Postbetrug?  WhatsApp-Foto sorgt in Hinte für Unruhe

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 30.01.2026 09:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Augen auf beim Entleeren des Briefkastens: Die Polizei warnt vor falschen Abholscheinen der DHL, die zum Datenklau genutzt werden könnten. Auch in Hinte wird gewarnt. Symbolbild: Wolf von Dewitz/dpa
Augen auf beim Entleeren des Briefkastens: Die Polizei warnt vor falschen Abholscheinen der DHL, die zum Datenklau genutzt werden könnten. Auch in Hinte wird gewarnt. Symbolbild: Wolf von Dewitz/dpa
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Die Polizei warnt vor einer neuen Betrugsmasche: Falsche Flyer in Briefkästen werden zum Datenklau genutzt. Auch in Hinte warnen sich die Anwohner gegenseitig mit einem Foto. Ist am Betrug was dran?

Hinte - Täuschend echt sehen sie aus, die falschen Zettel der DHL, die seit Ende 2025 in so manchen deutschen Briefkästen auftauchten. Man solle einfach nur den QR-Code mit dem Handy einscannen, um an sein verpasstes Paket zu kommen, heißt es dort.

Das Problem: Der Code führt nicht zur offiziellen DHL-Internetseite. Statt auf die echte Seite zu führen, lotsen die Betrüger Nutzer auf eine täuschend echt gestaltete Fälschung. Dort werden sie aufgefordert, persönliche Daten wie Name und Adresse – teils sogar Zahlungsinformationen – einzugeben. Wer darauf eingeht, setzt sich dem Risiko von Identitätsdiebstahl und weiterem Online-Betrug aus. Diese Masche mit den falschen QR-Codes nennt sich Quishing, was eine Zusammensetzung der Wörter „QR-Code“ und „Phishing“ ist. Wörtlich übersetzt bedeutet es Fischen nach Passwörtern.

Falsche Abholscheine in Hinte: Das sagt die Polizei

Auch in Hinte warnen sich Anwohner gegenseitig vor den falschen Zustellscheinen. Ein Foto solcher Abholscheine macht dort aktuell vor allem über den Messengerdienst WhatsApp die Runde. „Nur zur Info: Solche Flyer werden aktuell in Briefkästen verteilt. Die Betrüger hoffen darauf, dass man den QR-Code scannt, um an Daten zu gelangen. Also diese Nachricht schön weiterverbreiten“, lautet der Appell, der gemeinsam mit dem Foto verschickt wird.

„Solche Flyer werden aktuell in Briefkästen verteilt“, heißt es in der Meldung zum Foto der falschen Flyer, das aktuell über Messenger-Dienste unter anderem in Hinte die Runde macht. Screenshot: Privat
„Solche Flyer werden aktuell in Briefkästen verteilt“, heißt es in der Meldung zum Foto der falschen Flyer, das aktuell über Messenger-Dienste unter anderem in Hinte die Runde macht. Screenshot: Privat

Aber sind in Hinte gerade wirklich Kriminelle unterwegs, die falsche Abholscheine in die Briefkästen werfen? Wir haben bei Polizeisprecherin Wiebke Baden von der Inspektion Aurich/Wittmund nachgefragt. „In Hinte ist uns kein Fall bekannt“, sagt sie. Baden hatte schon vor unserer Nachfrage von den gefälschten Zustellscheinen der Post gehört, die aktuell im Umlauf sein sollen. „Das geht ja aktuell in so manchem WhatsApp-Status rum“, so Baden. Sie habe sich darum schon in den Landkreisen Aurich, Wittmund, Friesland und auch bei benachbarten Polizeiinspektionen umgehört. Konkrete Fälle, bei denen Bürgerinnen oder Bürger Betrugsversuche über falsche QR-Codes der Polizei meldeten, seien aber noch nicht aufgezeichnet worden.

Paketbenachrichtigung gefälscht? Nicht scannen, sondern melden

Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim warnt indes in einer Pressemitteilung vor einer möglichen Betrugsmasche „im Zusammenhang mit in Briefkästen verteilten Flyern, die optisch an Benachrichtigungen über verpasste Paketsendungen erinnern“. Auf den Flyern befinde sich neben dem falschen QR-Code auch der Hinweis „Sendung verpasst – kein Problem“. Aber auch bei der dortigen Polizeiinspektion seien bislang (Stand 29. Januar 2026) keine konkreten Schadensfälle bekannt. „Dennoch wird ausdrücklich davor gewarnt, unbekannte QR-Codes aus Flyern, Schreiben oder anderen nicht eindeutig zuzuordnenden Quellen zu scannen.“

Dieser Warnung kann sich Wiebke Baden nur anschließen: „Es ist nicht verkehrt, davor zu warnen“, sagt sie. „Am Ende ist es immer besser, dass man einmal zu viel gewarnt hat, auch untereinander.“ Falls jemand wirklich einen dieser falschen Abholscheine im Briefkasten finde, sei es sinnvoll, sich an die örtliche Polizeidienststelle zu wenden, so die Sprecherin.

Beliebte Masche: QR-Code-Betrug nimmt zu

Auch die DHL selbst warnt vor den falschen QR-Codes: „Aktuell kursieren gefälschte Benachrichtigungskarten, die wie echte Zustellhinweise aussehen“, heißt es auf der Webseite des Konzerns. Die DHL aber würde niemals dazu auffordern, persönliche Daten über einen QR-Code auf der Benachrichtigungskarte einzugeben, um an die Sendung zu kommen. Darum solle man auf keinen Fall solche Codes einscannen. Bei verdächtigen Fällen bietet die Anti-Betrugs-Mailadresse phishing@dhl.com der DHL Unterstützung.

Betrugsmaschen mit falschen QR-Codes werden immer beliebter, so die Verbraucherzentrale. Das liege vor allem daran, dass man bei QR-Codes nicht sofort sehen kann, welche Infos sie enthalten. Nicht alle Smartphones zeigen an, was im QR-Code steht, bevor sie die entsprechende Aktion ausführen. „Während einige zunächst die Internet-Adresse zeigen und fragen, ob die Seite geöffnet werden soll, öffnen andere so eine Seite sofort“, heißt es vonseiten der Verbraucherzentrale.

Die falschen QR-Codes sind nicht nur auf Abholzetteln der DHL zu finden. „In Großstädten sind Fälle dokumentiert, in denen falsche QR-Codes auf Parkautomaten angebracht wurden“, sagt Baden. Statt für die Parkdauer zu bezahlen, gelangt man über diese falschen Codes auf eine Webseite, auf der man seine Kontodaten eingeben soll. So könnten Kriminelle an die Kreditkartendaten kommen, warnt das Bundeskriminalamt. Aber auch dazu seien in der Region bislang keine konkreten Fälle bekannt, so Baden.

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