Biergarten geflutet Winterliches Eislaufvergnügen im Hafen von Weener
Im Sommer ist der Biergarten mit Blick auf die alten Schiffe im Hafen Anziehungspunkt in Weener. In der Winterzeit gibt es bei frostigen Temperaturen dort eine neue Attraktion für Jung und Alt.
Weener - Normalerweise genießen Gäste vor dem Eventlokals Hafen 55 vom Sonnenstuhl oder Strandkorb aus den Blick auf den Alten Hafen von Weener. Jetzt im Winter wurde aus dem Biergarten eine Eislaufbahn. Statt Alster und Aperol Spritz gibt’s in Pagodenzelten Kinderpunsch und Glühwein zum Aufwärmen. Wann immer es die Temperaturen zulassen, flutet Hafen 55-Wirt Hilmar Bock die Außenfläche.
Die Idee, die Gastronomie in der Winterzeit auf diese Weise zu beleben, hatte der Gastwirt schon vor einigen Jahren. „Allerdings waren die Winter bislang immer zu mild“, sagt der Gastronom. Kurz vor Weihnachten standen die Chancen aber gut. In einem nächtlichen Einsatz wässerte Bockhacker die Fläche vor dem Lokal mit Wasser aus der Zisterne, das sich durch den Frost in eine Rutschbahn verwandelte. Die natürliche Eisbahn ohne Gefahr des Einbrechens wird in Weener von jung und alt begeistert angenommen. Das Eislaufvergnügen war wegen des einsetzenden Tauwetters bislang nur immer ein zeitlich begrenztes Vergnügen.
Gute Aussichten für Minusgrade
Bockhacker hat die Wetter-App stets im Blick. Die Aussichten für anhaltende Minusgrade stehen gut. Für die Nacht von Donnerstag auf Freitag hat er sich schon auf einen nächtlichen Einsatz eingestellt. „Letztes Mal bin ich ausgerutscht. Zum Glück ist nichts passiert.“ Diesmal will Bockhacker solch gefährlichen Ausrutschern vorbeugen. „Ich habe mir Spikes bestellt, die man sich einfach unter die Schuhe schnallen kann,“ Der Aufwand, die Eisbahn herzustellen, ist enorm. „Gut eingepackt stehe da zwischen sieben bis acht Stunden in der Kälte“, berichtet er.
Weener ist durch die Aktion weit über die Grenzen des Rheiderlands hinaus bekannt geworden. Mehrere Fernsehsender brachten Beiträge über Bockhackers originelle Aktion. „Sogar die Bildzeitung hat auf der Seite eins einen kleinen Text mit Bild über unsere Eisbahn gebracht“, freut sich der findige Gastwirt. Besonders Kinder genießen den kostenlosen Eislaufspaß. Einige haben Schlittschuhe, andere begnügen sich damit, einfach mit den Schuen oder dem Schlitten übers Eis zu schliddern. Einen Schlittschuhverleih bietet Bockhacker nicht an. Dafür kann man Zubehör fürs Eisstockschießen ausleihen. Wenn das Wetter mitspielt, soll es in den nächsten Tagen sogar einen Wettbewerb im Curling (Eisstockschießen) geben.
Touristikerin aus Weener begrüßt die Idee
„Ich habe die Idee positiv zur Kenntnis genommen“, sagt Insa Wutschke, Geschäftsführerin der Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“. Sie habe ich das kreative Engagement von Herrn Bockhacker aus dem Biergarten eine Eislauffläche verfolgt. „Die spontane Einrichtung einer Eislauffläche ist sicherlich kurzfristig etwas Besonderes entstanden und wirkt sich durchaus auf die Strahlkraft der Region und auch die Stadt Weener aus“, sagt Wutschke, die für die SPD im Rat der Stadt Weener sitzt.
„Unsere Region lebt von Leistungsträgern, die mit ihrer Kreativität zur Angebots- und Leistungspalette beitragen.“ Daneben gehört das Schöfeln ja einfach zum Rheiderland und dem Südlichen Ostfriesland dazu und die üblichen Eislaufflächen waren zu der Zeit noch nicht begehbar, da die Flächen länger brauchen zum zufrieren und vorher noch nicht sicher sind. Auch Weeners Bürgermeister Heiko Abbas äußert sich positiv: „Mit der Schaffung einer künstlichen Eisbahn vor dem Lokal sorgt der Hafen 55 für einen attraktiven Anziehungspunkt. Schon viele Leute haben ihre ,Schöfels‘ untergeschnallt und das Angebot genutzt.“
Werbung für Weener durch Eislaufbahn am Hafen
Bei allen positiven Stimmen – wirtschaftlich lohnt sich der Aufwand für ihn allerdings nicht, betont Hilmar Bockhacker. Es werden lediglich heiße Getränke ausgeschenkt. Die reguläre Gastronomie-Betrieb bleibt den Winter über geschlossen, die Küche kalt. „Den ganzen Laden zu heizen und in dieser Zeit Küchen- und Servicepersonal zu beschäftigen, würde sich nicht rechnen“, weiß Bockhacker. Warum nimmt er dennoch diesen Riesen-Aufwand in Kauf? „Es muss wohl ein gewisser Eigensinn und Sturheit sein“, sagt er lachend. „Im Ernst: Es motiviert mich, wenn die Leute begeistert sind und ihren Spaß haben.“ Gleichzeitig wird Weener, insbesondere der Hafen bekannter durch die Aktion.
Bockhacker hat eine offizielle Genehmigung für die Eisbahn bei der Stadt eingeholt. Generell gilt die Erlaubnis, solange die Sondernutzungserlaubnis für den Biergarten vor dem Hafen 55 läuft. Nach Bockhackers Worten also bis 2033. Jeweils zwei Tage vor dem Start der Eisbahn muss er das Vorhaben bei der Stadt anmelden. „Formal abgesegnet ist das aktuell bis zum 8. Feburar.“ Für den Fall eines Einsatzes von Feuerwehr oder Rettungswagen in dem Bereich müsse eine bestimmte Menge Sand bereitstehen. Damit kann die Eisfläche bestreut werden, damit sie befahrbar ist. Außerdem darf die Eisschicht eine gewisse Dicke nicht übersteigen.
So lange die frostigen Temperaturen anhalten, bleibt auch die Eisbahn. Bockhacker hofft auf sonniges Winterwetter. Sonntags, wenn die Leute frei hätten und unternehmungslustig seien, sei die Eisfläche besonders gut besucht. „Schön wäre es, wenn der Frost länger anhält. Dann werden wir jeden Tag öffnen und Snack, Glühwein und Punsch anbieten.“