Kreis und Stadt Leer  Knapp 600 Schottergärten entdeckt – weitere Kontrollen

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 02.02.2026 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sie sehen pflegeleicht aus, sind aber schlecht für Insekten: Schottergärten. Foto: Vera Vogt/Archiv
Sie sehen pflegeleicht aus, sind aber schlecht für Insekten: Schottergärten. Foto: Vera Vogt/Archiv
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Rund 600 Schottergärten wurden im Kreis und der Stadt Leer entdeckt. Hunderte sind schon zurückgebaut. Welche Kommunen kommen noch dran?

Leer - Ein Meer aus Steinchen: Über die Optik von Schottergärten kann man streiten. Fest steht: Sie sind versiegelte Flächen, die eigentlich Grünflächen sein sollten. Häufig als vermeintlich pflegeleichte „Garten“-Variante angelegt, sind sie nicht erlaubt, denn versiegelte Flächen sollen „auf das notwendige Maß“ beschränkt werden, schreibt dazu das Niedersächsische Bauministerium. So steht es auch in der Bauordnung (NBauO). Nicht überbaute Flächen müssen demnach Grünflächen sein – sofern man sie nicht für eine andere zulässige Nutzung braucht.

Die Redaktion hat die Suche nach Schottergärten für ein Symbolfoto nachgestellt. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Die Redaktion hat die Suche nach Schottergärten für ein Symbolfoto nachgestellt. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Dabei gibt es Spielraum für die freien Flächen: Einfassungen von Beeten sind auch gepflastert kein Problem. Auf den Flächen müsse die Vegetation überwiegen, schreibt das Ministerium. Es ist egal, ob die Flächen mit Rasen oder Gras, Gehölzen, anderen Zier- oder Nutzpflanzen bedeckt seien – Hauptsache Grün statt Grau. Die Bauaufsichtsbehörden vor Ort seien zuständig, zu prüfen, ob das eingehalten wird. Der Kreis Leer hat sich dieser Aufgabe für seine Kommunen angenommen – die Stadt Leer ist selber dafür zuständig. Wie viele Gärten aufgefallen und gewichen sind, fassen wir zusammen.

Wie viele Schottergärten sind im Kreisgebiet erfasst worden?

Es geht um Hunderte Schottergärten: Insgesamt 422 Schottergärten seien im Kreisgebiet festgestellt worden, 237 Verfahren laufen derzeit noch, teilt Philipp Koenen, Sprecher des Landkreises Leer mit. Dabei kommt eine Kommune nach der anderen dran.

Stein dekoriert mit Stein: So soll es nicht sein. Foto: Archiv
Stein dekoriert mit Stein: So soll es nicht sein. Foto: Archiv

Welche Kommunen sind schon durch, welche stehen noch an?

„Kontrollen gab es bisher in drei Kommunen“, erklärt der Sprecher. In Weener, in Ostrhauderfehn sowie in Teilen von Hesel. Überprüfungen in anderen Kommunen stehen noch aus. „Außer in Leer, dort ist die Stadt selbst zuständig“, so Koenen. Sprich: Borkum, Bunde, weitere Teile von Hesel, Jemgum, Jümme, Moormerland, Rhauderfehn, Uplengen und Westoverledingen kommen noch dran.

Dabei könne er noch nicht sagen, ob ein Gebiet mit besonders vielen Schottergärten herausstäche. „Diese Frage kann aufgrund der jetzigen Datenlage nicht beantwortet werden, da wir noch nicht in allen Kommunen waren.“

Wie viele Schottergärten sind Geschichte?

„Vollständig beseitigt wurden bislang 185 Schottergärten“, so Koenen. „Das heißt: Der Schotter wurde entfernt und eine Grünfläche angelegt.“

Schottergärten: Wie sieht es in der Stadt Leer aus?

„Wir haben bislang insgesamt 172 Verfahren eingeleitet“, schreibt Stadtsprecher Edgar Behrendt. „45 Verfahren sind noch aktiv.“

Auch in der Stadt Leer gibt es wieder mehr Grün: „127 Verfahren sind beendet worden, so dass die Flächen wieder entsiegelt werden mussten“, so Behrendt.

Größere und kleinere Steine liegen in einem Vorgarten. Foto: Annette Riedl/dpa
Größere und kleinere Steine liegen in einem Vorgarten. Foto: Annette Riedl/dpa

Wieso werden Schottergärten angelegt/wie wird man sie los?

In Stadt und Landkreis Leer sind also zusammengenommen um die 600 Schottergärten erfasst worden: Anscheinend bleiben sie beliebt. Häufigstes Argument ist, dass die Flächen als pflegeleicht gelten. Das stimme aber nicht, heißt es beispielsweise von der Gartenakademie Niedersachsen. Trotz der Schotterauflage komme es zu Aufwuchs von Unkraut, zudem sammele sich Herbstlaub und die Entfernung des Laubes sei mühsam. Vor allem im Winter komme es zu Ansiedlung von Moos, Algen und Flechten. Herbizide und Moos- oder Algenentfernen dürfen auf diesen Flächen nicht eingesetzt werden.

Ein Schottergarten mit Unkraut. Foto: Nadja Krause/Archiv
Ein Schottergarten mit Unkraut. Foto: Nadja Krause/Archiv
Immer mehr Grünflächen sind unter Beton, Steingabionen, Schotter und Kies verschwunden, schreibt der Nabu. Schottergärten seien nicht nur lebensfeindlich für Insekten, Vögel, Igel und Co., sondern auch schlecht für das lokale Klima und den Wasserhaushalt, weil sie sich stark aufheizten und Regenwasser nicht speichern könnten. Der Nabu gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man seinen Schottergarten „abmildern“ und dabei den Schotter behalten kann. Kurz zusammengefasst geht das so: Zuerst muss man Trennvlies oder Folien entfernen. Dann kann man Sand auf den Schotter auffüllen: Fünf Zentimeter Grubensand, Kiessand oder Mineralbeton. Das liefert fehlende Feinkornanteile. Anschließend sollten etwa zwei Zentimeter Grünschnittkompost aufgebracht werden. Alles durchmischen. Sind die ersten zehn Zentimeter gut durchmischt, sollte man laut Nabu die Fläche fein krümelig harken. Danach kann man eine blütenreiche magere Wildblumenwiese einsäen und zusätzlich Wildstauden pflanzen, die sich für Trockenstandorte eignen.

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