Hamburg  Frühere Rente für Pflegekräfte? In Österreich gibt es das schon

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 20.01.2026 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Österreich dürfen Pflegekräfte früher in Rente. Wäre das ein Vorbild für Deutschland? Foto: dpa/Maximilian Koch
In Österreich dürfen Pflegekräfte früher in Rente. Wäre das ein Vorbild für Deutschland? Foto: dpa/Maximilian Koch
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Wer hart arbeitet, sollte eine vernünftige Rente bekommen. Diese Meinung dürfte mehrheitsfähig sein. Doch wenn der Körper nicht mehr mitmacht, läuft es meist eher auf das Gegenteil hinaus. Taugt eine österreichische Regelung als Vorbild, um das zu ändern?

In Österreich ist die Rentenwelt noch in Ordnung. Dort sind die Zahlungen spürbar höher, das Eintrittsalter niedriger und obendrauf bekommen Rentner noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Sogar Beamte zahlen dort in die Rentenkasse ein. Da rückt fast in den Hintergrund, dass die Beitragssätze für die Rente ein paar Prozentpunkte höher sind. Viele Politiker im linken Spektrum wollen sich das österreichische System zum Vorbild für ihre eigenen Reformen nehmen. Ein besonderer Winkelzug davon hat nun auch das BSW (noch „Bündnis Sahra Wagenknecht“) inspiriert.

Dort gibt es nämlich eine besondere „Schwerarbeiterpension“. Einfach gesagt: Wer bei der Arbeit besonderen körperlichen und geistigen Belastungen ausgesetzt ist, muss nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter von 65 arbeiten, sondern kann schon ab einem Alter von 60 in Rente gehen. Als Schwerarbeit gelten für das österreichische Gesetz alle Tätigkeiten, die mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

Die Regelung in Anspruch nehmen kann, wer 45 Jahre eingezahlt hat. Außerdem muss er von den letzten zwanzig Jahren vor dem Ruhestand mindestens zehn Jahre unter den genannten Bedingungen gearbeitet haben. Eine Regelung, die sich das BSW zum Vorbild genommen hat.

Sahra Wagenknecht, Gründerin der jungen Partei, fordert nämlich eine ganz ähnliche Maßnahme: „Die Rentenkommission sollte Jahrzehnte harter körperlicher Arbeit besonders anerkennen. Zum Beispiel sollten Pflegekräfte ab 60 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können, wenn sie dies wünschen“, sagte die Ex-Linke gegenüber unserer Redaktion.

Das würde nach Ansicht von Wagenknecht „die Attraktivität des Berufes deutlich erhöhen und wäre daher „ein wichtiger Beitrag, um den Fachkräftemangel in Heimen und Kliniken zu beheben“. Schon jetzt gingen viele Pflegekräfte vorzeitig in Rente, „aber sie werden dafür mit besonders miserablen Renten bestraft“. Doch nicht nur Pflegekräfte sollen profitieren.

„Wir brauchen eine Debatte über die Einführung einer Rente ab 60 nach 40 Jahren körperlich harter Arbeit“, fordert Wagenknecht. Diese könne eine „Vorstufe“ zur sogenannten Rente mit 63 sein, die es ermöglicht, ohne Abschläge zwei Jahre früher in Rente zu gehen, wenn man 45 Beitragsjahre gesammelt hat. Für die bisherige deutsche Regelung ist es aber egal, ob man dies am Schreibtisch oder auf der Baustelle getan hat.

Wagenknecht findet das ungerecht: „Wer in Deutschland sein Leben lang körperlich hart arbeitet, wird in der Regel schlechter bezahlt und hat eine niedrigere Lebenserwartung als der Durchschnitt der Bevölkerung und sollte daher wenigstens in der Rente besser gestellt werden“, so Wagenknecht. Auch, um diese Berufe, „die für das Funktionieren des Landes unerlässlich sind, attraktiver zu machen“.

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