Berlin  „Ist es denn nie vorbei?“: Hotelmitarbeiter spricht erstmals über Gil Ofarim

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 10.02.2026 12:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! - Tag 13 Foto: RTL
Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! - Tag 13 Foto: RTL
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Jahrelang schwieg der Hotelmitarbeiter Markus W. zum Fall Gil Ofarim. Nun bricht er sein Schweigen und beschreibt, weshalb er Ofarims jüngste TV-Auftritte als Provokation empfindet.

Mehr als vier Jahre nach den Antisemitismus-Vorwürfen des Sängers Gil Ofarim hat sich der betroffene Hotelmitarbeiter Markus W. erstmals umfassend in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet. In einem Interview mit „Die Zeit“ äußerte sich der heute 37-Jährige zu den psychischen Belastungen der vergangenen Jahre und kritisierte das aktuelle Verhalten des Musikers scharf.

Der Fall, der im Oktober 2021 bundesweit für Entsetzen sorgte, endete erst Ende 2023 vor dem Landgericht Leipzig, nachdem Ofarim gestanden hatte, die Vorwürfe erfunden zu haben.

Gegenüber der Wochenzeitung schildert Markus W. zunächst, wie sich der Vorfalls im Leipziger Hotel „Westin“ aus seiner Perspektive zugetragen habe. Aufgrund technischer Probleme bei der Codierung von Zimmerkarten soll es zu längeren Wartezeiten gekommen sei. Als Gil Ofarim an der Reihe gewesen sei, habe dieser sich laut W. „sehr aufgebracht“ gezeigt, gepöbelt und gedroht, die Zustände im Hotel öffentlich zu machen. „Da habe ich ihm den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann“, erklärte der Hotelmitarbeiter. Kurze Zeit später veröffentlichte Ofarim ein Video auf Instagram, in dem er behauptete, er sei wegen einer Halskette mit Davidstern abgewiesen worden – eine Anschuldigung, die sich später als unwahr herausstellte.

Die Folgen für Markus W. waren laut seinen Schilderungen verheerend. Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Videos sei das Hotel in einen „Ausnahmezustand“ geraten; er selbst habe Morddrohungen erhalten und musste aus Sicherheitsgründen vorübergehend untertauchen. Aus Angst vor öffentlicher Beobachtung habe er sogar wichtige familiäre Ereignisse wie die Hochzeit seines Bruders und den 60. Geburtstag seiner Eltern gemieden.

Laut Markus W. habe er damals befürchtet, jedes Foto, das ihn lachend zeige, könne gegen ihn verwendet werden. „Beweisen Sie mal, dass etwas nicht stimmt. Dass Sie kein Antisemit sind. Wie macht man so etwas?“, beschreibt er die damalige Ohnmacht gegenüber den Vorwürfen.

Markus W. hatte die Presse lange gemieden. Anlass für das jetzige Interview sei laut dem Hotelmitarbeiter das aktuelle Auftreten von Gil Ofarim in der Öffentlichkeit, insbesondere nach dessen Teilnahme an der RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. W. zeigt sich „fassungslos“ darüber, dass der Sänger dort Zweifel an der Aufrichtigkeit seines damaligen Geständnisses und an der Korrektheit der Videoaufnahmen aus der Hotel-Lobby gesät habe. Markus W. empfinde Ofarims Verhalten als befremdlich: „Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich.“

Trotz der erlittenen Vorverurteilungen durch Prominente und Politiker zieht Markus W. auch positive Schlüsse aus der juristischen Aufarbeitung. So habe er eine Einladung der jüdischen Gemeinde in Leipzig in die Synagoge erhalten, wo er herzlich empfangen worden sei. Auch dass der Musiker Igor Levit sich persönlich bei ihm entschuldigt habe, rechne er diesem hoch an. Dennoch bleibt für W. ein bitterer Nachgeschmack hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung: Er sorge sich nun, dass die durch die Staatsanwaltschaft ermittelten Tatsachen durch Ofarims jüngste Andeutungen wieder infrage gestellt würden: „Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv, und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?“

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