Washington  „Pizzagate“ kehrt zurück: Was hat die Verschwörungstheorie mit den Epstein-Files zu tun?

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 05.02.2026 12:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach der Veröffentlichungen weiterer Epstein-Files nimmt die Debatte um „Pizzagate“ nun wieder Fahrt auf. Foto: dpa/AP/Jon Elswick
Nach der Veröffentlichungen weiterer Epstein-Files nimmt die Debatte um „Pizzagate“ nun wieder Fahrt auf. Foto: dpa/AP/Jon Elswick
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„Pizzagate“ trendet wieder: Die Falschmeldung über einen Kindersexring im Umfeld von Hillary Clinton beschäftigt erneut die sozialen Netzwerke. Warum die neuen Epstein-Files der Verschwörungstheorie heute neuen Auftrieb geben.

Die Veröffentlichung neuer Dokumente im Fall Jeffrey Epstein am vergangenen Freitag hat eine der bekanntesten Falschmeldungen der US-Politgeschichte erneut in den Fokus gerückt. Die Verschwörungstheorie „Pizzagate“ machte erstmals während der US-Präsidentschaftswahl 2016 die Runde. Angeblich betreibe eine Gruppe um John Podesta, Wahlkampfmanager von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, unter der Pizzeria „Comet Ping Pong“ in Washington D. C. einen Kindersexring, so die Erzählung.

Ein bewaffneter Mann stürmte 2016 schließlich die besagte Pizzeria, um die dort angeblich festgehaltenen Kinder zu befreien. Einziges Problem: Weder fand er dort gefangengehaltene Kinder, noch hatte die Pizzeria überhaupt einen Keller. Dennoch scheinen immer noch viele Menschen von der Theorie überzeugt. Aber wer und was genau steckt dahinter? Und wie konnte sich die Falschmeldung so schnell verbreiten?

Die Wurzeln der Erzählung liegen in den im November 2016 von Wikileaks veröffentlichten E-Mails von Clintons Wahlkampfmanager Podesta. Nutzer auf Internetplattformen wie 4chan glaubten, in den Mails verschiedene Codes entdeckt zu haben. So soll „pizza“ zum Beispiel für Mädchen gestanden haben, „pasta“ für kleine Jungs und „sauce“ für Orgie.

Im Zentrum der Vorwürfe stand auch James Alefantis, Inhaber der Pizzeria „Comet Ping Pong“ und Unterstützer der Demokraten. Obwohl Alefantis laut eigener Aussage gegenüber der BBC Clinton nie persönlich getroffen hat, wurde er zur Zielscheibe. Die Nutzer durchsuchten seinen Feed nach Bildern von Kindern und moderner Kunst, um einen Pädophilenring zu konstruieren.

Die Bemühungen verschiedener US-amerikanischer Medien wie der New York Times und der Washington Post, die Affäre als Verschwörungstheorie zu entlarven und die vermeintlichen Beweise zu entkräften, halfen nicht – „Pizzagate“ nahm seinen Lauf.

Das Überdauern der Theorie erklären Experten unter anderem mit realen Skandalen, die als Vergleichspunkte herangezogen werden. So wird in den Kreisen der Anhänger darauf verwiesen, dass sowohl Bill Clinton als auch Donald Trump Kontakte zu Jeffrey Epstein pflegten.

Maßnahmen von Plattformen, wie das Löschen von Threads auf Reddit, wurden von der Community zudem oft als Beweis für eine angebliche Vertuschung interpretiert.

In den nun veröffentlichen sogenannten Epstein-Files finden sich diverse Fotos, Konversationen und Aussageprotokolle, die Parallelen zu den Pizzagate-Erzählungen aufweisen: etliche Kinder und Jugendliche, die als Sexsklaven angeboten werden, Beschreibungen von Folter, Mord und ausgeweidete Babys. Die Akten des Justizministeriums enthüllen einige grausame Praktiken, deren Wahrheitsgehalt weiter nicht festgestellt ist. Auffällig sind in den Unterlagen mehrere Codewörter: „pizza“, „chinese cookie“, „hotdog“, „steaks“ – viele E-Mails ergeben nur Sinn, wenn diese Worte eigentlich für etwas anderes stehen. Da Epstein ein verurteilter Pädokrimineller ist, liegt die Codierung Lebensmittel für Menschen nahe – genau wie es bei „Pizzagate“ vor zehn Jahren behauptet worden war. Die Epstein-Akten hat das US-Justizministerium hier durchsuchbar veröffentlicht.

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