Nordertor  Wie stehen die Chancen für den Automatenkiosk?

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 28.01.2026 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier werden die Leute bald nicht mehr einfach vorbeilaufen: Der Nordertor-Kiosk soll ab 2027 wieder genutzt werden. Fotos: Klaus Ortgies
Hier werden die Leute bald nicht mehr einfach vorbeilaufen: Der Nordertor-Kiosk soll ab 2027 wieder genutzt werden. Fotos: Klaus Ortgies
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„Nicht noch ein Automatenkiosk“, heißt es für die weitere Nutzung des Wall-Kiosks in Emden. Stadtbaurätin Krantz betont Präsenz – das klingt nach einer Absage für ein Selbstbedienungskonzept.

Emden - Der Verfall des Nordertorkiosks am Emder Wall wird jetzt gestoppt. Kürzlich wurden die maroden Holzeinfassungen entfernt, auch die Graffiti sollen bald beseitigt werden. Dabei soll es natürlich nicht bleiben: Die Stadt Emden startet jetzt das Sanierungsvorhaben des denkmalgeschützten Gebäudes und plant die Nachnutzung. Wer das Rennen von den aktuell vier Miet-Interessenten des besonderen Objekts machen wird, ist noch offen. Es könnten sich sogar noch mehr bewerben.

Der jahrelange Leerstand hat Spuren hinterlassen: der Kiosk am Wall.
Der jahrelange Leerstand hat Spuren hinterlassen: der Kiosk am Wall.

Von den vieren hat aber offenbar derjenige mit dem schon öffentlich bekannt gewordenen Konzept für einen Automatenkiosk die geringsten Chancen. Das kann man den Äußerungen und Meinungsbekundungen entnehmen, die am Dienstagabend, 27. Januar 2026, im zuständigen Ratsausschuss gefallen sind. Als zum Stand der Nachnutzung des Kiosks berichtet wurde, wandte sich Jochen Eichhorn von der GfE konkret gegen den „fünften oder sechsten Automatenkiosk in Emden“. Weitere Nachfragen der Ratsmitglieder zum Auswahl-Prozedere wiesen zudem auf die Sorge, dass der altehrwürdige Kiosk nicht passend genutzt werden könnte. „Uns interessiert auch personelle Präsenz, da es sich um ein Denkmal handelt“, erklärte Stadtbaurätin Irina Krantz – und damit womöglich schon das Aus für einen Automatenkiosk.

Stadt legt Parameter in einer Matrix fest

Aktuell ist aber alles noch offen. Um eine gerechte Vergabe zu gewährleisten, soll die Nachnutzung des Kiosks noch in diesem ersten Quartal 2026 öffentlich ausgeschrieben werden, erläuterte die Betriebschefin des Gebäudemanagements Emden (GME), Freya Visser. Daraufhin können sich die vier Interessenten und weitere Bewerber mit einem konkreten Nutzungskonzept melden. Die Vergabestelle und der juristische Dienst der Stadt Emden würden eine „Bewertungsmatrix“ der eingereichten Konzepte erarbeiten. Erst nach der Auswertung dieser Matrix soll es Zu- oder Absagen geben. „Wir legen die Parameter fest“, sagte Visser. „Wir wollen sicher ausschreiben, damit es hinterher keine Klagen gibt.“

So würde es am Nordertor aussehen, wenn daraus ein Automatenkiosk würde. Skizze: de gode jung GmbH
So würde es am Nordertor aussehen, wenn daraus ein Automatenkiosk würde. Skizze: de gode jung GmbH

Unabhängig von der weiteren Nutzung werde nun parallel die Sanierungsplanung des 1928 erbauten Gebäudes vorangetrieben. Das Oldenburger Architekturbüro, das aktuell auch die Sanierung des Chinesentempels aus der gleichen Bauepoche plant, werde damit beauftragt – auch weil es sich mit den spezifischen Besonderheiten für Förderanträge im Denkmalschutz besonders auskenne, sagte Visser.

Milchbude mit Eisverkauf oder klassischer Kiosk?

Für den Chinesentempel hatte die Stiftung Denkmalschutz auf Antrag 100.000 Euro zugesagt. Eine Unterstützung in ähnlich großer Höhe erhofft sich die Stadt nun auch für den Nordertorkiosk. Diese sei auch in Aussicht gestellt worden. Für den Kiosk liegt schon seit 2024 eine Kostenschätzung für die Sanierung über 260.000 Euro vor. Der Förderantrag war aber zunächst auf Eis gelegt worden, erklärte Visser. „Wir hatten den Chinesentempel vorgezogen, weil wir dort in der Planung schon weiter waren.“

Besonders geklinkerte Säulen: Das macht den Backsteinexpressionismus aus. Die einstigen Bretterwände dazwischen sind schon entfernt.
Besonders geklinkerte Säulen: Das macht den Backsteinexpressionismus aus. Die einstigen Bretterwände dazwischen sind schon entfernt.

Nun soll es auch mit dem Nordertorkiosk zügig vorangehen. Spätestens 2027 soll der seit 2021 leerstehende Kiosk wieder mit Leben gefüllt werden – als Milchbude mit Eisverkauf, klassischem Kiosk-Verkauf oder vielleicht doch mit Selbstbedienungsautomaten; das wird sich zeigen. Zuletzt war der eher unscheinbare Zwilling des Chinesentempels aus der Zeit des Backsteinexpressionismus der Ära Walter Luckau als eine Art Ausstellungsfenster von dem Künstler Jörn P. Haut genutzt worden. Als typischen Kiosk hatte das Gebäude Bernd Weiser zwischen 1979 und 2010 betrieben.

Sehr aufwendige Sanierung erforderlich

Vor der Wiedernutzung muss nun allerdings noch kräftig saniert werden, wie GME-Chefin Freya Visser anhand der Schäden aufzählte. Die Gebäudehülle sei nicht mehr intakt. Ausgerechnet die Klinkerfassade, für die das Gebäude als Denkmal eingestuft ist, müsse ausgebessert werden. Es gebe sehr starke Rissbildungen, das Dach sei undicht, die Grundleitungen, Fenster und Türen seien marode. Die Sanierung erfolge unter den Denkmalschutzauflagen und starte, sobald die Finanzierung steht, so Visser. Mit sechs bis acht Monaten Dauer für die Arbeiten werde gerechnet.

Die gesamte Klinkerfassade soll aufgearbeitet werden, nicht nur die Farbschmierereien sollen verschwinden.
Die gesamte Klinkerfassade soll aufgearbeitet werden, nicht nur die Farbschmierereien sollen verschwinden.

Bei der Sanierung des Gebäudes werde die Nachnutzung nur in Teilen berücksichtigt, etwa beim Innenausbau. Hierfür hatte im Übrigen auch Eichhorn noch einen weiteren Vorschlag, der für einen „Präsenzkiosk“ spricht: das Gebäude wie einst im rückwärtigen Teil mit zwei Toiletten auszustatten, für die sich Wall-Spaziergänger den Schlüssel gegen Pfand beim künftigen Betreiber abholen können. Kommentiert wurde dieser Vorschlag von Eichhorn aber ebenso wenig wie der, die Sanierung nochmals auf Eis zu legen, den Kiosk als Grundsicherung lediglich einzuhausen und auf finanziell bessere Zeiten in der Stadt zu hoffen.

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