Osnabrück  1:1 gegen 1860 München: VfL Osnabrück fängt stark an und baut stark ab

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 26.01.2026 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Thore Jacobsen (1860 München, links) im Zweikampf gegen Bryan Henning (Osnabrück). Foto: Michael Titgemeyer
Thore Jacobsen (1860 München, links) im Zweikampf gegen Bryan Henning (Osnabrück). Foto: Michael Titgemeyer
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Nicht wirklich zufrieden waren die Profis des VfL Osnabrück mit ihrer Leistung beim Spiel gegen den TSV 1860 München. Die Einzelkritik zum 1:1, wo es vor allem in der zweiten Halbzeit im Offensivspiel haperte.

#4 Yigit Karademir: Bester VfL-Verteidiger, weil abseits von der Chance von Philipp, der sich mit seinem Gesäß in Karademir reindrehte und so an ihm vorbeikam, am Stabilsten in der Zweikampfführung. Sehr aktiv im Anschieben nach vorne - und abseits von seinem Fehlpass im Aufbauspiel Mitte der ersten Halbzeit auch gut am Ball. Gute Ausstrahlung auf seine Nebenleute. Beim 1:1 machtlos gegen mehrere 1860er - der entscheidende Fehler passiert vorher. Will sich auch über die Rückkehr von Robin Fabinski hinaus in der Startelf festbeißen und ist dabei auf einem guten Weg.

#15 Bjarke Jacobsen: Musste nach drei Vierteln der Spielzeit einen technischen Fehler durch ein Foul ausbügeln - ansonsten hatte der Däne stets die Kontrolle im defensiven Mittelfeld der Lila-Weißen. Nicht vom Ball zu trennen: Notfalls lupfte er den Ball hoch und köpfte ihn weg oder drehte einfach nach dem zweiten noch einen dritten Kreisel, um den Gegner vom Ball wegzuhalten. War im Passspiel die sicherste Option, auch wenn nicht jeder Ball nach vorne ankam. Besorgte zudem den Treffer zum 1:0 per Kopfball am kurzen Pfosten ins lange Eck.

#23 Tony Lesueur (bis 74.): Hatte von den auf den Schienen eingesetzten VfL-Spielern definitiv den besten Tiefgang zur Grundlinie, kam gerade im Eins-gegen-eins öfter durch. Spielte auch ein, zwei gefährliche Bälle hinter die Abwehrkette, die Druck auf die Abwehr des TSV 1860 machten. Dennoch waren Präzision und eine bessere Entscheidungsfindung am Ball ausbaufähige Punkte beim Zugang von Phönix Lübeck. Defensiv ab und an mit Unsicherheiten im Stellungsspiel, die er aber mithilfe seines Tempos immer ausbügeln konnte.

#17 Lars Kehl (bis 85): Schlug diesmal starke Ecken, bei weitem nicht nur zum 1:0 auf den Kopf von Jacobsen. Konnte mit starker Schusstechnik den Bällen Schnitt und Zug geben. Weniger gut gelang das bei seinen Freistößen, die eher ungefährlich blieben, insbesondere der Schuss, der direkt aufs Tor sollte. Aus dem Spiel heraus mit einer starken und aktiven Anfangsphase, als er etwa einen 20-Meter-Schuss knapp am kurzen Pfosten vorbeisetzte. Aber auch mit einer stark nachlassenden Leistung insbesondere in der zweiten Halbzeit, wo er eher abtauchte.

#25 Niklas Wiemann: Setzte in der guten ersten Halbzeit zu einem sehr mutigen Dribbling aus der Verteidigungslinie heraus an, verlor prompt den Ball und merkte, dass er das lieber sein lassen sollte. Ansonsten einmal mehr Mister Zuverlässig als linker Innenverteidiger: Eine Instanz bei hohen Bällen und im Zweikampf, sicher im Spielaufbau, wobei allerdings nicht jeder lange Ball den Teamkollegen fand. Rettete in der zweiten Halbzeit in höchster Not nach Jonssons Parade. Bekam aber beim Ausgleich mit Jannik Müller keinen Zugriff auf den Ball, sodass David Philipp die Kette überwand und das Tor einleiten konnte. Zudem reagierte er recht spät nach dem langen Ball von Reinthaler auf Steinkötter, der seinen Lupfer neben das Tor setzte.

