Osnabrück Orangenschlacht, Stöckelschuhlauf und viel nackte Haut: So wird Karneval in der Welt gefeiert
In den Karnevalshochburgen Rio de Janeiro, Venedig und New Orleans prägen Musik, bunte Umzüge und traditionelle Gerichte das Fest. Lokale Bräuche wie die Orangenschlacht in Ivrea (Italien) oder das Schlittenfahren in Finnland sorgen für die jeweiligen Besonderheiten. Wie Karneval in anderen Ländern auf der Welt gefeiert wird und was es mit den Traditionen auf sich hat.
Traditionelle Orangenschlacht in Ivrea: In der kleinen Stadt Ivrea in der Metropole Turin im Piemont findet jedes Jahr der Carnevale di Ivrea statt. Der Höhepunkt der Festlichkeiten ist die Battaglia delle Arance, die traditionelle Orangenschlacht. Mehrere Teams bewerfen sich hierbei mit Apfelsinen, die gleich tonnenweise zum Einsatz kommen. Am Faschingsdienstag wird dann die Siegermannschaft geehrt. Da die Wurfgeschosse nicht ganz ungefährlich sind, schützen sich die Teilnehmer in der Regel mit Masken und Helmen.
Die Orangenschlacht soll an ein historisches Ereignis erinnern, bei dem sich die Bewohner des Ortes gegen die damaligen Machthaber auflehnten.
Rodeln für eine gute Ernte in Finnland: Eigentlich wird der Karneval in Finnland ja nicht so groß gefeiert, aber Laskiainen ist eine Ausnahme. Am Faschingsdienstag, der sich in Finnland Laskiainen nennt, wird nämlich traditionell gerodelt. Früher glaubte man im hohen Norden, dass die nächste Ernte durch das ausgiebige Schlittenfahren gleich viel üppiger ausfallen würde.
Heute denkt das zwar niemand mehr, aber Spaß macht das Rodeln ja immer noch. Außerdem vertreiben Eierpfannkuchen, Erbsensuppe und jede Menge Kaffee die Kälte. Besonders beliebt ist übrigens das spezielle Hefegebäck namens Laskiaispulla.
Wer zugucken möchte, sollte einmal im Park von Kaivopuisto in Helsinki (Ullanlinnanmäki) vorbei schauen, denn dort trifft sich am Nachmittag des Faschingdienstags immer eine Reihe von Schlittenfahrern, die die alte Tradition aufrecht erhalten.
Samba und reichlich nackte Haut in Rio de Janeiro: Eine der größten und bekanntesten Karnevalshochburgen der Welt ist Rio de Janeiro. Unterm Zuckerhut treffen sich jedes Jahr hunderttausende Brasilianer und Touristen aus der ganzen Welt zu einer großen bunten Party. Sambarythmen liegen in der Luft, aufwendige Kostüme und viel nackte Haut gibt es zu sehen. Im Mittelpunkt stehen die Sambaschulen, die in einen Wettbewerb um die beste Show treten.
Jedes Jahr wählen sie ein bestimmtes Thema, das sie dann mit Musik und Tanz gekonnt in Szene setzen. Eine Jury vergibt Punkte und wählt die beste Performance aus. Um genügend Platz für das große Showtanzen zu haben, wurde 1984 der Sambadrom gebaut, ein riesiges Stadion von 700 Metern Länge, das rund 90.000 Zuschauer fasst.
Von hier aus verbreitet sich die Party dann durch die ganze Stadt. Straßenumzüge und Bälle gibt es wie Sand am Meer und an jeder Ecke wird gefeiert.
Perlenkettenwerfen und viel Musik in New Orleans: In New Orleans im Bundesstaat Lousiana feiert man den Mardi Gras (französisch für Fetter Dienstag). Hier geht alles durcheinander und drunter und drüber: verschiedenste Musikrichtungen, Tänze und Verkleidungen.
Abends, wenn es dunkel wird, ziehen die Fackelträger durch New Orleans und verbreiten mit ihren Tänzen und Jonglagen eine ganz eigene, fast mystische Atmosphäre. Die traditionellen Farben des Mardi Gras sind Violet, Grün und Gold beziehungsweise Gelb und genau diese Farben finden sich dann auch in dem traditionellen Gebäckstück wieder, dem King Cake. Das sollte man auf jeden Fall einmal probiert haben.
