Ostfriesland  Oldtimer-Boom in Deutschland: Viele suchen aus Nostalgie nach dem Auto ihrer Jugend

Uwe Prins
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Von Uwe Prins
| 19.01.2026 15:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Peter Uelwer vom Automobilclub Leer in Ostfriesland schwört auf die alten Fünfzylindermodelle von Audi. Foto: ADAC
Peter Uelwer vom Automobilclub Leer in Ostfriesland schwört auf die alten Fünfzylindermodelle von Audi. Foto: ADAC
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Mehr als 800.000 Oldtimer sind derzeit in Deutschland zugelassen, Tendenz steigend. Nostalgie gilt laut Experten als Hauptantrieb hinter dem Boom. Ein Reporter berichtet von seinen Erinnerungen an die alten Schmuckstücke.

Mehr als 800.000 Oldtimer sind aktuell in Deutschland zugelassen, und die Zahl der beantragten H-Kennzeichen steigt Jahr für Jahr. Ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist nach Ansicht des Bochumer Psychologen Rüdiger Hossiep der Wunsch, sich mit dem alten Auto „ein Stück Kindheit und Jugend zurückzuholen“.

Peter Uelwer lacht. Der Vorsitzende des Automobilclubs Leer (ACL) in Ostfriesland kann sich noch sehr gut an das erste Auto seines Vaters erinnern. „Bei uns in der Straße gab es einen Audi-Händler, also hat Papa einen Audi 60 gekauft.“ Es folgte ein Audi 100, für den der Sohnemann, damals 13 Jahre jung, die Farbe aussuchen durfte: „Kupfermetallic.“ Ein Fünfzylindermotor kam für seinen alten Herrn allerdings nicht infrage – vier Zylinder mit 85 PS mussten reichen. Alles andere sei unnötig, so die damalige Begründung des Vaters.

Jahre später, inzwischen nach Ostfriesland übergesiedelt, erinnert sich Peter Uelwer an die Worte des Vaters. Und kauft sich seinen ersten Alt-Audi, aber mit einem Fünfzylindermotor. „Für mich der beste Motor, den Audi je produziert hat“, schwärmt er. Inzwischen hat er fünf Fünfzylinder im Bestand, alle mit der ungeraden Zylinderzahl. „Was für ein Klang, was für eine Kraft.“

Manchmal geht die Zeitreise in die Kindheit und Jugend aber noch weiter, wenn denn ein Auto mit H-Kennzeichen nicht ausreicht. Immer mal wieder wird in einschlägigen Fachmagazinen und Foren über Menschen berichtet, die ihr erstes eigenes Auto oder das der Eltern zurückgekauft haben. Das gelingt natürlich nur in den seltensten Fällen, denn oft sind jene Exemplare längst in der Schrottpresse gelandet.

Dem Verfasser dieser Zeilen geht es nicht anders. Der blaue Käfer 1303 LS und der schwarze Audi 50 segneten dank massiven Rostbefalls bereits sehr, sehr früh das Zeitliche, so ist es Wagen Nummer drei, der die Sehnsucht nach automobiler Nostalgie weckt: Datsun 260 Z, ein 2+2-Sitzer mit 139 PS, sechs Zylindern und 2,6 Liter Hubraum, Baujahr 1976. Die ellenlange Motorhaube erinnert an den Jaguar E-Type, das Cockpit sieht einfach nur toll aus mit den fünf klassischen Rundinstrumenten.

Die Erinnerungen sind gut ein halbes Jahrhundert später noch sehr präsent: Der Sportwagen musste damals einiges über sich ergehen lassen. Der Vorbesitzer hatte ein Loch ins Blech geschnitten und ein Sonnendach eingebaut, und der damalige Jungredakteur legte nach der Übernahme von „Zettie“ zunächst ebenfalls keinen gesteigerten Wert auf einen Originalzustand.

In der Garage wurde der Japaner umlackiert. Hellblaumetallic passte irgendwie nicht. Weiß sah dagegen gut aus und sorgte für einen Super-Kontrast zum pechschwarzen 240 Z von Achim, dem Sohn eines Datsun-Händlers, der an den Sportwagen aus Fernost wirklich jede Schraube kannte.

Die beiden Freunde mögen nicht so interessant gewesen sein, aber wenn ihre Autos irgendwo vor der Disco nebeneinander parkten, dann kam es zuweilen schon zu einem kleinen Zuschauerauflauf. Bis heute ärgern sich beide, dass es keine Fotos von ihren Autos gibt. Es war eben lange vor der Zeit der Handys.

5200 Mark waren Mitte der 80er-Jahre für den 260 Z hinzublättern, da war der Wagen zehn Jahre alt, hatte durch Rostfraß ein faustgroßes Loch im linken hinteren Kotflügel und bereits knapp 350.000 Kilometer auf dem Tacho. Der ehemalige Jungredakteur, der ja inzwischen selber zum alten Eisen gehört, hätte den Rückkauf ein paar Jahre später trotzdem gewagt, denn die Substanz war gut. Die Suche nach dem weißen Datsun endete jedoch auf einem Schrottplatz in Duisburg. Im Ruhrpott war der „Zett“ einst in einen Unfall verwickelt gewesen, die ganze linke Seite eingedrückt. Totalschaden.

Der Traum vom Rückkauf des eigenen Autos war damit ausgeträumt. Das Interesse an einem 260 Z ist tatsächlich immer geblieben, inzwischen aber hat diese besondere Z-Zuneigung mit nüchterner Vernunft zu kämpfen. Mit 5200 Mark kommt man nämlich nicht mehr hin. Für ein restauriertes Exemplar wird das Zehnfache verlangt, wobei es sich inzwischen um Euro handelt.

Dieser Text erschien zuerst in der „Ostfriesen-Zeitung“.

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