Kiel  Zusammenhang zwischen Epstein-Files und Fall Maddie? Warum an der Theorie nichts dran ist

Eckard Gehm
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Von Eckard Gehm
| 10.02.2026 11:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell und ein Fahndungsfoto, mit dem die Familie der verschwundenen Madeleine McCann nach einer verdächtigen Frau sucht. Die Ähnlichkeit sorgt für Spekulationen im Internet. Foto: shz
Die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell und ein Fahndungsfoto, mit dem die Familie der verschwundenen Madeleine McCann nach einer verdächtigen Frau sucht. Die Ähnlichkeit sorgt für Spekulationen im Internet. Foto: shz
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Mit den neuen Epstein-Files bekommen alte Verschwörungstheorien neuen Auftrieb. Eine davon dreht sich um das Verschwinden von Madeleine McCann.

Ein Foto, das in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt Ghislaine Maxwell, Vertraute von Jeffrey Epstein. Daneben ist das Phantombild einer Frau zu sehen, nach der die Familie der verschwundenen Madeleine McCann noch immer sucht. Eine Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen.

Während Ermittlungsbehörden Christian B. (49) für den Hauptverdächtigen im Fall „Maddie“ halten, sorgt die Veröffentlichung der neuen Dokumente im Fall Jeffrey Epstein dafür, dass im Internet eine andere, längst widerlegte Theorie befeuert wird.

Die unbekannte Frau auf dem Phantombild soll am 7. Mai 2007, vier Tage nach dem Verschwinden des britischen Mädchens, eine seltsame und sehr verdächtige Äußerung gemacht haben. Demnach soll sie am Yachthafen Port Olímpic in Barcelona sichtlich nervös und aufgebracht einen Jogger angesprochen und gefragt haben: „Sind Sie hier, um das Mädchen abzuliefern?“

Die zufällige Begegnung ermittelten Privatdetektive der Familie McCann, die in Erwägung zog, Madeleine könnte von Portugal, wo sie verschwand, über den Seeweg nach Spanien oder gar Nordafrika gebracht worden sein.

Selbsternannte Internet-Fahnder erklären nun wieder, die Frau am Hafen sei Ghislaine Maxwell gewesen.

Sie ziehen außerdem ein weiteres Phantombild-Set aus den McCann-Akten heran, um John Podesta, ehemals Wahlkampfmanager von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, mit dem Verschwinden von Maddie in Verbindung zu bringen.

Podesta stand im Zentrum der bekanntesten Falschmeldung der US-Politgeschichte, „Pizzagate“ genannt, denn er soll im Keller einer Pizzeria in Washington D. C. einen Kindersexring betrieben haben. Einen Keller gab es in dem Restaurant nicht, und missbrauchte Kinder wurden dort nicht gefunden.

Allerdings ähnelt Podesta dem Phantombild eines Unbekannten, den die Londoner Metropolitan Police für den Entführer von Madeleine McCann hält. Von diesem Phantombild gibt es zwei Versionen, die zwar ein und denselben Verdächtigen zeigen sollen, was die Netzgemeinde aber geflissentlich ignoriert und das zweite Bild gerne Podestas Bruder zuordnet.

Die beiden Phantombilder waren nach Aussagen von Mitgliedern der Familie Smith aus Irland entstanden. Sie waren auf dem Weg in ihr Hotel, als sie am 3. Mai, dem Tag des Verschwindens von Madeleine, gegen 22 Uhr in einer engen Gasse einem Mann begegneten, der ein kleines schlafendes Mädchen mit blondem Haar in seinen Armen Richtung Strand trug.

Das zufällige Zusammentreffen ereignete sich nur 300 Meter vom „Ocean Club“ entfernt, wo Madeleines Familie damals Urlaub machte.

Die Behauptung, dass John Podesta Maddie in Portugal entführt haben könnte, ist jedoch längst widerlegt. Faktenchecker der Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press haben Reiseunterlagen und Terminkalender der Podesta-Brüder geprüft und keine Hinweise auf einen Aufenthalt in Europa im Mai 2007 gefunden.

Und bei Ghislaine Maxwell sind es ausgerechnet die veröffentlichten Unterlagen, inklusive Flugdaten und Terminkalender, die Maxwells Reisen über Jahrzehnte dokumentieren und eine Verbindung zum Fall „Maddie“ ausschließen: Für Mai 2007 gibt es keinen Eintrag, der auf eine Reise an die spanische Mittelmeerküste schließen lässt.

Warum kursieren die falschen Narrative wieder? Weil in den neuen Epstein-Akten bei Korrespondenz Codewörter für bestimmte Altersgruppen oder Handlungen genutzt worden sein könnten. Darunter zum Beispiel der Satz: „Popo-Kuchen klingt super, aber ich brauche Pizza.“

Das führte zu einer massiven Wiederbelebung der „Pizzagate“-Erzählung und der Maddie-Theorie. Insbesondere in Kreisen, die sich in Foren über eine globale Elite austauschen, die in Kinderhandel verwickelt sein soll. Sowohl Maxwell als auch Podesta sind für sie zentrale Feindbilder, das Verschwinden von Maddie ihr „Beweis“ für die Theorie eines weltweiten Pädophilenrings.

Dass sie aktiv nach Belegen suchen, zeigen die hier veröffentlichten Epstein-Akten. Dort taucht der Name Madeleine McCann in drei Dokumenten auf: in der Anfrage der Produktionsfirma, verantwortlich für die Netflix-Doku „Das Verschwinden von Madeleine McCann“, und in zwei Anschreiben an US-Behörden mit der Bitte zu ermitteln: einmal wegen eines „transatlantischen Pädophilennetzwerks“ der Elite und einmal wegen „amerikanischen Millionären, die mit Privatjets nach Portugal fliegen, um dort Kinder zu missbrauchen“.

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