Eine Besonderheit ist auch das Perlenkettenwerfen. Auf den Umzügen werden Millionen der kleinen Plastikketten geworfen, ganz so wie bei uns die Süßigkeiten. Aber auch Münzen, Scherzartikel, Spielzeug, ja sogar Kokosnüsse werden so unter das Karnevalistenvolk gebracht.
Ähnlich bunt wie in New Orleans geht es übrigens auch in Mobile, Alabama zu.
Katzenkönigin und Katzenkönig in Dänemark: In Dänemark nennt sich der Karneval Fastelavn, was übersetzt so viel wie Abend vor der Fastenzeit bedeutet. Der dänische Karneval wird zwar nicht so groß wie in Deutschland gefeiert, hat aber seine ganz eigenen Traditionen.
Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein vergnügten sich nur die Erwachsenen beim Fastelavn, heute verkleiden sich auch die Kinder und feiern mit. Die leckeren kleinen gefüllten Kuchenstückchen, die Fastelavnsboller heißen, lassen sich Jung und Alt gleichermaßen schmecken.
Eine dänische Besonderheit sind die Katzenkönigin und der Katzenkönig. Eine kleine Holztonne mit Süßigkeiten und einer Pappkatze oder auch nur mit einem Bild einer Katze darin wird an die Decke gehängt. Die Kinder müssen nun versuchen, die Tonne mit einer Stange so zu treffen, dass die Süßigkeiten und die Pappkatze heraus fallen.
Damit ist das Spiel aber noch nicht beendet. Auch der allerletzte Rest der Tonne muss abgeschlagen werden. Die Kinder, die das schaffen, werden Katzenkönigin und Katzenkönig und bekommen eine kleine Krone aufgesetzt. Die dänische Karnevalshochburg ist übrigens Aalborg.
Bunte Maskerade in Venedig: Der Karneval in Venedig ist für seine aufwendigen Maskeraden bekannt. Einige dieser Masken gehen auf die italienische Stehgreifkomödie Commedia dell‘arte zurück und haben ihren ganz eigenen Charme. Mit den typisch venezianischen Masken ausgestattet, flanieren Einheimische und auch Touristen prächtig kostümiert durch die ganze Stadt, vor allem aber natürlich um den Markusplatz herum. Mit Gondeln und Kanälen im Hintergrund gehören die maskierten Kostümträger in diesen Tagen zu den beliebtesten Fotomotiven Venedigs.
Mehrere Umzugsparaden, die unter anderem auf dem Wasser mit geschmückten Booten stattfinden, machen den venezianischen Karneval zu etwas ganz Besonderem. Tolle Partys gibt es natürlich in der ganzen Stadt. Dort zeigen auch Artisten auf zahlreichen Bühnen ihr Können. Hier und da kann es in den Gassen allerdings ganz schön eng werden. Aber auch das gehört zum Karneval in Venedig ganz einfach mit dazu.
Stöckelschuhlauf der Herren auf Teneriffa: In Puerto de la Cruz findet jedes Jahr auf der Kanareninsel Teneriffa der Stöckelschuhlauf (Mascarita Ponte Tacón) der Herren statt. Da die Männer dabei auch noch kostümiert antreten, ist das Ganze für Teilnehmer wie Zuschauer natürlich ein Riesenspaß.
Auf einem Parcours zwischen der Plaza de Europe und dem Hafen geht es dann im wahrsten Sinne des Wortes hoch her und abgebrochene Absätze sind an der Tagesordnung.
Brasilianische Schlammschlacht in Paraty: In der brasilianischen Küstenstadt Paraty kommen jedes Jahr etliche Karneval-Fans zusammen, um sich ausgiebig im Schlamm zu wälzen. Diese Tradition (Bloco da Lama genannt) ist noch gar nicht so besonders alt.
In den 1980er Jahren bewarfen sich einige junge Menschen gegenseitig mit Schlamm und liefen dann matschüberzogen durch die Stadt. Das Ganze hat nicht nur einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern offensichtlich auch so viel Spaß gemacht, dass in den kommenden Jahren immer mehr Menschen kamen und sich im Schlamm suhlten. Die meisten Teilnehmer tragen nur Badekleidung, manche verkleiden sich aber auch mit Masken und allerlei Zubehör.