Wiesmoor Fußball profitiert von Hallenbad-Drama
Jahrelang war der Kunstrasenplatz in Wiesmoor nur ein Traum. Immer wieder scheiterte das Projekt an der klammen Stadtkasse. Jetzt ist der Weg endlich frei – dank des maroden Hallenbads.
Wiesmoor - Wenn man dem dramatischen Zustand des Wiesmoorer Hallenbades etwas Gutes abgewinnen möchte, ist es dies: Dass die lange geplante Sanierung nicht ausgeführt werden konnte, hat den Wiesmoorer Fußballern endlich den heiß ersehnten Kunstrasenplatz beschert. Dass der gebaut wird, ist seit Mittwoch, 14. Januar 2026, so gut wie sicher. Denn an dem Tag hat der Sportausschuss des Stadtrates den Sperrvermerk für die vorgesehenen Gelder in der Haushaltsplanung aufgehoben.
Der Sperrvermerk war bislang eine Art finanzielle Bremse: Zwar war das Geld für den Kunstrasenplatz im städtischen Haushalt eingeplant. Es durfte aber nicht ausgegeben werden, solange die Finanzierung nicht gesichert war. Mit der Aufhebung des Sperrvermerks ist der Weg nun frei. Die Stadt kann die bereitgestellten Mittel jetzt tatsächlich verwenden und das Projekt verwirklichen. Letzte Hürde: Der Verwaltungsausschuss muss in seiner nächsten Sitzung am 26. Januar 2026 noch zustimmen.
Warum klappt der Bau des Kunstrasenplatzes plötzlich doch?
Möglich wurde der Bau des Kunstrasenplatzes jetzt, weil Fördermittel, die das Land Niedersachsen ursprünglich für die Sanierung des maroden Hallenbades vorgesehen hatte, umgewidmet werden durften. Die Stadt konnte die Sanierung des Bades nicht wie geplant angehen, weil Gutachter kurz vor Baubeginn weitere Schäden im Becken entdeckten. Sie zu beheben hätte die Stadt aus eigenen Mitteln trotz Landesförderung nicht bezahlen können. Deshalb wurde die Sanierung auf Eis gelegt.
Das Land Niedersachsen hatte 2025 zugestimmt, dass ein Teil der Förderung in Höhe von einer Million Euro – konkret 400.000 Euro – stattdessen in den Bau des Kunstrasenplatzes fließt. Zusammen mit weiteren Fördergeldern und dem städtischen Eigenanteil ist die Finanzierung damit gesichert. Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) betont, dass dem Hallenbad damit kein Geld „weggenommen“ worden sei: „Wir können eher froh sein, dass wir von der ursprünglich für das Hallenbad vorgesehenen Million überhaupt noch etwas behalten konnten. Hätten wir die Förderung nicht umgewidmet, wäre das Geld einfach verloren gewesen.“
Wo wird der Kunstrasenplatz gebaut und wie?
Der neue Kunstrasenplatz entsteht auf einer Fläche des VfB Germania Wiesmoor zwischen Stadion und Ottermeer. Künftig soll der Platz von allen drei Wiesmoorer Fußballvereinen – VfB Germania Wiesmoor, VfL Mullberg und SV Hinrichsfehn – gemeinsam genutzt werden. Es gibt zwar bereits einen Kunstrasenplatz an der Kooperativen Gesamtschule Wiesmoor, doch dieser stammt aus dem Jahr 2000 und ist längst über die Haltbarkeitsgrenze hinaus. „Wir nutzen den Platz im Notfall, aber durch den Zustand steigt natürlich auch die Verletzungsgefahr“, sagt VfB-Vorsitzender Fokko Schoon. Schoon ist froh, dass die Fußballvereine endlich einen eigenen Kunstrasenplatz bekommen. „Wir reden schon seit 2012 mit der Stadt darüber“, sagt der Vereinsvorsitzende.
Seit einem offiziellen Antrag des Vereins an die Politik im Jahr 2016 geistert der Kunstrasenplatz durch den Stadtrat. Bisher aber wegen klammer Kassen ohne ernsthafte Folgen. Ursprünglich war ein größeres Projekt mit einem zusätzlichen Naturrasen-Nebenplatz geplant. Aus Kostengründen wurde das Vorhaben jedoch verkleinert: Gebaut wird nun ein reiner Kunstrasenplatz mit den Maßen 105 mal 68 Meter, der den bisherigen C-Platz („Ottermeerplatz“) ersetzt. Die Anlage erhält eine moderne Ausstattung, darunter eine neue Drainage, Flutlicht und Ballfangzäune.
Wie hoch sind die Kosten für den Kunstrasenplatz?
Heiner Schoon, Fachbereichsleiter für Bürger- und Ordnungsdienste, stellte die Finanzierung im Ausschuss vor. „Wir haben lange gekämpft und viele Anläufe gebraucht – jetzt ist der Weg endlich frei“, sagte Schoon. Laut Schoon liegen die Baukosten für den neuen Kunstrasenplatz bei rund 1,74 Millionen Euro. 500.000 Euro kommen als Zuschuss vom Amt für regionale Landesentwicklung, 400.000 Euro stammen aus der umgewidmeten Hallenbad-Förderung des Landes Niedersachsen. Den Eigenanteil von rund 840.000 Euro trägt die Stadt Wiesmoor.