#24 Jannik Müller: Ließ sich beim Gegentreffer aus dem Abwehrzentrum ziehen, ohne in den Zweikampf zu kommen, wobei er auch noch Wiemann abdrängte, sodass Philipp passieren konnte. Diesmal zudem mit einigen auffälligen Flüchtigkeitsfehlern in der Spieleröffnung, die man von ihm sonst so gar nicht kennt. Dennoch insgesamt der klare Leader im Abwehrblock, der in den allermeisten Fällen nichts anbrennen ließ.

#6 Bryan Henning (bis 60.): Lieferte sein gewohnt großes Laufpensum und konnte mit seinem Durchsetzungswillen am Ball den einen oder anderen gefährlichen Moment für den VfL in der ersten Halbzeit erzwingen. Gegen den Ball auch giftig, aber beim 1:1 wie die Teamkollegen zu leicht im Raum überspielt: Auch er kam nicht in den Zweikampf und konnte den Querpass nicht verhindern. Nach der Pause deutlich unauffälliger, nach einer Stunde ausgewechselt.

#11 Robin Meißner: Seine Direktabnahme in der zweiten Halbzeit segelte knapp am Pfosten vorbei, seinen wuchtigen Rechtsschuss nach klasse Balleroberung in der ersten Halbzeit kratzte Schifferl noch für seinen geschlagenen Torwart Dähne von der Linie. So wartet der Stürmer, der viel unterwegs war, aber zu vieles diesmal eben unvollendet ließ, immer noch auf seinen ersten Treffer an der Bremer Brücke: Alle sechs Tore hat er auswärts erzielt.

#26 Fridolin Wagner (ab 59.): Brauchte diesmal etwas, um sich einzufinden - versuchte dann, das Spiel in die Hand zu nehmen, was ab und an, aber insgesamt noch nicht prägend genug gelang, um in der Schlussphase noch einmal dauerhaft Druck zu erzeugen. Seine beste Szene war die Kopfballablage auf Meißner zu dessen Volleyschuss.

#21 Lukas Jonsson: Undankbares Spiel für den Keeper, der nur zweimal richtig gefordert war: Bei Philipps Abschluss in der zweiten Halbzeit, den er abwehrte und dank Wiemanns Mitarbeit im Nachfassen unter sich begraben konnte. Und beim Gegentor, das er an einem Sahnetag sicher verhindern kann: Der Schwede hatte noch die Finger an Vollands nicht komplett präzisem Abschluss, schaffte es aber nicht mehr, den Ball um den Pfosten zu drehen. Mit dem Ball am Fuß meist klar, aber nicht immer präzise und sicher.

#9 Julian Kania (bis 59.): Leitete Kehls Chance zu Beginn mit einer starken Ballweiterleitung per Hacke ein, hatte vor allem in der ersten halben Stunde einige weitere Szenen, wo er den Ball stark behauptete. Danach aber verlor er etwas die Bindung zum Spiel: Der Leihspieler aus Bielefeld ist noch nicht so richtig integriert im Kombinationszyklus und entwickelt aktuell noch kaum Torgefahr. In der einen oder anderen Szene hätte man sich zudem gewünscht, dass er klarer durchzieht bei Laufwegen - also dabei, sich als Anspielstation oder Abschlussoption in Position zu bringen.

#31 Patrick Kammerbauer: Konnte das 1:1 durch Einrücken gegen eine Überzahl an Gegnern nicht verhindern, war aber ansonsten als rechter Schienenspieler defensiv gar nicht mal so stark gefordert. Nach vorn aber wirkte sein Auftritt deutlich fahriger als sonst: Der Franke produzierte einige Ballverluste und kam im eins-gegen-eins so gut wie gar nicht durch zur Grundlinie. Auch sein überraschendes In-Position-Laufen in der letzten Linie wurde diesmal vermisst. Wahrscheinlich die schwächste Saisonleistung des rechten Schienenspielers bisher.

#37 Ismail Badjie (ab 59.): Begann erst hinter Spitze Meißner und rotierte dann nach Lesueurs Auswechslung auf die linke Schiene. Konnte diesmal aber auf keiner Position und zu keiner Zeit dem Spiel den Stempel aufdrücken: Zu selten fanden ihn die Kollegen als Anspielstation für seine Stärken im Eins-gegen-eins, zu wenig konsequent aber lief sich der Youngster auch frei an der Linie. War als belebendes Element gedacht, konnte aber diesmal den Auftrag nicht erfüllen und fiel zudem mit nicht immer mit optimaler Körpersprache auf.

David Kopacz (ab 75.), Kai Pröger und Luc Ihorst (ab 85.): Kamen in der Schlussphase, konnten eine im letzten Drittel eher träge VfL-Offensive aber auch nicht nachhaltig beleben.

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