CCS-Technologie Schutzgemeinschaft warnt vor CO₂-Speicherung in der Nordsee
In der Nordsee kann künftig klimaschädliches Kohlendioxid gespeichert werden. Der Bundestag hat die rechtlichen Voraussetzungen für die CCS-Technologie geschaffen.
Nordsee - Die geplante CO₂-Speicherung auf See macht die Nordsee „zum Versuchsfeld für ein nicht seriös abschätzbares Risiko, das im Schadensfall nicht mehr rückholbar ist“: Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) hat erneut vor der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage/Kohlenstoffabscheidung und -speicherung) gewarnt.
Stattdessen fordert der Umweltverband, der sich als Sprachrohr der Städte und Gemeinden an der Küste versteht, den Ausstieg aus der CO₂-Produktion.
Ab sofort ist die CO2-Speicherung gesetzlich geregelt
Hintergrund ist, dass der Deutsche Bundestag am 29. Januar 2026 den Weg für die großflächige Speicherung von Kohlendioxid im Meeresboden der Nordsee frei gemacht hat. Mit der Änderung des Kohlenstoffspeichergesetzes ist die dauerhafte Speicherung von CO₂ in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und dem Festlandsockel nun unter Auflagen erlaubt. Zudem wurde mit der Änderung am Hohe-See-Einbringungsgesetz der Export von Kohlendioxid zur Speicherung in anderen Ländern möglich gemacht.
Warum überhaupt CO2-Speicherung im Meer?
Um die Klimaziele zu erreichen und die Erderwärmung zu bremsen, müssten nach aktuellen Berechnungen bis zum Jahr 2100 zwischen 350 und 780 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen werden. Carbon Capture and Storage (CCS) wurde entwickelt, um das an großen Quellen wie in der Zement- und Kalkindustrie und der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken frei werdende Kohlendioxid abzufangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Um das klimaschädliche Gas zu neutralisieren, wird es dauerhaft gespeichert – unter anderem tief im Untergrund in Gesteinsformationen. Unter der Nordsee existieren Gesteinsformationen, in denen sich vermutlich große Mengen Kohlendioxid speichern ließen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verpresst Norwegen bereits große Mengen Kohlendioxid im Meeresgrund der Nordsee. Auch in den Niederlanden, in Dänemark und Großbritannien sind kommerzielle Projekte zur CO2-Speicherung in der Nordsee in Planung. Wie und wo das geschehen kann, erforscht seit mehreren Jahren die Forschungsmission CDRmare der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) unter dem Titel „Marine Kohlenstoffspeicher als Weg zur Dekarbonisierung“. Der Allianz gehört unter anderen das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an.
Wie funktioniert die CO2-Speicherung im Meer?
Für die Speicherung im tiefen Meeresuntergrund wird flüssiges Kohlendioxid via Schiff oder durch eine Pipeline in das Meeresgebiet transportiert und durch eine oder mehrere Bohrungen in tiefliegende poröse Sandsteinformationen gepresst. Dort breitet sich das Kohlendioxid in den Poren aus. Mit der Zeit löst sich das Kohlendioxid im Formationswasser, also dem Wasser in den Gesteinsporen. Dabei reagiert das CO2 mit Mineralen, die im umliegenden Sandstein enthalten sind. So bilden sich Minerale (Karbonate), in denen das Kohlendioxid auf Dauer fest gebunden ist. Bis dahin können jedoch einige Jahrtausende vergehen, erklären die Forscher von CDRmare.
Die deutsche AWZ in der Nordsee ist weitgehend mit dem sogenannten deutschen Festlandsockel identisch. Den Festlandsockel bildet der seewärts der 12-Seemeilen-Zone gelegene Meeresboden und Meeresuntergrund der Unterwassergebiete bis zu einer Ausdehnung von maximal 200 Seemeilen. Die 12-Seemeilen-Zone heißt auch Küstenmeer – es ist deutsches Hoheitsgebiet und unterliegt der Zuständigkeit des jeweils angrenzenden Bundeslandes.
SDN warnt vor unbekannten Risiken
„CCS wird als Ewigkeitstechnologie propagiert, obwohl sie aufgrund ihrer schlechten Energie- und Umweltbilanz nur dann einen Nutzen hätte, wenn sie über Generationen hinweg sicher funktioniert“, so der 2. SDN-Vorsitzende Ulrich Birstein. Die Schutzgemeinschaft hatte im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens gefordert, dass zunächst in einem Versuchsfeld über zehn Jahre mögliche Folgen der CO₂-Verpressung im Untergrund der Nordsee erforscht werden sollten. „Gerade bei der CO₂-Speicherung auf See gibt es derzeit noch viele unbekannte Risiken, die leider wieder im laufenden Betrieb abgearbeitet werden sollen“, so die SDN.