Osnabrück Angeln trifft auf Kunst: Das steckt hinter dem Raubfischkongress in Osnabrück
Vom Neonbarsch zur Breakdance-Performance: In Osnabrück findet der erste internationale Raubfischkongress statt. Was es damit auf sich hat, erzählt Organisator Johannes Lohmöller. Es geht um weniger Stress und ein Highlight dürfte die getanzte „Raubfisch-Performance“ sein.
Johannes Lohmöller angelt bereits seit frühester Kindheit und ist auch heute noch voll dabei. Mehrfach stand er selbst auf Messebühnen und hielt Vorträge über das Barschangeln oder den Rutenbau. Dabei habe er gemerkt, dass seine Art der Vorträge zwar gut ankommt, aber die Menge dort nicht erreicht.
Viele Besucher solcher Messen interessieren sich eher für Forellen- oder Karpfenangeln, während bei Lohmöller und vielen seiner Anglerfreunde vor allem der Barsch und ähnliche Raubfische im Fokus stehen. Zwar gibt der begeisterte Angler gerne sein Wissen weiter, aber in dem großen Messebetrieb komme vieles, was ihm wichtig ist, einfach nicht richtig zur Geltung, erzählt er. Im vergangenen Jahr war für ihn klar: Es muss etwas Eigenes her. So entstand die Idee für den Raubfischkongress, der am kommenden Samstag, 17. Januar 2026, im Osnabrücker Westwerk stattfindet.
Lohmöller wollte eine Veranstaltung mit Kongresscharakter: eine kleinere Runde voller Gleichgesinnter, in der man sich trifft, austauscht und nachhaltige Informationen mitnimmt. Solche, die im Sinne der Angler sind, und nicht der Industrie. Wissen, das man untereinander teilt, statt nur zu konsumieren.
Man solle sich auf das, was beim Angeln passiert, wirklich einlassen, mein Lohmöller. Raus aus dem Alltag, raus aus dem Digitalen. „Wir wollen mit den Mitteln der Moderne die ganzen Jahrtausende alten Instinkte ein bisschen wachhalten“, erklärt er. Auch inhaltlich geht es deshalb bewusst zurück zum Wesentlichen. Es geht um reduziertes, aufmerksames Angeln, nicht um das neueste Equipment in fünf Varianten.
Zum Programm gehören deshalb unter anderem Workshops, in denen Lockpaste selbst hergestellt wird, und Vorträge über die eigenständige Rollenwartung. Auch Lohmöller selbst bietet einen Workshop dazu an, wie man Angelfotos vernünftig macht, ohne Fische lange zu stressen und trotzdem zu guten Ergebnissen zu kommen.
Lohmöller ist davon überzeugt, dass Angeln heute ein anderes Image hat. „Früher galt Angeln als konservativ“, sagt er. Heute sei es eher ein „Gegenpuls zu dem anderen, was im Moment viel grassiert“. Er meint damit dieses ständige Abklopfen, ob alles zu hundert Prozent korrekt ist, ob etwas „darf“, wer wie zitiert wird und wer vielleicht vergessen wurde.
Seine Gegenidee: zurück zum Wesentlichen. „Und das haben auch die Leute in der Kunstszene gecheckt“, sagt er. So lernte er den Künstler Theo Nikolaidis bei einer Kunstveranstaltung für Kinder kennen. Aus dieser Begegnung entstand schließlich die Zusammenarbeit für den Kongress. Ganz ohne Überzeugungsarbeit ging das allerdings nicht: „Da musste ich richtig hart in die Überzeugung gehen“, erzählt Lohmöller.
Um 18 Uhr wird beim Kongress die Malerei „Neonbarsch“ von Theo Nikolaidis enthüllt – Nikolaidis stellt aktuell in China und Miami aus und hat in Griechenland bereits mehrere Preise gewonnen. Details zum Neonbarsch dürfe er allerdings nicht verraten, sagt er augenzwinkernd.
Beim Raubfischkongress bleibt es nicht bei Vorträgen und Fachgesprächen. Abends gibt es ein außergewöhnliches Unterhaltungsprogramm – jedenfalls, wenn man an konventionelle Angelveranstaltungen denkt.
Nach der Enthüllung des Neonbarsches tritt Viet Hai Vu mit einer Breakdance-Performance auf. Ihn hat Lohmöller in seiner Arbeit als Lehrer bei „Music Moves“ kennengelernt und sofort gewusst: Der muss dabei sein. Die Bachata-Power-Group „Crème de la Crème“ um die Osnabrücker Tänzerin Chrissie Hull wird mit ihrer „Raubfisch-Performance” auf der Bühne stehen. Geprobt wurde dafür tatsächlich in Lohmöllers Wohnzimmer. Sogar ein Tätowierer ist vor Ort – natürlich mit passenden Raubfisch-Motiven.
Lohmöller hat Anglerfreunde aus der ganzen Welt: von den Niederlanden über Italien bis nach Sansibar. Als Angler würde man überall direkt aufgenommen werden, erzählt Lohmöller. Deshalb war für ihn klar, dass der Kongress international gedacht sein soll. Eines seiner großen Ziele ist, diese Offenheit in die Veranstaltungen zu holen. „Es wird ein ungewöhnlich freundlicher, respektvoller Umgang dort sein“, sagt Lohmöller. Tatsächlich kommen auch einige Nichtangler, die einfach neugierig sind – und genau das findet er reizvoll.
Die insgesamt 150 Tickets sind bereits ausverkauft – für Lohmöller wenig überraschend, da der Rahmen bewusst klein gehalten ist. Der Kongress ist bereits seit einem Jahr in Planung, unterstützt von einigen Anglerkollegen. Für diesen Samstag ist mittlerweile alles fertig, nur an der Deko wird an den letzten Tagen vor der Veranstaltung noch gefeilt. Eine weitere Veranstaltung im Jahr 2027 kann er sich jetzt schon gut vorstellen, und ist optimistisch gestimmt.