Belm  Concordia Belm-Powe: Warum die Bundesliga-Bären für Cornhole durch ganz Europa touren

Moritz Büscher
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Von Moritz Büscher
| 16.01.2026 07:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sind süchtig danach, Säckchen zu werfen (v. li.): Konstantin Bär, Marc Buschmann und Paul Carpenter spielen Cornhole für den SVC Belm-Powe. Foto: Swaantje Hehmann
Sind süchtig danach, Säckchen zu werfen (v. li.): Konstantin Bär, Marc Buschmann und Paul Carpenter spielen Cornhole für den SVC Belm-Powe. Foto: Swaantje Hehmann
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Sie sind als Bären der Cornhole-Bundesliga bekannt: Die Cornhole-Abteilung des SV Concordia Belm-Powe, die am Wochenende zum zweiten Mal ein nationales Turnier ausrichtet, hat einen rasanten Aufstieg hingelegt. Einer, der im heimischen Garten begann und sie auf Europa-Tournee brachte.

Er gehört seit der Gründung im Oktober 2024 zur DNA der Cornhole-Abteilung und ist bei den rund 40 Spielern um Paul Carpenter, Marc Buschmann und Konstantin Bär als Vereinslogo fast überall zu finden: auf den selbst entworfenen grün-weißen Socken, Handyhüllen, Mützen, Bierkühlern, Handtüchern, Schlüsselanhängern, den zahlreichen Aufklebern und auch auf den Bags (Säckchen) als wichtigstem Handwerkzeug: der Braunbär mit T-Shirt in den Vereinsfarben des SV Concordia Belm-Powe. Eine Abteilung, die in knapp 15 Monaten aus einer kleinen Gruppe entstanden ist, ihre erste Bundesligasaison gespielt hat und nun durch ganz Europa tourt.

An Turnierteilnahmen in ganz Deutschland und in den europäischen Ländern sei zu Beginn noch nicht zu denken gewesen, als der jetzige Teamkapitän Vitali Kemmer am Vatertag 2024 im Garten von Bär zwei Holzbretter (Boards) und acht Bags mitbrachte. „Wir haben angefangen zu werfen. Marc und seine Freunde wollten nur eine Stunde bleiben, daraus sind dann vier geworden. Wir haben abends im Dunkeln bis 23 Uhr gespielt“, erklärt Bär.

Das Trio hat sich erst selbst Boards gebaut, immer wieder die Amerikanische Cornhole League (ACL) verfolgt und während der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Buschmanns Garten geübt. Und zwar so lange, dass seine Frau über den nicht mehr vorhandenen Rasen geflucht habe, wie Buschmann mit einem Augenzwinkern betont. „Wir sind in der Sportart total aufgegangen und verbringen jede freie Zeit mit Cornhole. Unsere Frauen beschweren sich schon, weil sie überall den Bären sehen“, sagt Carpenter, der sich mit seinen Mitspielern an diesem Mittwochabend auf die kommenden Turniere und seine zweite Bundesliga-Spielzeit vorbereitet.

Mal von oben, mal von unten, dann mit Schnitt von der Seite oder locker aus dem Handgelenk – überall sind fliegende Bären zu sehen: Mit verschiedensten Techniken und Taktiken sowie einem ruhigen Händchen werfen die Belmer Spieler in drei Einheiten pro Woche die Bags sekündlich von links nach rechts und von rechts nach links auf die zehn Holzbretter, die gegenüberliegend ungefähr acht Meter auseinanderstehen. Ein Ploppen verrät, dass der Bag auf dem Brett gelandet ist. Noch besser ist der Wurf ins Loch, der drei statt einen Punkt bringt. „Ich merke schon, wenn ich loslasse, ob er drin ist oder nicht. Du musst werfen, werfen, werfen – und dann wirst du besser“, erklärt Bär.

Der 37-Jährige ist einer von 24 Spielern des SCV Belm-Powe, die bei der Deutschen Cornhole Organisation (DCO) gemeldet sind. Die Anzahl an Mannschaften in der 1. und 2. Bundesliga habe sich laut Buschmann in den zwei Jahren fast verdreifacht, wobei die Osnabrücker in beiden Ligen einmal vertreten sind. In der ersten Bundesligasaison, die sich nur aus zwei Spieltagen mit jeweils fünf Partien zusammengesetzt hat und an der 30 Mannschaften in fünf Staffeln teilgenommen haben, qualifizierten sich die Belmer Bären wie die Cornis aus Bad Laer für die Endrunde. Anfang November landete der SCV in Hundsmühlen auf dem fünften Platz.

„Es strengt wirklich an: mental, aber auch körperlich, mit Muskelkater in den Armen. Wenn du es schaffst, den Kopf auszuschalten, dann kannst du weit kommen“, betont der 48-jährige Buschmann (Platz 44), der mit Carpenter (59) und Bär (36) zu den besten 60 deutschen Spielern gehört. Nicht nur in der Bundesliga wollen die Belmer Bären als Team wieder weit kommen, auch national im Einzel sowie im Doppel bei den DCO-Turnieren und bei 16 internationalen Veranstaltungen der ACL möchten sie auf sich aufmerksam machen.

Erste Erfolge feierte Bär, der in diesem Jahr den Profistatus erhalten und dafür unter die Top-36 in Europa kommen will, bereits in Frankreich. Dort gewann er mit einem zufällig zugelosten Partner ein Doppelturnier. „Das war das längste Turnier: Um 10 Uhr ging es los und um 0.30 Uhr waren wir aus der Halle. Konstantin kann halt mit Franzosen ganz gut“, sagt Buschmann. In diesem Jahr peilen sie Turniere in Belgien, Dänemark, den Niederlanden und zum zweiten Mal die Weltmeisterschaft in Kroatien an, bei der sie im letzten Jahr unter 380 Spielern Top-20-Platzierungen erreichten.

„Das war die größte Halle, in der ich je war – einfach bombastisch“, sagt Carpenter, der mit dem Osnabrücker Team unter anderem auf Mannschaften aus Argentinien, Kanada und den USA traf – und eine besondere Erfahrung machte. „Adam Hisner aus den USA hielt beim Spielen als Ausgleich immer eine Dose Bier in der Hand. Wenn die Dose leer war, füllte er diese immer auf. Die musste immer einen speziellen Radius haben. Das ist reine Kopfsache“, erklärt der 36-Jährige, der selbst im Wettkampf so tut, als ob er in der anderen Hand ein Bag hält.

Diese psychologischen Kniffe können Interessierte am Samstag (ab 11 Uhr) und Sonntag (ab 10 Uhr) in der Belmer Sporthalle verfolgen, wo der SV Concordia Belm-Powe die 1. Niedersachsen Open als DCO-Turnier auf 25 Spielfeldern ausrichtet – mit bis zu 128 Einzelspielern und 64 Doppeln. „Die Cornhole-Szene ist einfach eine familiäre, coole Community. Für mich ist es unfassbar, was wir schon auf die Beine gestellt haben“, betont Buschmann, der sich auch beim Heimturnier auf seine Bags mit den fliegenden Bären im grün-weißen Shirt verlassen wird.

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