Kreißsaal-Schließung Mehr Hausgeburten in Emden?
Hausgeburten sind eher die Ausnahme. Seitdem es in Emden keinen Kreißsaal mehr gibt, zieht die Zahl jedoch an. Ein Kind kam im Rettungswagen zur Welt.
Emden - Der Geburtsort „Emden“ taucht inzwischen nur noch selten in Geburtsurkunden von Neugeborenen auf. Der Grund: Seit Ende März 2021 gibt es in der Stadt keinen Kreißsaal mehr. Wer in Emden lebt und ein Kind bekommt, bringt es in der Regel in einer Klinik außerhalb der Stadt zur Welt. Fünf Kinder, die im Jahr 2025 geboren wurden, finden „Emden“ dennoch als Geburtsort in ihren Unterlagen – sie kamen bei Hausgeburten auf die Welt. Das zeigen die Zahlen des Standesamtes Emden aus der Statistik des zurückliegenden Jahres.
So bleiben Hausgeburten inzwischen die einzige Möglichkeit, dass Kinder tatsächlich als in Emden geboren gelten. Die Zahl ist weiterhin gering, zeigt seit der Schließung des Emder Kreißsaals jedoch eine leichte Steigerung. Während im Jahr der Schließung lediglich eine Hausgeburt beurkundet wurde, waren es 2022 vier. In den Jahren 2023 und 2024 registrierte das Standesamt jeweils drei Hausgeburten, im Jahr 2025 nun fünf – eine davon gar im Rettungswagen.
Zahl der Hausgeburten über dem Niveau vor 2021
Bei den Hausgeburten im vergangenen Jahr handelt es sich ausschließlich um Kinder von Emderinnen und Emdern. Auswärtige Geburten, wie sie im Jahr der Klinikschließung noch erfasst wurden, spielen inzwischen keine Rolle für Emden mehr. Die Zahlen schwanken, bewegen sich insgesamt aber über dem Niveau von 2021. In den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 registrierte das Standesamt Emden nur eine Geburt im Rettungswagen beziehungsweise eine Hausgeburt. 2019 hatte in Emden keine Frau zu Hause entbunden.
Die Geburtsstation im Emder Krankenhaus war Ende März 2021 trotz heftiger Proteste endgültig geschlossen worden. Frauen aus Emden müssen seitdem in Kliniken in Aurich, Leer oder außerhalb Ostfrieslands nach Wilhelmshaven, Westerstede oder Oldenburg fahren, um ihr Kind auf die Welt zu bringen. Im Jahr vor der Schließung waren im Emder Klinikum noch 413 Babys zur Welt gekommen, 2019 waren es 616.
Was macht Emderinnen und Emder wirklich aus?
Die Entscheidung der gemeinsamen Trägergesellschaft der Kliniken in Aurich, Emden und Norden, die Geburtshilfe in der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich zu konzentrieren, hatte in Emden seinerzeit eine emotionale Debatte ausgelöst. Gegner der Schließung hatten auch damit argumentiert, dass Emden als Geburtsort nicht mehr in der Geburtsurkunde und anderen Personalpapieren auftaucht.
Andere wiederum sind der Meinung, dass es nicht darauf ankomme, was in den Papieren steht, sondern vielmehr, wo man lebt. Emderin oder Emder werde man „nicht durch das, was im Personalausweis steht, sondern dadurch, dass man in Emden ‚sozialisiert‘ wird, dass man die Geschichte kenne, sich mit der Stadt identifiziert, hier lebt, ein Heimatgefühl hat und die Stadt liebt“, sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff damals zu dieser Thematik in einem Interview mit dieser Zeitung.
Zahlen liefern keine Rückschlüsse auf Trend nach Hausgeburten
Auch wenn die Zahl leicht gestiegen ist, bleiben Hausgeburten auch in Emden eine besondere und seltene Form der Geburt, die nicht immer geplant ist. Die Statistik allein erlaubt deshalb keine Rückschlüsse darauf, aus welchen Gründen sich Frauen für eine Hausgeburt entscheiden oder ob sich die Nachfrage danach in den vergangenen Jahren überhaupt verändert hat.
Im Gesamtbild der Emder Statistik spielen Geburten aufgrund der geschlossenen Geburtsstation inzwischen nur noch eine sehr geringe Rolle. Im Jahr 2025 wurden beim Standesamt insgesamt 938 Sterbefälle beurkundet, davon 557 von Emderinnen und Emdern und 381 von Auswärtigen. Damit ist die Zahl auf Vorjahresniveau (936). 208 Eheschließungen wurden im Jahr 2025 in Emden registriert, etwas weniger als im Vorjahr (220). Gleichzeitig traten 437 Menschen aus der Kirche aus. Zwar liegt diese Zahl unter den Werten des Vorjahres (462), sie bleibt jedoch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Am Stichtag 31. Dezember 2025 lebten 52.364 Menschen in Emden.