China-Serie Wie eine Emder Schule mit dem Reich der Mitte umgeht
Der Kontakt zu China ist politisch vorbelastet und – von außen betrachtet – vor allem mit kulturellen Unterschieden behaftet. Ein Schüleraustausch zeigt, dass es auch pragmatisch geht.
Ostfriesland - Die Reise liegt zwar schon mehr als ein Jahr zurück, aber die Erinnerungen sind immer noch lebendig. Eine Gruppe von Schülern des Johannes-Althusius-Gymnasiums (JAG) in Emden war im Oktober 2024 gut zwei Wochen zu Besuch in China; der Gegenbesuch erfolgte vor wenigen Monaten. Hängen geblieben sind die überaus große Gastfreundschaft der Chinesen und die Erfahrungen mit einem ganz und gar anderen Schulalltag.
„Es ist uns wichtig, über den Tellerrand zu schauen“, sagt Heike von Ohr, Lehrerin am JAG und zuständig für den internationalen Austausch, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Für die Schüler sind das Erfahrungen, die sie später auf diese Weise nicht mehr machen können.“ Grundvoraussetzung sei in jedem Fall, sich auf neue Dinge einlassen zu wollen. Mit dabei waren übrigens auch Schülerinnen und Schüler vom Ubbo-Emmius-Gymnasium (UEG) in Leer.
So geht es im Schulalltag zu
Solch ein Schüleraustausch ist durchaus etwas Besonderes. Wegen der großen Entfernung: Die Luftlinie zwischen Hangzhou in China und Emden beträgt mehr als 8.000 Kilometer. Wegen der Größe: die in China besuchte Stadt Hangzhou hat etwa 12 Millionen Einwohner, in Emden sind es rund 50.000. Und wegen der fremden Kultur: etwa beim Essen und in der Schule.
„Anders als bei uns anderthalb Stunden dauert der Unterricht in China jeweils nur 50 Minuten“, sagt Chinesisch-Lehrer Konstantin Keppler. „Vor allem läuft ein Schultag dort bis 17 Uhr.“ Zwischendurch gebe es zwei bis drei Mal am Tag Bewegungseinheiten. Und: „Nach dem Mittagessen legen sich sowohl die Schüler als auch die Lehrer in der Turnhalle oder den Klassenräumen für eine Stunde schlafen.“ Handys seien an der Schule übrigens nicht gestattet. Auch am Esstisch gibt es andere Regeln. „Man isst nicht alles auf, was auf dem Teller ist“, sagt Lehrerin von Ohr. „Und das Schmatzen ist dort eher normal.“
So läuft eine China-Reise
Laut von Ohr und Keppler war für die Schülerinnen und Schüler vom JAG samt Begleitpersonal alles durchorganisiert. Zu den 16 Tagen in China gehörte eine Rundreise nach Shanghai und Peking. Am Ende blieben dann fünf Tage Zeit in den chinesischen Gastfamilien.
„Politische Themen haben wir in den Gastfamilien ausgeklammert“, erinnert sich von Ohr. „Es ging halt viel um Schule.“ Es sei schwierig, heikle Themen anzusprechen. Das habe sich aus dem Programm auch gar nicht ergeben. „Es war auch nicht so einfach, in die Tiefe zu gehen, weil die sprachlichen Hürden zu hoch waren“, ergänzt Keppler. Auch beim Besuch in Emden habe sich gezeigt, dass die chinesischen Schüler nur wenig Deutsch sprechen. Wie die beiden Lehrer aber auch beobachten konnten, haben sich die Schülerinnen und Schüler sehr wohl mit Apps zu helfen gewusst.
So sehen die Planungen für dieses Jahr aus
Die Erfahrungen des Johannes-Althusius-Gymnasiums und des Ubbo-Emmius-Gymnasium waren also durchweg positiv. Laut JAG-Schulleiter Oliver Damm ist der nächste Austausch schon in Vorbereitung. Im Herbst 2026 soll es wieder nach China gehen. Im Jahr darauf ist der Gegenbesuch geplant.
Dabei ist der Austausch mit China sehr wohl noch ausbaufähig. Nach den Angaben von Lehrerin von Ohr gibt es in Niedersachsen lediglich zwölf Gymnasien, an denen Chinesisch unterrichtet wird. Deutschlandweit sind es demnach genau 119. Das Ziel: Das Interesse an China soll wachsen, Vorurteile abgebaut werden.