Windhosen und Wirbelstürme  Tornados gibt es in Ostfriesland häufiger als gedacht

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 26.01.2026 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Tornado nähert sich am 2. August 2025 von Norden her Wangerooge. "Auf einer Breite von etwa 80 Metern wurden rund 25 Strandkörbe umgeweht. Der Bereich war eng und deutlich begrenzt. Außerdem wurden zwei Flaggenmasten umgeweht, einer davon, ein Metallmast, regelrecht abgeknickt. Vor dem Unwetter flaute der Wind vollständig ab. Vor der Schauerzelle bildete sich die Wasserhose. Nachfolgend gab es Starkregen und der Wind frischte rasch auf, auf bis zu 55 km/h im Laufe des Tages." So ein Augenzeugenbericht. Foto: Katja Geißler/Tornadoliste
Ein Tornado nähert sich am 2. August 2025 von Norden her Wangerooge. "Auf einer Breite von etwa 80 Metern wurden rund 25 Strandkörbe umgeweht. Der Bereich war eng und deutlich begrenzt. Außerdem wurden zwei Flaggenmasten umgeweht, einer davon, ein Metallmast, regelrecht abgeknickt. Vor dem Unwetter flaute der Wind vollständig ab. Vor der Schauerzelle bildete sich die Wasserhose. Nachfolgend gab es Starkregen und der Wind frischte rasch auf, auf bis zu 55 km/h im Laufe des Tages." So ein Augenzeugenbericht. Foto: Katja Geißler/Tornadoliste
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Das haben wir schon lange geahnt: Tornados kommen bei uns häufiger vor als gedacht. Eine Studie des Deutschen Wetterdienstes belegt das.

Ostfriesland/Hamburg - Rund 15 Minuten lang wanderte die Windhose über die Nordsee: Die Besatzung des Fischkutters „Orion“ (Acc 8) aus Dornumersiel beobachtete den Tornado am 15. Juli 2025 gegen 9.45 Uhr nördlich von Langeoog. Es war die erste bestätigte Tornadosichtung des Jahres 2025 für Ostfriesland und Niedersachsen.

Insgesamt listet die Seite Tornadoliste fürs vergangene Jahr 137 Tornadosichtungen in ganz Deutschland auf. In 43 Fällen konnte bestätigt werden, dass es sich tatsächlich um Tornados handelte. Von den 21 Sichtungen in Niedersachsen wurden sechs bestätigt. Neben dem Wirbelsturm vor Langeoog gab es - teilweise unbestätigte - Sichtungen bei Oldersum ebenfalls am 15. Juli, außerdem zwischen Juist und Festland sowie bei Schillig am 22. Juli, am 29. Juli bei Riepe und Tergast. Und schließlich fegten am 2. August zwei Wirbelstürme nacheinander über Wangerooge und wirbelten Strandkörbe durcheinander.

Am 22. Juli 2025 wirbelte ein Tornado zwischen Juist und Festland. Foto: Tornadiloste/privat
Am 22. Juli 2025 wirbelte ein Tornado zwischen Juist und Festland. Foto: Tornadiloste/privat

DWD-Analyse bestätigt: Mehr Tornados als gedacht

Wirbelwind und Wirbelsturm, Orkan, Cyclon oder Windhose - egal wie man das Wetterphänomen nennt, das gerade alles durcheinanderwirbelt: Tornados entwickeln sich in Deutschland viel häufiger als gemeinhin angenommen. Das belegt eine statistische Analyse, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Sitz in Hamburg jetzt herausgegeben hat.

Die schiere Zahl ist dann aber doch erstaunlich: Geschätzt wirbeln jedes Jahr 69 Tornados in Deutschland umher. Davon sind 51 Wirbelstürme an Land und 18 sind Wasserhosen - also Wirbelstürme auf See oder an den Küsten. Die Wasserhosen machen insgesamt etwa ein Drittel aller Tornados aus. Die Analyse zeigt: Die reale Tornadohäufigkeit ist deutlich höher als frühere Schätzungen.

Wann und wo Tornados entstehen

Laut den Autoren Kathrin Wapler, Thilo Kühne und Marcus Beyer von DWD und European Severe Storms Laboratory/Europäisches Labor für schwere Stürme (ESSL) sind die Tornados „eine unterschätzte Bedrohung“ - bezogen auf die Schäden, die sie anrichten können. Für ihre Analyse haben sie die Tornadomeldungen zwischen den Jahren 2000 und 2024 der Europäischen Unwetterdatenbank herangezogen: insgesamt 1222 Tornadoberichte.

Die Ergebnisse: Die meisten Tornados treten zwischen Mai und September auf, mit einem Maximum im August - dann gibt es die meisten Wasserhosen: 43 Prozent der Tornados auf See fallen auf August. Starke Tornados erreichen ihr Maximum im späten Frühling bis frühen Sommer. Die Mehrheit aller Tornados tritt nachmittags und abends auf, während Wasserhosen hauptsächlich morgens vorkommen.

Warum die Zahl der Meldungen steigt – und was das für Ostfriesland heißt

Die Statistik zeigt außerdem: Tornados treten überall in Deutschland auf - aber in dicht bevölkerten Gegenden werden häufiger Tornados gemeldet. Das ergibt natürlich Sinn, denn in eher schwach besiedelten Regionen oder gar auf See ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass jemand den Wirbelsturm entdeckt.

Zudem zeigt die Analyse, dass die Meldungen von Tornados - und anderer Wetterereignisse - seit Ende der 1990er Jahre deutlich zugenommen haben. Gründe seien die zunehmende Verfügbarkeit des Internets für jedermann, das Aufkommen der digitalen Fotografie und die Gründung mehrerer Netzwerke zur Wetterbeobachtung und Datenerfassung wie etwa die Tornadoliste Deutschland (1999) und Skywarn Deutschland (2003). Und: „Auf Grundlage der verfügbaren Daten lässt sich für die letzten 25 Jahre kein signifikanter klimatologischer Trend hin zu mehr oder weniger Tornadofällen feststellen“, betonen die Autoren.

Ostfriesland: Tornadoliste nennt Fälle über Inseln und Festland

In Ostfriesland jedenfalls sind Windhosen gar nicht so selten: Die Plattform tornadoliste.de zählte für das Jahr 2024 für Niedersachsen insgesamt 13 bestätigte und 28 Verdachtsfälle für Tornados auf. Sechs davon waren in Ostfriesland beobachtet worden: am 24. August über Logabirum, Holtland und Hesel – damals herrschte ein schweres Gewitter –, über Langeoog und Borkum am 8. August, Dornumersiel am 28. Juli, Borkum am 28. Mai, Holterfehn am 20. Mai.

Die Aufzählung ist aber vermutlich nicht vollständig, denn Sichtungen müssen aktiv erfasst werden. Deutschlandweit wurden 2024 insgesamt 196 Tornados erfasst.

Tornadosichtungen kann man melden unter: https://tornadoliste.de/

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