Salz schlimm? Lack-Experte aus Leer – so geht’s heil durch den Winter
Derzeit sind viele Autos überzogen von einer Schicht aus Dreck und Streusalz. Wie schädlich ist das für den Lack? Wäscht man bei Minusgraden? Werkstattleiter Dennis Eilers aus Leer gibt Antworten.
Leer - Derzeit sind viele Autos mit einer Schicht aus Dreck und Salz überzogen. Grundsätzlich muss man nicht panisch werden, wenn das der Fall ist, sagt Dennis Eilers, Werkstattleiter bei der Lackiererei Eilers. „Grundsätzlich macht das dem Lack anfangs nicht viel aus“, sagt er. Wenn es wochenlang der Fall sei und immer wieder Feuchtigkeit hinzukomme, sehe es langsam anders aus.
Frost und Salz: Also bei Minusgraden doch in die Waschanlage?
Jein. „Am besten wartet man auf Plusgrade“, sagt Eilers. Wenn es doch ein sehr kalter Tag sein solle, sei es sehr wichtig, mit einem saugfähigen Tuch dafür zu sorgen, dass das Auto wirklich trocken ist – auch in Rillen und Fugen. „Die Türgummis sollte man fetten, damit sie nicht zufrieren“
Wichtig, damit es dem Lack gut ergeht: „Man sollte sich dann ein Heißwachs-Programm gönnen“, sagt Eilers. Bildlich gesprochen könne man sich Lack nämlich vorstellen so ähnlich vorstellen wie Fischschuppen: „Es gibt also Öffnungen dort, wo die Schuppen aneinander liegen. Da lassen sich Ablagerungen wie Salz oder Dreck nieder“, sagt er. Mit Wachs versiegele man diese Stellen.
Wichtiger als der Lack: Was sollte man beim Waschen im Winter beachten?
„Ein gut gepflegter Lack ist nicht nur für die Optik des Autos wichtig, sondern auch für seinen Werterhalt und den Preis beim Verkauf. Er schützt es außerdem vor Umwelteinflüssen. Ist er angegriffen, können Feuchtigkeit und Verschmutzungen das Metall darunter zum Rosten bringen“, schreibt der ADAC. Das unterstreicht auch Eilers. Der Lack selbst sei nicht so empfindlich wie andere Teile des Autos: „Im Winter in Anbetracht der Verschmutzungen mit Streusalz und Co. sollte man unbedingt an die Unterbodenwäsche denken“, sagt er. Die Metallteile – unter anderem die Bremsen – würden bei den winterlichen Verhältnissen angegriffen und könnten korrodieren. „Salz bindet Feuchtigkeit“, erklärt er.
Feind des Lacks: Streusalz ist bei weitem nicht das größte Problem?
Streusalz ist dabei gar nicht mal das größte Problem, wenn es um Autolack geht. Während man sich bei der Entfernung des Winterdrecks ein bisschen Zeit lassen kann, sollte man bei einer anderen Verschmutzung schnell sein: bei Vogelkot. „Es kommt auf den Vogel an, aber generell gilt, dass man das schleunigst entfernen sollte“, sagt der Werkstattleiter. Schleunigst heißt in diesem Fall am besten am selben Tag. „Wenn die Sonne scheint, hat so ein Fleck innerhalb von Tagen den Lack zerfressen“, sagt er. Das liege unter anderem daran, dass moderne Lacksorten einen hohen Feststoffanteil hätten. „Es kommt drauf an, wie tief der Schaden geht. Der Klarlack wird schnell zersetzt. In vielen Fällen bleibt dann tatsächlich nur ein neuer Lackaufbau“, sagt er.
Reagieren sollte man also schnell. „Aber nicht reiben“, warnt er. Das sorge für Schrammen. „Man kann am besten ein Küchenkrepp nehmen, es mit Wasser durchnässen und dann so zehn Minuten auf den Fleck legen. Dann sollte man es so abwischen können.“
Baumharz beispielsweise solle man ebenso mit einem nassen Tuch einweichen, am besten mit heißem Wasser und ein bisschen Spülmittel. „Damit sollten sich die meisten heimischen Harzarten ablösen lassen.“
Zurück zum Winter: Hat der Autoexperte einen Tipp für freie Windschutzscheiben?
„Ganz oldschool würde ich raten, die Scheibe abzudecken“, sagt Eilers. Heißes Wasser dürfe man auf keinen Fall auf die vereiste Windschutzscheibe kippen. „Der Temperaturunterschied führt zu Spannungen im Glas. Das kann Risse geben“, sagt er. „Kaltes Wasser – also direkt aus dem Hahn – ist aber eine Möglichkeit.“ Ein Allheilmittel gebe es nicht.
Wie verhalte ich mich mit dem Auto richtig?
Mit dem Auto im Winter unterwegs zu sein, kann nicht nur den Lack strapazieren, sondern auch die Nerven. Es ist mehr Aufmerksamkeit gefragt. Der ADAC hat Tipps fürs Fahren im Winter zusammengestellt.
- Winter- oder Ganzjahresreifen aufziehen: „Für einen sicheren Betrieb sollten diese Reifen mindestens über eine Profiltiefe von vier Millimetern verfügen.“
- Geschwindigkeit anpassen und genügend Abstand zum Vordermann halten, warnt der ADAC.
Räumen und Streuen musste teilweise im Akkord passieren. Foto: Klaus Ortgies - Niedertouriges Fahren im hohen Gang erleichtert das Weiterkommen auf glatten Straßen – die Reifen bauen besseren Grip auf.
- Gelegentlich solle man laut ADAC eine kurze Bremsprobe auf freier Strecke machen, wenn keine Gefahr für andere besteht.
- Keine ruckartigen Lenkbewegungen, warnt der Autoclub. „Kommt das Fahrzeug auf gerader Strecke trotzdem ins Schleudern, auskuppeln, bremsen und schnell, aber gefühlvoll in die gewünschte Fahrtrichtung lenken.“ ESP helfe beim Stabilisieren des Autos. Reagiere das Fahrzeug nicht mehr, helfe nur eine Vollbremsung.
- Automatikautos sollten bei winterlichen Bedingungen nicht mit Sporteinstellung gefahren werden, schreibt der ADAC. Sie führe zum Beispiel zu einem höheren Ausfahren der Gänge, und das ist auf Glätte nicht hilfreich.
- Gerate das Auto in der Kurve aus der Bahn, keine hektischen Manöver versuchen, sondern fest und nachhaltig aufs Bremspedal treten, rät der ADAC. „Dabei versuchen, am Steuer locker zu bleiben und nur sanft korrigieren. Meist reichten wenige Stundenkilometer Tempoabbau aus, und das Auto sei wieder kontrollierbar.“
- Vorsicht bei schwankenden Temperaturen um den Gefrierpunkt: „Jetzt kann sich die Fahrbahnoberfläche ständig verändern“, heißt es weiter.
- Sei die Fahrbahn mit Eis überzogen, etwa nach Eisregen, helfe nur eins: „Auto stehen lassen, Straßendienst abwarten. Die Haftung zwischen Reifen und Straße ist gleich null.“