Osnabrück  Die Digital-Lotsen Anette und Werner Pohl helfen, dass Senioren in Osnabrück richtig klicken

Monika Vollmer
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Von Monika Vollmer
| 17.01.2026 06:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ohne zwei wie sie läuft beim Digital-Kompass in Osnabrück nichts. Seit Jahren tragen Anette und Werner Pohl dazu bei, dass sich ältere Menschen nicht vor Smartphone, Computer und Internet scheuen. Geld bekommen sie keines dafür - aber Respekt und Dankbarkeit. Foto: Monika Vollmer
Ohne zwei wie sie läuft beim Digital-Kompass in Osnabrück nichts. Seit Jahren tragen Anette und Werner Pohl dazu bei, dass sich ältere Menschen nicht vor Smartphone, Computer und Internet scheuen. Geld bekommen sie keines dafür - aber Respekt und Dankbarkeit. Foto: Monika Vollmer
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Werner und Anette Pohl sind Digital-Lotsen. Ihnen und ihrer seit Jahren ehrenamtlichen Initiative ist es zu verdanken, dass viele ältere Menschen sich nicht mehr vor Smartphone, Computer und Internet scheuen.

Etwa 30 Menschen haben sich an diesem Montagmorgen in dem Gemeinderaum der Pfarrei St. Joseph in Osnabrück versammelt. Sie alle sind in einem Lebensalter, in dem Trendforscher von der Generation „Babyboomer“ sprechen. In kleinen Grüppchen beugen sie sich über vor ihnen liegende Smartphones oder Laptops, lauschen aufmerksam den Tutoren, die geduldig Anweisungen geben: wie ein Mail-Account einzurichten ist, PDF-Dateien abgespeichert oder Daten von einem älteren auf ein neues Handy gespiegelt werden können.

„Für junge Leute, die mit der Technik aufgewachsen sind, ist das oft kein Problem. Für viele Senioren aber ist die digitalisierte Welt und der Umgang mit Smartphone, Laptop oder PC schon schwierig“, berichtet Werner Pohl. Der heute 72-Jährige ist so etwas wie ein Internet-Lotse der ersten Stunde.

Denn Pohl war es, der vor sieben Jahren mit Rolf Siekmann den „Digital-Kompass“ ins Leben gerufen hat, ein vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gefördertes Kooperationsprojekt mit gemeinsamem Angebot der Katholischen und Evangelischen Erwachsenenbildung Osnabrück und des Vereins Exil.

Pohl war da schon im selben Alter wie viele seiner Schüler. „Nein“, antwortet er schmunzelnd auf die Frage, ob er im Vorfeld selbst Kurse besuchen musste um die Technik von PCs und Handys anderen zu erklären. „Mein Mann war bei Karmann verantwortlich für die Hard- und Software“, bescheinigt seine Frau Anette.

Auch sie engagiert sich seit fünf Jahren ehrenamtlich in der Montagsgruppe, als eine von zehn Tutoren. „Man muss sich ja beschäftigen und ich möchte ein erfülltes Leben haben. Als Internet-Lotse tätig zu sein, das macht auch mir sehr viel Spaß.“ 

Der digitale Zwang, finden die Beiden, er wird immer größer. „Letztens fragte einer der Teilnehmer, ob man überhaupt noch lebensfähig ist, wenn man keine E-Mail hat.“ Anette Pohl schildert, wo aktuell Hilfe geleistet wird. „Im Fokus steht verschiedene Apps zu installieren. Für Onlinebanking, die elektronische Patientenakte oder um den digitalen Awigo-Kalender zu laden.“

Vielleicht ist es ja das gleiche Alter von Tutoren und Schüler, das gegenseitige Verständnis, was das Projekt über Osnabrück hinaus so erfolgreich macht. „Hier bekommen alle einfach die Zeit, die sie brauchen um die Technik zu verstehen und sie erfolgreich anzuwenden. Und falls nötig erklären wir es auch zehnmal“, sagen Pohls. 

Dabei sind die anwesenden Schüler der Technik gar nicht einmal abgeneigt. Sie alle haben das Jahr 1983 erlebt, als der legendäre Commodore-64 Einzug in Deutschlands Büros und Wohnzimmern hielt. Und sie tummeln sich durchaus auch gerne in den Weiten des Internets. Dennoch ist die fortschreitende Digitalisierung für den ein oder anderen schlecht zugänglich.

„Die Anzahl derer, die Hilfe benötigen wächst ständig. Während die einen ohne Smartphone nicht mehr leben können, scheinen andere sich von all der Technik überfordert und abgehängt zu fühlen.“ Die angestrebte 1:1 Betreuung funktioniert aufgrund wachsender Teilnehmerzahlen nur bedingt. Erfolgreich ist man dennoch. So huscht einem 75-Jährigen plötzlich ein erleichterndes Lächeln über das Gesicht. Es ist ein Zeichen des Erfolges. „Sonst hilft mir mein Neffe, aber der wohnt jetzt in Hamburg. Heute war ich das erste Mal hier und bin super zufrieden.“

Auch die beiden Pohls wirken zufrieden, finden: „Das ist unser schönstes Ehrenamt. Die Menschen sind so dankbar. Das kann man mit Geld gar nicht bezahlen.“ Mehr als 1000 Stunden haben Anette und Werner Pohl ehrenamtlich als Tutoren absolviert. Geld bekommen sie dafür nicht, aber jede Menge Respekt und Dankbarkeit. „Wir sind froh über die unentgeltliche Nutzung der Räumlichkeiten und solange wir können, werden wir weitermachen. Und jeder ist herzlich willkommen.“ 

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