Hamburg Hundefreunde investieren bis zu 20.000 Euro – boomender Markt für Design, Pflege und Zubehör
Viele Hundebesitzer in Deutschland betrachten ihren Hund als Familienmitglied. Bis zu 20.000 Euro geben sie pro Hund aus, wobei für viele heute Design genauso wie Funktion zählt.
Hunde sind heutzutage mehr als Haustiere. Sie begleiten ihre Besitzer ins Büro, ins Café oder ins Restaurant. „Sie sind schon lange keine Nutztiere mehr“, sagt Melanie Grote, Gründerin und Geschäftsführerin des Online-Shops „Lieblingspfote“. „Hunde sind vollwertige Familienmitglieder.“ Mit ihrem Konzept hat Melanie Grote voll ins Schwarze getroffen – oder besser gesagt: ins Beige. Von ihrem Lager in Hamburg-Eppendorf aus versendet sie Geschirre, Halsbänder, Decken, Taschen und Spielzeuge in gedeckten Farben in ganz Deutschland, Europa und sogar in die USA.
Zwischen den sanften Tönen liegen farbige Spielzeuge in Form von Coca-Cola-Dosen, Artischocken oder Filmkameras. „Die Renner sind Tassen mit ‚Dog Dad‘- und ‚Dog Mom‘-Aufschriften sowie der Kuschelschlafsack“, sagt Grote. Wichtig sei, dass Spielzeug und Accessoires zur Einrichtung passen – oft minimalistisch und dezent. Auch der Aperol-Spritz-Bezug verkaufe sich sehr gut.
Nach einem Burn-out vor zehn Jahren machte sich die gebürtige Nordrhein-Westfälin mit ihrer Marke selbstständig – seitdem ging es steil bergauf. Auch Corona konnte dem Geschäft nichts anhaben; während der Pandemie legten sich viele Menschen Hunde zu. „Hunde teilen den Alltag mit uns, für manche sind sie eine Art Kinderersatz“, sagt Grote, selbst Hundebesitzerin.
Laut einer Studie der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest sehen manche Menschen Hunde als Alternative zu einem klassischen Familienmodell. „Hunde können eine ähnliche Bindung zu ihren Bezugspersonen aufbauen wie Kleinkinder“, erklären die Forscherinnen Laura Gillet und Enikő Kubinyi. Durch ihre teils kindlichen Eigenschaften sprechen sie das Bedürfnis an, sich zu kümmern. Viele Menschen entscheiden sich bewusst für einen Hund statt für ein Kind, da die Beziehung zu Hunden anders ist und weniger Verantwortung mit sich bringt.
Wer möchte, kann für einen Vierbeiner dennoch so viel Geld ausgeben wie für ein Kind. Die Hamburgerin Suse Beyer vertreibt höherpreisige Hundeartikel mit ihrer Kette „Pet Shop Boyz“ in den Stadtteilen St. Georg, Eppendorf, Harvestehude sowie auf Sylt. „Die Kaufbereitschaft ist teilweise beeindruckend“, berichtet sie.
„Sicherlich gibt es Unterschiede zwischen den Filialen und die Kunden in St. Georg kaufen eher Alltagsbedarf, aber jeder gibt gern Geld für den Hund aus. In Harvestehude fragen sie oft nicht einmal nach den Preisen. Da kommt man dann schon mal auf 1500 bis 2000 Euro für einen Einkauf.“ Insgesamt geben Hundebesitzer in Deutschland durchschnittlich 12.000 bis 20.000 Euro pro Hundeleben aus – damit kommen die Harvestehuder Herrchen und Frauchen wohl nicht hin.
Im „Dog Happiness Index 2025“ des Online-Portals CheckForPet erhielt Hamburg 44 von 50 Punkten und wurde damit zur hundefreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt. 2022 kamen 162 Hunde auf 1000 Hamburger – die höchste Dichte bundesweit. Die Eilbekerin Elena Dana Rohde bestätigt das: „Hamburg bietet viele Grünflächen, Wasser und hundefreundliche Menschen.“
Für die 34-Jährige ist eine tierische Begleitung nicht mehr wegzudenken: Drei Monate nach dem Tod ihres ersten Hundes zog Hündin Lulu bei ihr ein. Rohde legt Wert auf gesunde, umweltfreundliche Ernährung und verzichtet möglichst auf Fertigprodukte. Entsprechende Snacks und Leckerlis gibt es mittlerweile natürlich auch zu kaufen.
Geld lässt sich in Hamburg nicht nur mit Hunde-Boutiquen oder -Discountern wie Futterhaus und Co. verdienen, deren Einnahmen Jahr für Jahr solide wachsen. Auch moderne Tierarzt-Ketten wie Rex (Winterhude/Ottensen) und Filu (Winterhude) mit eigenen Apps und modernen Konzepten erfreuen sich trotz horrender Preise einer großen Nachfrage. Hier gehen die Einnahmen nicht mehr direkt an den selbstständigen Mediziner, sondern an ein zentrales Management, das vor allem aus wirtschaftlichen Interessen agiert – dafür bieten die Praxen längere Öffnungszeiten und ein größeres Leistungsangebot.
Auch Hundesalons boomen: „Früher gingen nur ältere Damen mit Pudel zum Friseur – heute spricht das fast alle Besitzer an“, sagt Suse Beyer. In Hamburg gibt es mehrere Dutzend Salons, manche mit Massagen, Aromatherapie oder tiefer Zahnpflege. Wer den Hund nicht zum Friseur bringt, findet in Boutiquen wie „Pet Shop Boyz“ Alternativen – etwa einen „Soothing Conditioner“ für stolze 38 Euro pro Flasche.