Insolvenz  Was wird aus dem Wiesmoorer Biomasse-Kraftwerk?

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 06.02.2026 14:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Wiesmoorer Biomasse-Kraftwerk im Gewerbegebiet Ilexstraße ist nicht mehr zu retten – die Motoren sind bereits verstummt. Foto: Nicole Böning
Das Wiesmoorer Biomasse-Kraftwerk im Gewerbegebiet Ilexstraße ist nicht mehr zu retten – die Motoren sind bereits verstummt. Foto: Nicole Böning
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Die Suche nach einem Investor blieb erfolglos: Das Biomasse-Kraftwerk im Süden von Wiesmoor wurde zum Jahreswechsel heruntergefahren – was wird jetzt aus der Anlage?

Wiesmoor - Es gibt keine Rettung für das Biomasse-Kraftwerk im Süden von Wiesmoor: Die Anlage der insolventen Betreibergesellschaft WBE – Wiesmoorer Bioenergie GmbH ist zum Jahreswechsel 2025/26 geordnet heruntergefahren worden. Ein Investor für die Übernahme und Fortführung des Kraftwerks wurde nach Angaben von Insolvenzverwalter Dr. Christian Kaufmann (Bremen) trotz intensiver Suche nicht gefunden. Den zuletzt drei Mitarbeitern am Standort wurde nach Angaben Kaufmanns gekündigt.

Wärmetauscher hinter dem Biomasse-Kraftwerk der WBE – Wiesmoorer Bioenergie GmbH an der Ilexstraße. Foto: Nicole Böning/Archiv
Wärmetauscher hinter dem Biomasse-Kraftwerk der WBE – Wiesmoorer Bioenergie GmbH an der Ilexstraße. Foto: Nicole Böning/Archiv

Damit platzt vorerst auch die Hoffnung auf mehr „grüne“ Fernwärme aus der Abwärme des Kraftwerks. Wie viele Wärmekunden zuletzt noch angeschlossen waren und wie die Versorgung seit dem Herunterfahren geregelt ist, blieb am Donnerstag, 5. Februar 2026, auf Anfrage zunächst offen. Das Amtsgericht Aurich hat das Insolvenzverfahren über die WBE zum 1. Januar 2026 eröffnet. Gläubiger haben nach dem gerichtlichen Beschluss noch bis zum 10. Februar 2026 Zeit, ihre Forderungen anzumelden. Als Stichtag für den Bericht- und Prüfungstermin im schriftlichen Verfahren ist der 10. März 2026 festgesetzt.

Warum das Geschäftsmodell wackelte

Schon vor der Insolvenz stand das Geschäftsmodell unter Druck: Das Kraftwerk erzeugt neben Strom vor allem Wärme, doch nach Angaben des damals noch vorläufigen Insolvenzverwalters fehlte es an ausreichend Abnehmern für die Abwärme. Versorgt wurden vor allem umliegende Gartenbaubetriebe, ein Großteil der Wärme blieb jedoch ungenutzt. Zugleich stiegen nach Angaben der Insolvenzverwaltung die Kosten für den Brennstoff, während die Umsätze zurückgingen – am Ende reichte das nicht mehr für einen wirtschaftlichen Betrieb.

In Wiesmoor hatte die Stadt deshalb schon länger versucht, das Wärmenetz auszubauen und die bislang ungenutzte Abwärme besser zu vermarkten. Geplant war unter anderem, das neue Gewerbegebiet D11 an der Oldenburger Straße als „Grünen Gewerbecampus“ zu entwickeln – mit Fernwärme aus dem Biomasse-Kraftwerk, perspektivisch auch für öffentliche Gebäude wie Rathaus, Schulen oder das Hallenbad. Eine Machbarkeitsstudie der Stadtwerke Bremen kam dabei zu dem Ergebnis, dass ein Ausbau grundsätzlich möglich wäre. Als die Stadt das Projekt europaweit ausschreiben ließ, wurden die Angebote nach früheren Angaben aus dem Rathaus jedoch so teuer, dass die Ausschreibung zurückgezogen und das Vorhaben gestoppt wurde.

Verwertung läuft – was wird aus der Anlage?

Weil die Investorensuche erfolglos blieb, hat der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben bereits mit den „Verwertungsmaßnahmen“ begonnen. Was konkret mit den Anlagen und dem Gebäude an der Ilexstraße passiert, ist bisher nicht bekannt. Hinter der WBE steht die Koehler Renewable Energy, eine Tochter der Koehler‑Gruppe mit Sitz in Oberkirch (Baden‑Württemberg). Der Konzern ist international tätig und engagiert sich neben der Papierherstellung auch im Bereich der erneuerbaren Energien. Dass die Betreibergesellschaft in Wiesmoor trotzdem insolvent wurde, erklärt die Insolvenzverwaltung mit den wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort.

Das Biomasse-Kraftwerk ist nach früheren Angaben seit 2012 in Betrieb. Als Brennstoff dienen vor allem Hackschnitzel, Holzreste und Schreddermaterial aus der Landschaftspflege. Nach Unternehmensangaben erzeugte die Anlage zuletzt rund 17.500 Megawattstunden Strom pro Jahr sowie 18.000 bis 24.000 Megawattstunden Wärme, die vor allem an umliegende Gartenbaubetriebe geliefert wurde.

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