Köln/Osnabrück/Brüssel  „Größter Einsatz aller Zeiten“: Europol meldet Schlag gegen riesigen Drogen-Ring – auch in Niedersachsen

Alexander Barklage, afp
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Von Alexander Barklage, afp
| 21.01.2026 12:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Diese Container auf dem vermieteten Teil eines Grundstücks an der Umländerwiek in Papenburg sind von den Einsatzkräften durchsucht worden. Foto: Michael Kierstein
Diese Container auf dem vermieteten Teil eines Grundstücks an der Umländerwiek in Papenburg sind von den Einsatzkräften durchsucht worden. Foto: Michael Kierstein
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Europol zerschlägt in einem großangelegten Einsatz einen bedeutenden Drogenhändlerring. Bei der international koordinierten Aktion, die Polizeikräfte aus sechs EU-Ländern einbezog, wurden 85 Verdächtige festgenommen. Darunter auch die mutmaßlichen Anführer. Auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gab es Aktionen der Polizei.

Beim bislang „größten Einsatz aller Zeiten“ gegen synthetische Drogen hat Europol nach eigenen Angaben einen der wichtigsten Drogenhändlerringe zerschlagen. Die jahrelang vorbereitete Aktion unter Beteiligung der Polizeibehörden aus Deutschland und fünf weiteren EU-Ländern habe zur Festnahme von 85 Verdächtigen geführt, teilte die internationale Polizeibehörde mit. Unter den Festgenommenen seien die beiden mutmaßlichen Anführer des Rings.

Bei synthetischen Drogen handelt es sich um Substanzen, die keinen natürlichen Ausgangsstoff haben. Sie werden illegal in Laboren hergestellt. Europol zufolge lösten die Behörden bei ihrem Einsatz insgesamt 24 Drogenlabore von „industriellem Maßstab“ auf und beschlagnahmten rund tausend Tonnen an Chemikalien, die zur Herstellung von Drogen wie MDMA, Amphetaminen und Methamphetamin verwendet worden seien. Neben der deutschen Polizei waren an dem Vorgehen Kollegen aus Belgien, Polen, Spanien und Tschechien beteiligt.

Den groß angelegten internationalen Maßnahmen am vergangenen Freitag gingen fast einjährige, intensive Ermittlungen voraus. Unter dem Codenamen „Operation Nexus“ hatte die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) Osnabrück – ein Zusammenschluss aus dem Zollfahndungsamt Hannover und der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück – das Netzwerk ins Visier genommen.

So konnten allein in der zweiten Jahreshälfte 2025 in Schleswig-Holstein (Quickborn/Kummerfeld), Niedersachsen (Wolfenbüttel), Brandenburg (Nauen) und Nordrhein-Westfalen (Kerpen, Hagen, Neunkirchen-Seelscheid) insgesamt sechs Drogenlabore ausgehoben werden. Dabei wurden bundesweit über 800 Kilogramm synthetische Drogen und etwa 160.000 Liter hochgiftige Chemikalienabfälle sichergestellt. Insgesamt nahmen Zoll und Polizei in diesem Zusammenhang 45 Personen fest. Die dahingehenden Ermittlungen erfolgten aus ermittlungstaktischen Gründen jeweils durch örtlich zuständige Zoll- und Polizeidienststellen.

Bei zwei abschließenden Durchsuchungen am Action Day vergangenen Freitag wurden in Niedersachsen (Papenburg) und Nordrhein-Westfalen (Kreis Borken) weitere 15.000 Liter Chemikalienabfälle (Papenburg) sowie eine professionelle Cannabisplantage mit über 2000 Pflanzen (Kreis Borken) festgestellt. Es kam zu einer weiteren Festnahme (Papenburg).

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens lobt den Einsatz: „Die aktuellen Ermittlungen und Durchsuchungen verdeutlichen, mit welcher Entschlossenheit unsere Sicherheitsbehörden gegen kriminelle Strukturen vorgehen. Besonders hervorzuheben ist dabei aus niedersächsischer Sicht die ZKI Osnabrück, die die operative Koordination, die Informationsbündelung und den Austausch mit Europol sowie nationalen und internationalen Behörden als zentraler Single Point of Contact maßgeblich gesteuert hat. 

Bei den mutmaßlichen Anführern des Drogenrings handelt es sich demnach um zwei polnische Staatsbürger, ihnen dürfte ein Gerichtsverfahren in Polen wegen Drogenhandels bevorstehen, das in einer Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren münden könnte. Auch ein Großteil der weiteren Festgenommenen seien Polen, erklärte Europol weiter.

Der Leiter des für besonders schwere Straftaten zuständigen Europol-Zentrums (ESOCC), Andy Kraag, sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Ich bin schon eine Weile im Geschäft. Das ist mit Abstand die größte Operation, die wir je gegen die Herstellung und den Vertrieb synthetischer Drogen durchgeführt haben.“ Der Einsatz sei ein „wirklich schwerer Schlag für Gruppen der organisierten Kriminalität, die im Drogenhandel tätig sind, insbesondere im Handel mit synthetischen Drogen“.

Kraag zufolge verfolgt Europol mit seinen Einsätzen gegen Großlabore eine „Lieferkettenstrategie“, um das Übel „an der Wurzel“ zu packen. „Die kriminellen Gruppen verlieren dadurch ihre Nachschubquellen.“ Der ESOCC-Chef betonte zugleich, dass es beim Kampf gegen synthetische Drogen nicht nur um die Gesundheit potenzieller Konsumenten gehe. Auch massive Gewalt, Korruption und Geldwäsche im kriminellen Milieu sollten bekämpft werden.

Die Herstellung synthetischer Drogen habe zudem verheerende Auswirkungen auf die Umwelt, sagte Kraag der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden hätten bei der Aktion auch mehr als 120.000 Liter giftiger chemischer Abfälle beschlagnahmt, die Kriminelle üblicherweise auf dem Land oder in Bächen entsorgen. „Heute bringen sie den Kriminellen Profit. Morgen verschmutzen sie die Umwelt“, sagte Kraag mit Blick auf synthetische Drogen.

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