20 Wochen Abnehmspritze „Du siehst richtig gut aus!“
Wie läuft es nach 20 Wochen mit der Abnehmspritze Wegovy? Sport, Schlafmangel und ein Magen, der an Weihnachten Achterbahn fuhr: Sie ist keine Abkürzung zum schlankeren Körper – aber ein Werkzeug.
Wiesmoor/Aurich - „Entschuldige, dass ich das sage, aber du siehst richtig gut aus!“ Ich habe das Gefühl, jemand hat an die Menschen, die ich beruflich treffe, Zettel mit diesem Satz für mich verteilt. Am Anfang wusste ich nicht, wie ich darauf reagieren soll. Während ich diesen Text vorbereite, habe ich Zeit, darüber nachzudenken. Deshalb hier die Antwort, die ich allen hätte geben sollen: „Danke!“ Das Wort wäre besser gewesen als das verblüffte Gesicht und das Gestammel. Besser noch: „Danke, ich weiß!“
Auf der Waage sind es nach 20 Wochen 9,1 Kilo weniger – und trotzdem merke ich gerade, dass Abnehmen nicht nur aus Erfolgszahlen besteht. Seit dem 1. September 2025 nutze ich die Abnehmspritze Wegovy und berichte öffentlich darüber. Die letzte Bilanz hatte ich nach zehn Wochen gezogen. Dass es nach 20 Wochen die nächste gibt, ist eher Zufall. Denn ich merke, dass die Spritze eben kein Spaziergang zu einem schlankeren Körper ist, sondern auch einige unangenehme Begleiterscheinungen haben kann. So viel vorab: Weihnachten war für meinen Magen die Hölle.
Die Abnehmspritze ist meist ein unauffälliger Alltagsbegleiter
Ich habe mich in den Momenten, in denen ich den wundervollen Satz „Du siehst richtig gut aus!“ gehört habe, gar nicht so gut gefühlt. Denn seit dem 15. Dezember 2025 habe ich die Dosis von 0,5 auf 0,8 Milligramm des Wirkstoffs Semaglutid erhöht. Seitdem schlafe ich schlechter. Ob das mit der Abnehmspritze zusammenhängt, kann ich nicht sagen. Doch es wirkt sich sogar auf meine Ausdauerleistung beim Sport aus. In den Aufzeichnungen des Fitnessstudios ist ein kleiner Leistungsabfall erkennbar. Das ist nicht dramatisch – aber eben sichtbar.
Trotzdem ist die Abnehmspritze nach 20 Wochen für mich nichts Besonderes mehr. Sie ist in meinem Alltag so unsichtbar geworden, dass ich schon zweimal vergessen habe, den Wirkstoff rechtzeitig zu spritzen. Das Wiegen vergesse ich dagegen nie: Die Waage steht auf dem Weg zwischen Schlafzimmer und Bad. Lustig eigentlich, weil ich das früher gehasst habe. Heute beruhigt es mich eher, zu wissen, in welche Richtung es in meinem Projekt geht.
Abnehmspritze: Weihnachten war mit erhöhter Dosis ein Härtetest
Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden: Ich liege bei 102,9 Kilogramm. Ich bin also auf dem Weg zu den ersten zehn Kilogramm Gewichtsverlust – gleichzeitig warte ich sehnsüchtig darauf, die 100‑Kilo‑Marke endlich hinter mir zu lassen. Aber alles zu seiner Zeit – es ist kein Wettlauf. Mein wichtigstes Ziel ist momentan, mich so zu ernähren, dass mein Körper alles bekommt, was er braucht, um Muskeln aufzubauen, und mein Magen dabei friedlich bleibt.
Genau das war an Weihnachten schwierig, denn mein Magen ist Achterbahn gefahren. An den Feiertagen habe ich gemerkt, dass es mehr Fallen bei der Ernährung gibt, als ich gedacht hätte. Ich habe gelitten und weiß jetzt, dass ich die Dosis nicht ausgerechnet kurz vor dem Fest hätte erhöhen sollen. Mein Magen ist durchgedreht, obwohl ich die meisten Ernährungstipps beachtet habe.
Kohl ist mein Endgegner, seit ich die Semaglutid-Dosis erhöht habe
Ich vermute, mein Magen hat seitdem große Probleme mit Kohl. Blöd nur: Es ist Wintergemüse-Zeit. Viel Kohl, dazu Kartoffeln und Wurzelgemüse – und vieles davon landet bei mir regelmäßig auf dem Teller. Zum Fest gab es jeden Tag Rotkohl. Damit hatte ich vorher nie ein Problem. Und weil im Optimalfall der halbe Teller voller Gemüse sein sollte, habe ich richtig viel davon gegessen. Über Weihnachten ging mein Magen auf die Barrikaden. Nachts bin ich mit einem großen Rülpser aufgewacht und lag im Bett wie ein Kugelfisch, der sich vor einem Hai erschreckt hat – aufgeblasen bis kurz vor dem Platzen.
