Projekt von EWE Netz Wasserstoffleitung von Emden nach Leer – das ist geplant
EWE Netz plant eine knapp 24 Kilometer lange Wasserstoffleitung von Emden nach Leer. Im Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen. Was ist genau geplant?
Emden/Leer/Oldenburg - Der Aufbau des Wasserstoffnetzes in Ostfriesland geht voran: Eine geplante Leitung zwischen Emden und Leer geht nun ins Planfeststellungsverfahren, wie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) am Freitag, 16. Januar, mitteilte. Für das Projekt mit dem offiziellen Namen „H2Coastlink 1 HEL H2-Transportleitung Emden-Leer“ habe die EWE Netz aus Oldenburg einen Genehmigungsantrag gestellt. Das Vorhaben erfordere ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung, heißt es vom LBEG. Die entsprechenden Unterlagen seien deshalb vom 22. Januar bis 23. Februar 2026 im Internet einsehbar.
Aber was genau plant EWE Netz eigentlich mit „H2Coastlink 1“? „Der Zweck der Leitung ist, den Elektrolyseur in Emden anzubinden“, sagte Unternehmenssprecher Volker Diebels auf Anfrage unserer Redaktion. Im Osten der Stadt, im Borssumer Hammrich, hatte der Netzbetreiber im November 2025 mit dem Bau der Anlage begonnen, die grünen Wasserstoff produzieren soll. In Betrieb gehen solle sie Ende 2027 – und bis dahin müsse auch die Leitung nach Leer einsatzbereit sein, sagte Diebels. Der Baustart für das Leitungsprojekt sei für Sommer 2026 geplant. „Das ist ambitioniert, aber wir halten das für realistisch.“
Gespräche mit Grundbesitzern in mehreren ostfriesischen Kommunen
Während EWE Netz andernorts bestehende Leitungen für Wasserstoff umrüstet, handelt es sich bei der Verbindung von Emden nach Leer laut dem EWE-Netz-Sprecher um einen kompletten Neubau. Auf rund 23,5 Kilometern soll die Leitung nach Angaben des LBEG über das Gebiet der Stadt Emden, durch die Gemeinden Ihlow und Moormerland sowie das Leeraner Stadtgebiet führen.
Die Trasse für den Leitungsbau führe überwiegend über landwirtschaftlich genutzte Flächen, deren Eigentümer entschädigt werden sollen, sagte Diebels. „Da laufen die Gespräche“, so der Unternehmenssprecher.
Das Unternehmen EWE Netz hatte im Herbst 2025 bereits eine Rahmenvereinbarung mit den Landvolkverbänden in seinem Versorgungsgebiet getroffen, darunter auch der Landwirtschaftliche Hauptverein für Ostfriesland (LHV). Hierdurch sollten der Bau von Leitungen und damit verbundene Entschädigungen geregelt werden. „Mit dieser Vereinbarung haben wir einen verbindlichen Rahmen, der die Interessen unserer Landwirte sichert – und zwar bei jedem Schritt, vom ersten Spatenstich bis zur Wiederherstellung der Flächen“, erklärten die Verhandlungsführer des Kreislandvolkverbands Oldenburg in Bezug auf die Vereinbarung in einer Pressemitteilung. Die für das Projekt genutzten Flächen könnten nach Verlegung der Leitungen von den Landwirten wieder bewirtschaftet werden, heißt es von EWE Netz.
EWE hat große Wasserstoff-Pläne – Bundesregierung setzt auf Gas
Die Leitung zwischen Emden und Leer ist nur ein Bestandteil des Projekts „H2Coastlink“. Dieses umfasse fünf Teilabschnitte, die jeweils einen Beitrag zur Anbindung der Region an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz leisten sollten, schreibt EWE Netz. Insgesamt würden 250 Millionen Euro in den Neubau und die Umrüstung von Leitungen auf einer Gesamtlänge von 239 Kilometern investiert. Bereits fertiggestellt und seit 2024 in Betrieb ist die sogenannte Zukunftsleitung, der 70 Kilometer lange Abschnitt zwischen Sande im Landkreis Friesland und Jemgum im Landkreis Leer. Über sie wird laut EWE Netz Gas vom LNG-Importterminal in Wilhelmshaven in die Speicher in Nüttermoor und Jemgum geleitet. Perspektivisch wollen der Netzbetreiber und dessen Mutterkonzern, der Energieversorger EWE, sie jedoch für Wasserstoff nutzen.
„H2Coastlink“ mit seinen fünf Teilabschnitten ist wie der im Bau befindliche Elektrolyseur in Emden, ein Wasserstoffspeicher in Huntorf bei Elsfleth und weitere Pipelines Bestandteil des größeren EWE-Wasserstoffprojekts „Clean Hydrogen Coastline“. Dieses sei ein „starkes Zeichen für den Klimaschutz und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland im Herzen von Europa“, hatte der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im September 2024 bei einem Besuch in Emden gesagt.
Die Ampel-Koalition hatte die deutsche Wasserstoffstrategie vorangetrieben, nach der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 setzt die schwarz-rote Bundesregierung jedoch verstärkt auf Gaskraftwerke für die Energieversorgung. Er erwarte die Zustimmung der EU-Kommission für den Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch, 14. Januar. Diese müssten nicht vom ersten Tag an wasserstofffähig sein, sondern könnten auch später umgerüstet werden. „Wir haben den Wasserstoff nicht, den wir dafür eigentlich bräuchten“, sagte Merz.
Mit Material von dpa