Für die laufende Pflege des Platzes rechnet Schoon mit etwa 3800 Euro pro Jahr. Je nachdem, welche Geräte die Stadt zur Pflege anschafft, könnte sich der Betrag noch verändern. Die Fußballvereine VfB Germania Wiesmoor, VfL Mullberg, SV Hinrichsfehn wollen sich jeweils mit jährlich 2000 Euro an den laufenden Kosten beteiligen. Die insgesamt 6000 Euro legt die Stadt in einer Rücklage für die spätere Belagserneuerung an. Denn nach etwa 15 Jahren muss der Kunstrasenbelag erneuert werden – die Stadt rechnet dafür mit Kosten von rund 180.000 Euro.
Wie ist der Zeitplan für den Bau des Kunstrasenplatzes?
Uwe Richter vom Planungsbüro Richter Sportstättenkonzepte aus Hermsdorf stellte den Zeitplan des Projektes vor: Bis Mitte März 2026 will das Büro alle Pläne fertigstellen, sodass die Stadt Wiesmoor bis Mitte April 2026 den Bauantrag einreichen kann. Richter rechnet damit, dass die Ausschreibung für den Kunstrasenplatz Mitte bis Ende Juni 2026 fertig sein wird und veröffentlicht werden kann. Mitte August 2026 könnten die Bauarbeiten starten.
Wenn alles klappt, können die Wiesmoorer Fußballer bereits im Mai 2027 auf dem neuen Kunstrasenplatz spielen. Um die 400.000 Euro vom Land Niedersachsen für den Kunstrasenplatz auch wirklich zu bekommen, muss der Bau noch in diesem Jahr starten. „Das Land Niedersachsen will noch in diesem Jahr Bagger rollen sehen“, sagt Sven Lübbers. Ursprünglich hätte das Projekt bereits in diesem Jahr abgeschlossen sein müssen, doch das Land hat die Frist für die Stadt Wiesmoor verlängert.
Muss Germania Wiesmoor einen Platz an die Stadt abgeben?
Die Idee, dass die Stadt Wiesmoor im Gegenzug zum neuen Kunstrasenplatz einen der Vereinsplätze – den sogenannten B-Platz am Fingerhutweg – für ein neues Baugebiet nutzen könnte, stammt aus den Anfangsjahren der Kunstrasenplatz-Diskussion. Im Jahr 2016 hatte offenbar der inzwischen inhaftierte Christian Rademacher-Jelten, damals Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des VfB Wiesmoor, der Stadt signalisiert, der Verein könne auf den Platz verzichten.
„Diese Zusage kam von einem Vorstandsmitglied, das heute nicht mehr im Vorstand des VfB vertreten ist – ohne Wissen des Gesamtvorstandes“, stellte Bürgermeister Sven Lübbers im Sportausschuss klar. Inzwischen hat die Vereinsführung deutlich gemacht, dass der B-Platz weiterhin gebraucht wird. Vor allem, weil der neue Kunstrasenplatz künftig von allen drei Wiesmoorer Vereinen genutzt wird. Die Stadt akzeptiert das laut Lübbers – hält aber langfristig an ihrem Interesse an der Fläche fest, sollte sich die Situation in Zukunft ändern.
Wie geht es weiter mit dem Hallenbad?
Für Lübbers ist es ein Glücksfall, dass die Stadt dieses Sportprojekt verwirklichen kann. Gleichzeitig kritisiert Lübbers den allgemeinen Zustand der Sportstätten in Wiesmoor deutlich: „Ich bin mit der Sportinfrastruktur, wie wir sie in Wiesmoor haben, nicht zufrieden. Der Kunstrasenplatz ist für mich der erste Stein, den wir ins Rollen bringen.“ Sein Ziel ist, sowohl den Kunstrasenplatz als auch die Sanierung des Hallenbades umzusetzen. Er warnt davor, immer neue Baugebiete auszuweisen, ohne die Infrastruktur mitzudenken.
Doch wie es mit dem Hallenbad weitergeht, ist noch offen. Die Stadt Wiesmoor hat inzwischen die nötigen Unterlagen für das neue Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ eingereicht. Bis zum 15. Januar 2026 konnten Kommunen ihre Anträge digital beim Bund stellen. Nun hofft Wiesmoor auf eine Zusage aus Berlin: Im Februar 2026 entscheidet der Haushaltsausschuss des Bundestages, welche Projekte gefördert werden. Erst dann steht fest, ob und wie die dringend benötigte Sanierung oder sogar ein Neubau des Hallenbades möglich wird. Bis dahin bleibt das Bad im aktuellen Zustand geöffnet. Die Stadt sucht weiter nach zusätzlichen Fördermitteln.
Rund 2,3 Millionen Euro aus dem Sportinvestitionsprogramm des Landes Niedersachsen hat die Stadt Wiesmoor bereits für das Hallenbad erhalten – doch angesichts der explodierten Kosten reicht diese Summe bei Weitem nicht aus, um die Sanierung zu stemmen.