Dazu kam Durchfall – eine ziemlich miese Kombination. Die akuten Nebenwirkungen sind inzwischen weg, doch seitdem schlafe ich schlechter – und das zehrt. Beim Essen achte ich jetzt also noch mehr drauf, was mein Körper verträgt – und was nicht. Ich merke ziemlich klar: Wenn ich viel rülpsen muss und einen schwefligen Geschmack im Mund habe, ist etwas nicht okay. Das passiert auch bei Kichererbsen. Mit Linsen komme ich glücklicherweise relativ gut klar. Den Weg zu einem zufriedenen Magen zu finden ist schwer, weil die Nahrung durch die Abnehmspritze viel länger im Körper bleibt und deshalb eher gären kann.
Was ich seit der Abnehmspritze Wegovy zu den Mahlzeiten esse
Seit ein paar Wochen esse ich an meinen Arbeitstagen regelmäßig Müsli – und vertrage es erstaunlich gut. Vielleicht liegt es an der Zusammensetzung: In meinem Müsli sind Sonnenblumenkerne, Sojaflocken, Quark und Leinsaat für den Eiweißbedarf, dazu gefriergetrocknete Erdbeeren und eine Banane für den Geschmack und zusätzliche Nährstoffe. Dazu kommen Haferflocken. Für Ballaststoffe sind zusätzlich Flohsamen dabei. Ich merke deutlich, wie sehr das Müsli meinen Magen beschäftigt – und wie er trotz der geringeren Menge an Essen so „im Training“ bleibt.
An Arbeitstagen habe ich einen Weg gefunden, mir unkompliziert ein Mittagessen vorzubereiten: Ich nutze Fertigtüten mit Mischungen aus Getreide, Hülsenfrüchten und Pseudogetreide wie Quinoa. Sie werden fast ohne Zusatzstoffe hergestellt und stehen im Reisregal der Supermärkte. Eine Portion mische ich mit dem Gemüse, das mein Kühlschrank hergibt, und strecke eine Tüte meist auf zwei Portionen. So bringe ich meinem Körper einen weiteren Eiweißschub – für den Muskelaufbau. Abends halte ich es meistens leicht: Quark, Buttermilch oder Joghurt mit Früchten und Sanddornsaft. Reicht das nicht, gibt es etwas Fisch oder etwas Käse. Fleisch esse ich so gut wie gar nicht mehr.
Warum mir Sport zur Abnehmspritze so wichtig ist
Seit ich bei 0,8 Milligramm Wegovy bin, hat sich im Alltag nicht alles verändert – aber ich merke: Ich denke noch weniger an Essen. Manchmal lande ich dadurch bei nur zwei Mahlzeiten am Tag, obwohl mein Ziel eigentlich drei kleine Mahlzeiten wären. Kleinere Mengen sind schonender für den Magen. Weil ich so schlecht schlafe, fehlt mir für ein frühes Frühstück oft die Kraft. Vor Weihnachten war ich außerdem bei drei Sporttagen pro Woche. Die Schlafprobleme haben mir zuletzt einen davon geklaut. Den erobere ich mir gerade zurück.
Sport ist mir wichtig, weil der Körper beim Abnehmen erst einmal Muskeln abbaut. Sie brauchen viel Energie und der Körper muss sparsam damit umgehen, wenn die Nahrung knapper wird. Gerade dieser Energiebedarf der Muskeln ist aber hilfreich beim Abnehmen – und was soll ich mit einem leichten Körper, der zum größten Teil aus Fett besteht? Im Fitnessstudio wird mein Training getrackt: Ich kann also in einer App sehen, wie sich meine Kraft und meine Ausdauer verändern. Das motiviert mich zusätzlich.
Die Abnehmspritze ist keine Zauberei, sondern ein Werkzeug
Warum ich so genau auf Sport und Ernährung achte? Zum einen macht Sport mich einfach glücklich. Weitere Gründe fasst Prof. Dr. Martin Smollich in einem Instagram-Beitrag gut zusammen: Darin geht es darum, dass die Abnehmspritze keine Abkürzung zum Traumgewicht ist. Sie nimmt mir nicht ab, neue Routinen beim Sport und bei der Ernährung zu entwickeln. Ich will ja irgendwann auch wieder ohne die Spritze leben – schließlich liebe ich Kohl und möchte nicht mein ganzes Leben lang darauf verzichten. Trotzdem bin ich froh, dass mich die Abnehmspritze unterstützt, indem sie meinen Hunger zügelt und mir beim Essen Grenzen setzt – ich lerne dadurch viel über meinen Körper.
„Du siehst richtig gut aus“ ist gerade deshalb für mich ein schönes Kompliment, weil ich zwischen Essen, Sport, Schlafmangel und Arbeit kaum wahrnehme, wie ich mich verändere. Auch wenn sich vielleicht äußerlich bei 102,9 Kilogramm noch nicht so viel getan hat – innerlich sind mein Körper und meine Seele auf einem guten Weg. Vielleicht ist es genau das, was die Leute sehen. Deshalb freue ich mich auf einen Termin, bei dem es nicht um ein inneres Leuchten, sondern um messbare Werte geht: Am 27. Januar 2026 habe ich eine bioelektrische Impedanzanalyse. Dann schaut meine Ernährungstrainerin, wie sich Körperfett, Muskulatur und Wasseranteil verändert haben. Darauf bin ich richtig gespannt.