Hüde Geschwärzte Zähne, operierte Taillen und verlängerte Hälse: Kuriose Schönheitsideale weltweit
Attraktivität spielt bei der Partnerwahl eine nicht zu unterschätzende Rolle. Aber was gilt in verschiedenen Erdteilen eigentlich als schön? Eine Reise durch die Welt der Ästhetik – von extravagant bis schmerzhaft.
Wespentaille (westliche Welt): Mit der Sanduhr-Figur à la Kim Kardashian feiert die Wespentaille ein fulminantes Comeback. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie aus der Mode gekommen, nachdem Mediziner auf Rippendeformationen und Organschädigungen aufmerksam gemacht hatten. Doch während damals viele Jahre benötigt wurden, um die Taille mittels Korsett in die gewünschte Form zu bringen, geht das heute sehr viel schneller, nämlich mit einer Operation.
Reality-TV-Star Sophia Vegas ließ sich 2017 die unteren beiden Rippenpaare entfernen und schaffte es so nach eigenen Angaben auf 36 Zentimeter. Die Schwedin Pixee Fox verzichtete für ihre 40-Zentimeter-Taille sogar auf sechs ihrer Rippen. Ärzte warnen allerdings vor derartigen Schönheitseingriffen, denn die Rippen erfüllen unter anderem eine wichtige Schutzfunktion für die inneren Organe.
Aus diesem Grund erfreut sich das sogenannte Rib-Remodeling immer größerer Beliebtheit, eine Rippenumformungs-OP, bei der die unteren Rippen nicht komplett entfernt, sondern neu positioniert werden.
Langer Hals (Myanmar): Die von Touristen als „Giraffenhalsfrauen“ bezeichneten Kayan (Padaung) aus Myanmar sind für ihre auffälligen Halsspiralen bekannt. Allerdings sind es keineswegs die Halswirbel oder die dazwischen befindlichen Gallertmassen, die durch die Spiralen gedehnt werden.
Die Röntgenbilder des amerikanischen Arztes Dr. John M. Keshishian brachten an den Tag, dass die bis zu zehn Kilogramm schweren Messingspiralen durch ihr schieres Gewicht den Schultergürtel mitsamt Schlüsselbeinen und oberen Rippen keilförmig nach unten verformen, sodass der Eindruck eines verlängerten Halses entsteht. Mädchen bekommen ihre erste Metallspirale bereits im Alter von fünf Jahren umgelegt.
Von Zeit zu Zeit wird sie abgenommen und durch eine größere ersetzt, die bei erwachsenen Frauen 25 Windungen und eine Höhe von 30 Zentimetern und mehr erreichen kann. Dabei handelt es sich übrigens tatsächlich um durchgängige Spiralen, die in einem aufwendigen Prozess individuell angepasst werden, und nicht etwa nur um einzelne Ringe.
Schwarze Zähne (Japan): Die Farbe Schwarz steht in Japan traditionellerweise unter anderem für Loyalität, Ergebenheit und Treue. Knochenfunde deuten darauf hin, dass bereits in der Kofun-Zeit (300–538) sogar die Zähne schwarz gefärbt wurden. Die erste schriftliche Erwähnung des sogenannten Ohaguro (dt. „Zähneschwärzen“) findet sich im 11. Jahrhundert.
Der Hofadel, aber auch die Samurai-Krieger färbten sich ihre Zähne jahrhundertelang mit einer Kanemizu (dt. „Metallwasser“) genannten Lösung, die vor allem aus Eisenacetat bestand. In der Heian-Zeit (794–1192) verbreitete sich der Brauch in weiten Kreisen der Gesellschaft und so färbten sich auch junge Bräute und Geishas ihre Zähne schwarz.
1870 wurde das Ohaguro zumindest für Männer verboten. 1873 zeigte sich Shoken, Gattin des Kaisers Mutsuhito, erstmals mit weißen Zähnen in der Öffentlichkeit, was damals einen Skandal auslöste. Japan war nicht das einzige Land, in dem die Zähne geschwärzt wurden. Auch auf den Philippinen, in Thailand, Laos oder Vietnam hat die Praxis eine Tradition.
Tätowierungen (international): Tätowierungen haben in vielen Ländern auf der Welt eine lange Tradition. Zu den ältesten Funden zählen die rund 5300 Jahre alte Gletschermumie Ötzi sowie Mumien aus Gebelein in Oberägypten, die noch älter sind.
Während Ötzis geometrische Formen auch zur Schmerztherapie gedient haben könnten, wie Forschende vermuten, so zeigt eine der ägyptischen Mumien eindeutig Tiermotive, und zwar einen wilden Stier sowie ein Mähnenschaf. Aber auch Skythen und Kelten waren bereits tätowiert. Asiatische Länder können ebenfalls auf eine lange Tradition zurückblicken, ebenso unter anderem die Maoris auf Neuseeland.
Dabei wurden Tätowierungen nicht nur als reiner Schmuck angesehen, vielmehr erfüllten sie oft auch rituelle Funktionen und signalisierten Zugehörigkeiten. Mithilfe von Tätowierungen ließen sich Menschen aber auch kennzeichnen und brandmarken, wie etwa Diebe oder Deserteure. In der westlichen Welt hatten Tätowierte dann auch einige Zeit lang das Stigma des Sträflings bzw. das Image eines Seefahrers.
Lotusfüße (China): Yu Hai, chinesischer Historiker des 17. Jahrhunderts, hat die Tänzerin Yeo Niang als Trendsetterin der sogenannten Lotusfüße ausfindig gemacht. Die Geliebte Li Houzhus (937–978), des letzten Herrschers des Tang-Reiches, soll demnach die erste gewesen sein, die mit dem Einbinden der Füße begonnen hat.
Das Ziel wurde im Laufe der Zeit der sogenannte Goldene Lotus, was einer Fußlänge von elf Zentimetern entsprach, die aber nur von wenigen erreicht wurde. Dazu hat man den Mädchen schon in jungen Jahren die Füße mitsamt Zehen gebrochen und letztere dann unter die Fußsohle gebunden. Lediglich der große Zeh blieb verschont, um die angestrebte Form gewährleisten zu können.
Der überaus schmerzhafte Brauch, der ausgehend von der Oberschicht nach und nach auch in anderen Bevölkerungskreisen um sich griff, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts ernsthaft infrage gestellt und dann wiederholt verboten. Die letzte Fabrik, die Schuhe für derartige Lotusfüße herstellte, wurde 1999 geschlossen.
Ziernarben (Afrika): Ziernarben sind oft bei denjenigen Menschen verbreitet, die so dunkle Haut haben, dass Tätowierungen schlecht zu erkennen sind. Vor allem Indigene in Afrika, aber auch Bewohner der Philippinen und Papua-Neuguineas tragen traditionellerweise künstlich hinzugefügte Narben. In neuerer Zeit hat sich die Praxis der Skarifizierung aber auch in anderen Ländern und Kulturen verbreitet.
Die künstlichen Narben können dem Körper auf unterschiedliche Weisen zugefügt werden. Während heute meist mit einem Skalpell gearbeitet wird, wurde die Haut früher oft eingeritzt oder eingeschnitten und die Wundheilung daraufhin mehrfach behindert, sodass sich sichtbare Narben entwickeln konnten.
Eine andere Methode ist das Branding, also das künstliche Hinzufügen von Brandnarben. Skarifizierungen können ebenso wie Tätowierungen der Initiation dienen, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe aufzeigen, rituellen beziehungsweise spirituellen Charakter haben oder aber lediglich als Schmuck verwendet werden.