebühren zu erheben, ist finanziell genau das, wonach sie klingt: ein kleiner Zusatz – mehr nicht. Auf der Ausgabenseite dagegen wird es schwerer: Personalkosten steigen weiter, ebenso der Betrag, den Jemgum über die Kreisumlage abführen muss.
Haushaltssicherung: Das strukturelle Minus begleitet Jemgum seit Jahren
Im Haushaltssicherungskonzept wird entsprechend nüchtern formuliert, was sich ohnehin abzeichnet: Mittelfristig werde die Gemeinde Jahr für Jahr ein Defizit ausweisen. Ursache sei ein strukturelles Minus, das Jemgum schon zu Zeiten der Kameralistik mit sich herumtrug und das in der Doppik, also seit Einführung der doppelten Buchführung 2012, lange weniger auffiel, weil Rücklagen da waren und die Gewerbesteuer zeitweise üppig sprudelte. Rückblickend, heißt es selbstkritisch, hätte man diesem strukturellen Defizit schon bei seiner Entstehung mehr Aufmerksamkeit schenken und früher gegensteuern müssen.
Das Problem: Große Sprünge kann sich Jemgum eigentlich nicht erlauben. Und trotzdem investiert die Rheiderland-Kommune im Jahr 2026 rund 3,5 Millionen Euro in ihre Infrastruktur. Ein Beispiel: Das Projekt „Naturerlebnispfad Landschaftssee Ditzum“ soll den See zu einem lebendigen Ort für Erholung und Bildung machen – offen für alle. Dafür sind im laufenden Haushalt 1,3 Millionen Euro eingeplant. Die Idee dahinter: touristische Highlights nicht einfach nur addieren, sondern sinnvoll verbinden. Bürgermeister Hans-Peter Heikens hofft auf eine Förderung von 90 Prozent der Gesamtkosten.
Feuerwehr und Kläranlage: In Critzum und beim Abwasser wird investiert
Auch die Feuerwehr bleibt ein Schwergewicht in den Planungen. Für den Neubau des Feuerwehrhauses in Critzum sind im Haushalt nochmals 220.000 Euro eingestellt. Zusammen mit nicht abgerufenem Geld aus den Vorjahren in Höhe von rund 1,53 Millionen Euro soll so eine Gesamtinvestition von gut 1,75 Millionen Euro gestemmt werden. Eine Förderung ist beantragt; mit dem Bescheid rechnet Bürgermeister Hans-Peter Heikens im Frühjahr. Erst dann könne die konkrete Planung beginnen. Zudem soll die Wehr in Critzum ein neues Mittleres Löschfahrzeug (MLF) bekommen, 150.000 Euro stehen dafür als Ansatz bereit.
Der dickste Brocken aber ist die Kläranlage: Rund 1,36 Millionen Euro sind dafür im laufenden Haushalt vorgesehen. In der langfristigen Finanzplanung summieren sich die Kosten sogar auf gut 4,56 Millionen Euro. Dagegen wirkt selbst eine Anschaffung für die Gegenwart, ein Elektro-Bulli für den Bauhof als Ersatz für ein älteres Fahrzeug für 78.000 Euro, plötzlich erstaunlich klein.
Turnhalle und Sanierungen: Jemgum plant weit über 2026 hinaus
Und es bleibt nicht bei dem, was schon beschlossen ist. In der mittelfristigen Finanzplanung hat die Gemeinde den Neubau der Turnhalle Jemgum bereits fest im Blick: Für die Jahre 2027 bis 2029 ist eine Investition von rund 4,2 Millionen Euro vorgemerkt. Geplant ist eine gut 38 Meter lange und 34 Meter breite Einfeldhalle mit Tribünen. Entstehen soll sie auf der Grünfläche zwischen der Carl-Goerdeler-Schule und dem Bauhofbereich, ein Förderantrag ist bereits eingereicht. Ohne Zuschüsse und eine mögliche Beteiligung des Landkreises dürfte die Gemeinde diese Summe kaum schultern können.
Mit Investitionen allein ist es nicht getan – denn auch das Bestehende muss erhalten werden. Und davon lässt sich Jemgum trotz Fehlbetrag und hohem Schuldenstand nicht abhalten. „Die Erhaltung des kommunalen Vermögens ist nicht zum Nulltarif zu haben“, hatte Kämmerer Rainer Smidt bereits zum Beginn der Haushaltsberatungen betont. Für die Sanierung des Rad- und Fußwegs entlang der L 15 am südlichen Ortseingang werden rund 150.000 Euro veranschlagt. Weitere 20.000 Euro sind für die Sanierung der Straße Midlumer Wehrlandsweg und Nendorper Rechter Weg eingeplant. 30.000 Euro kostet die Sanierung des Flachdachs des ehemaligen Schützenhauses, weitere 20.000 Euro werden für die öffentlichen Toiletten am Hafen in Ditzum fällig. Und auch der Ausbau des Dachbodens zum Werkraum der Grundschule Jemgum schlägt mit 65.000 Euro zu Buche. Jemgum hält damit Kurs: sparen müssen – und trotzdem handlungsfähig bleiben.